Le Weekend (2013)

OT: Le Week-End - 93 Minuten - Komödie / Drama
Le Weekend (2013)
Kinostart: 31.01.2014
DVD-Start: 28.05.2014 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Le Weekend

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Mit Paris und seinem Ruf als die romantischste aller Städte ist es ein wenig so wie mit der Henne und dem Ei: Man fragt sich, was zuerst da war. Die filmischen Darstellungen von Paris-Liebe als Henne und die von Millionen nachgemachten Wochenendausflüge als Ei. Oder umgekehrt? Wie auch immer! Filmisch wird diese Thematik bis zum Geht-Nicht-Mehr ausgeschöpft, insbesondere von der US-amerikanischen Traumfabrik. Denken wir an aktuelle Beispiele wie „Midnight in Paris“ von Woody Allen, „2 Days in Paris“ von Julie Delpy, dem Episodenfilm „Paris, je t’aime“ oder „Before Sunset“ von Richard Linklater. Allesamt Filme, in denen die Stadt mit den Protagonisten im Mittelpunkt – in drei davon sogar im Filmtitel – steht.

Nun hat Roger Michell, Regisseur von Filmen wie „Notting Hill“, „Changing Lanes“ und „Venus“, einen Film gemacht, indem es – wie in den oben erwähnten – um das Leben und die Liebe in ansprechender Paris-Kulisse geht. Das Drehbuch hat der britische Schriftsteller Hanif Kureishi verfasst, der bereits u.a. das Drehbuch zu „My Beautiful Laundrette“ von Stephen Frears geschrieben hat, auch Patrice Chéraus „Intimacy“ basiert auf seinem gleichnamigen Roman. „Le Weekend“ ist auch nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Michell und Kureishi, haben sie bereits bei „The Mother“ und „Venus“ zusammengearbeitet.

Zum Inhalt: Das Endfünfziger-Pärchen Rick (routiniert: Jim Broadbent) und Meg Burrows (routiniert: Lindsay Duncan) wagt sich ein erneutes Mal nach Paris, einerseits um den runden und dreißigsten Hochzeittag feierlich zu begießen, andererseits um ihre Erinnerungen an die gute alte und immer viel besser anmutende Zeit aufzufrischen. Wer sich hierbei Kitsch und Schnulze erwartet, könnte nicht ferner liegen und sollte auf jeden Fall weiterlesen. Tatsächlich entpuppt sich „Le Weekend“ als eine herzliche und entzückende Angelegenheit.

Schon während der ersten Einstellung, der Zugfahrt nach Paris, wird klar, hier handelt es sich um zwei Personen, die sich in- und auswendig kennen. Und wohl wissen, welche Schalter und Hebel sie drücken müssen, um das geliebte Gegenüber in kürzester Zeit wie ein Germteig aufgehen zu lassen. Innerhalb der ersten paar Minuten bekommen wir das erste Wortgefecht geboten – indem es wie so oft um Belanglosigkeiten geht. So streiten und spazieren sie durch den Film – bis sie auf den sehr exaltierten Amerikaner Morgan (Jeff Goldblum) treffen, einen ehemaligen Bekannten von Nick.

Was der Film außerdem zu bieten hat: bedingungslose Vertrautheit. Wenn Nick und Meg nicht gerade in Paris-Momenten – die aus gutem Essen, reichlich Wein und langen Spaziergängen bestehen – schwelgen, holt sie die mittelständische Gegenwart des nicht so romantischen und kein bisschen romantisierten Englands ein: Wird Nick seinen Job verlieren? Hat Meg einen Liebhaber? Kommt der erwachsene Sohn Michael mit eigener Familie ohne finanzielle Unterstützung seiner Eltern aus? Und beide fragen sich, ob sie das Alles überhaupt noch wollen?

Begeisterte Filmfans werden vor allem die eingestreuten Zitate aus Werken der Nouvelle-Vague-Filmemacher Jean-Luc Godard und Louis Malle schätzen. Man sieht „Le Weekend“ auch an, dass sich Michell weitaus mehr an Paris-Filmen aus den Sechzigern orientiert hat. Der Reiz, den die Stadt auf die Protagonisten Nick und Meg vor dreißig Jahren ausübte, ist verflogen. Was folgt, ist eine Ernüchterung, die nichts mit Romantik und Magie zu tun hat. Die Stadt ist eine andere geworden. Das sind die Figuren auch, sie müssen sich das nur noch eingestehen.

Fazit:
„Le Weekend“ kann auch als Fortführung und vierter Film der Richard Linklater „Before“-Reihe gesehen werden. Der Film zeigt ein vertrautes und intaktes Beziehungsgefüge, worin er gänzlich auf sentimentale Ausschmückung und forcierte Romantik verzichtet. Für eine Komödie gibt es zu viele tragische Momente im Film. Allerdings erweisen sich gerade diese als kleine Glücksmomente. Der Charme bzw. die Magie kommt nicht von der bekannten und wie so oft gesehene Paris-Kulisse, sondern von den authentischen Figuren, mit all ihren Makeln und Ticks. Besonders lohnend stellt sich Jeff Goldblum als Morgan heraus, der hier eine seiner besten Leistungen der letzten Jahre liefert.

Wertung:
7/10 Punkte
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Liste von Ramtin
Erstellt: 14.04.2013