Zaytoun (2012)

OT: Zaytoun - 110 Minuten - Abenteuer / Drama / Thriller / Krieg
Zaytoun (2012)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 11.04.2014 - Blu-ray-Start: 11.04.2014
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Filmkritik zu Zaytoun

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Der preisgekrönte Regisseur Eran Riklis (Lemon Tree, Die syrische Braut) bringt uns mit unglaublich feinem Gespür für Emotionen den Vorabend des Krieges zwischen Israel und dem Libanon in den 1980ern auf die Leinwand. „Zaytoun“ ist das arabische Wort für Olive - ein vielsagender Filmtitel also, - denn der Ölzweig steht bekanntlich für den Frieden. Und eben diesen erleben zwei anfängliche Feinde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, inmitten eines alltäglichen Überlebenskampfes.

Der 12-jährige Fahed (Abdallah el Akal) lebt mit Vater und Großvater in einem Camp für palästinensische Flüchtlinge. Schule ist für ihn zweitrangig, - er verkauft auf der Straße Zigaretten und Kaugummi und muss sich gegen libanesische Jugendbanden durchsetzten. Aufmerksamkeit widmet er vor allem seinen Vater, der mit aller Fürsorge ein Olivenbäumchen pflegt, mit dem Wunsch, dieses irgendwann in seinem Heimatdorf einpflanzen zu können. Nicht nur in Faheds Schulklasse werden es täglich weniger Schüler und mehr Kerzen – auch sein Vater kommt schließlich bei einem Bombenangriff ums Leben. Beim Anschlag stürzt ein israelischer Pilot über Beirut ab und wird von der PLO gefangen genommen. Der junge Fahed, welchem der Israeli-Hass anerzogen wurde, hat nun ein Ventil gefunden und richtet seinen ganzen Zorn gegen den Piloten Yoni (Stephen Dorff). Zumindest bis dieser ihm einen Deal vorschlägt: Gegen seine Befreiung würde er ihm helfen in sein Heimatdorf zu gelangen, um das Olivenbäumchen seines toten Vaters pflanzen zu können. Es kostet Fahed zurecht eine Menge Überwindung Yoni zu vertrauen, denn dieser hat erst einmal nicht vor, sein Versprechen einzuhalten. Schließlich lässt er den Jungen dann doch nicht im Stich und es folgt ein riskanter Roadtrip durch den Libanon, welcher aufgrund der Verbündung zweier Feinde noch um einiges riskanter wird. Aus Notwendigkeit heraus, wachst langsam eine herzliche Freundschaft zwischen den beiden, die trotz Rückschläge und prekären Umständen durchhält.

Riklis bringt uns geschickt und tiefgreifend den nahen Osten näher, und schenkt uns die Hoffnung, dass Freundschaft und Friede auch innerhalb einer gefestigten Gewaltspirale die Chance hat, fruchten zu können. Die Kunst liegt darin, diese Story ohne Kitsch zu erzählen, und die Situation sowie das Umfeld in dem die Protagonisten agieren, nicht zu verharmlosen. Der Regisseur beweist hier regelrecht Feingefühl, denn er gibt dem Kriegsszenario, die nötige Tiefe, und setzt die Story der zwei Protagonisten dennoch klar und deutlich in den Fokus. Mit Stephen Dorff hat er einen Sympathiemagneten in der Hauptrolle und Abdallah El Akal erweist sich ebenfalls als Erfolgsträger des Films. Man schaut ihm mit Freude beim Spielen zu und bewundert seine Authentizität der Rolle und des Szenarios gegenüber. Selbst wenn man sich bisher nicht mit dem Konflikt zwischen Israel und Palästina auseinandergesetzt hat, wird man nach dem Film ein Gespür für die Situation haben, die den Nahen Osten schon in den 80ern ausmachte. Und im Grunde ist das Auge des Sturms in diesem Fall ein kleiner Olivenbaum, welcher seit jeher ein Friedenssymbol darstellt und seine Assoziationskette nach Zaytoun noch um einiges erweitert. Versöhnung, Hoffnung und Freundschaft werden hier durch zwei Charaktere vermittelt, die am Ende nur wie zwei Variable einer Gleichung fungieren. Denn die Moral der Story, die sich entwickelt, wäre genauso gut auf Weiß und Schwarz, Christen und Muslime, Türken und Kurden, etc. auslegbar. Das Transportierte bleibt dabei immer gleich: Ein Ausbrechen aus der generationsüberschreitenden Gewaltspirale zweier verfeindeter Fronten.

Fazit:
Zaytoun ist ein Film mit einer Story im Zentrum, die zwar nicht neu erscheint, aber nie an Aktualität verliert. Eran Riklis Bemühungen, mit Feingefühl für den Nahost-Konflikt eine Geschichte mit Werten zu erzählen, sind vollends gelungen. Mit Stephen Dorff und Abdallah El Akal hat er seine perfekte Besetzung gefunden, und es geschafft, die geplante Wirkung des Films umzusetzen. Zwei Feinde, welche wortwörtlich im Minenfeld zueinander finden, und nicht nur sich – sondern auch die Zuschauer berühren. Der Film ist ein Fenster in den Nahen Osten, der uns einen kleinen Einblick in die harte Realität gibt und die Hoffnung schenkt, das Versöhnung und Freundschaft auch unter unwahrscheinlichen Umständen möglich ist.

Wertung:
9/10 Punkte
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Erstellt: 20.10.2013