The Counselor (2013)

OT: The Counselor - 117 Minuten - Krimi / Drama / Thriller
The Counselor (2013)
Kinostart: 28.11.2013
DVD-Start: 02.04.2014 - Blu-ray-Start: 02.04.2014
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Filmkritik zu The Counselor

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Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy, seines Zeichens gefeierter Autor von den Romanvorlagen zu No Country for Old Men und The Road, versucht sich an seinem ersten Originaldrehbuch. Regielegende Ridley Scott, mit Filmen wie Blade Runner und Alien in der Filmgeschichte verewigt, inszeniert das Spektakel. Und auf Darstellerebene steht ein All-Star-Ensemble rund um Michael Fassbender, Javier Bardem, Brad Pitt, Cameron Diaz und Penelope Cruz zur Stelle. Da kann doch eigentlich nicht viel schief gehen, oder? Doch über das Ergebnis breitet man am besten den Mantel des Schweigens, denn McCarthy verliert sich storytechnisch in seiner eigene Welt und scheinbar hatte keiner der Beteiligten den Mut um aufzuzeigen, dass alles in eine vollkommen falsche Richtung läuft.

Der Counselor (Michael Fassbender) ist ein wohlhabender Mann, der mit Laura (Penélope Cruz) auch bereits seine Traumfrau gefunden hat. Scheinbar ist alles da, aber trotz hohem Einkommen reicht ihm das Geld nicht. Er will mehr, und deshalb begibt er sich auf den Pfad des Verbrechens. Durch seinen Kontakt zum ausgeflippten Gangster Reiner (Javier Bardem) und seiner noch viel durchgeknallteren Freundin Malkina (Cameron Diaz) bekommt er die Gelegenheit sich an einem Deal zu beteiligen. Alle Warnungen von seinem Geschäftspartner Westray (Brad Pitt) schießt er in den Wind und geht aufs Ganze. Und dann geht der Deal schief und plötzlich will das Kartell Köpfe rollen sehen…

Eigentlich hätte The Counselor enormes Potential gehabt. Cormac McCarthy ist ein ausgezeichneter Autor, Ridley Scott versteht es sehr gut seine Geschichte in eindrucksvolle Bilder zu verwandeln und auch den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen: Sie legen sich voll ins Zeug und können dennoch nichts ändern. Doch wo ist der Film falsch abgebogen? Die Probleme beginnen bereits mit der grundlegenden Konzeption des Films. Denn auf eine traditionelle Entwicklung einer Geschichte wird großteils verzichtet. Der Zuseher wird ins kalte Wasser geworfen und die Figuren führen abgehobene, philosophische Diskurse über ihre eigenen Handlungen, was den Film zwar eventuell ergiebig macht um ihn auf Metaebene zu sezieren, aber für den normalen Zuseher höchst befremdlich erscheint.

Wenn der Film beginnt, befindet sich die Hauptfigur bereits halb im Schlamassel und man bekommt auch ansonsten immer nur die Hälfte mit was eigentlich geschieht. Cormac McCarthy lässt Lücken in der Erzählung aufreissen und füllt sie mit Andeutungen und immer wieder mit aufgesetzten und recht gestelzten Dialogfetzen. Daraus entsteht aber nie ein zusammenhängendes Bild. The Counselor bleibt ein Flickwerk aus mal mehr, mal weniger gelungenen Einzelmomenten, die sich nur schwer zu einer Geschichte zusammensetzen lassen. Stattdessen ertastet der Film auf etwas abstrakte Weise die Durchtriebenheit seines Milieus, ohne dem Zuseher dabei allzu sehr entgegen zu kommen.

Für einen Thriller ist der Film viel zu spannungsarm. Man hat fast den Eindruck, dass sich die Filmemacher bewusst entschieden haben nicht die Spannungsschraube anzuziehen, damit man sich vornehmlich auf intellektueller Ebene mit dem Film auseinandersetzt. Aber selbst wenn man das tut, erscheint der Film nicht zufriedenstellend, da er es nicht versteht seine Überlegungen zur Gier des Menschen und der Gnadenlosigkeit der Welt, realistisch im Milieu zu erden. Kaum eine Figur redet hier so, wie man es erwartet würde und wenn es dem Zweck von McCarthy dient, werden auch mexikanische Barbesitzer schon einmal zu tiefsinnigen Philosophen. Auch die immer wieder aufreissenden Plotholes und Logiklöcher helfen nicht gerade den Film aufzuwerten.

Aber The Counselor ist auch kein richtiges Drama. Dazu bedeuten einem die Figuren viel zu wenig, denn kaum einem Charakter wird wirklich Empathie entgegen gebracht, sodass ihr Schicksal auch nicht nahe geht. Was also ist The Counselor eigentlich? Am ehesten könnte man sagen es ist ein Film, der einen eiskalten Blick auf die Abgründe der menschlichen Seele werfen möchte, aber das am besten unter Laborbedingungen, sodass man sich bloß nicht mit echten Charakteren auseinandersetzen muss, die womöglich die Kohärenz der Versuchsergebnisse trüben könnten.

Da scheint es auch nur logisch, dass der Film auch kein Ende parat hat. An einem Punkt entscheidet Cormac McCarthy schlicht, dass sein Laborversuch beendet ist. Was mit den Figuren weiter geschieht darf sich der Zuseher selbst zusammenreimen - oder vielleicht auch eher nicht, da es wohl kaum jemanden interessieren dürfte. Gewiss, es gibt durchaus starke Momente im Film, in denen die nihilistische Darstellung unserer Welt eine gewisse Faszination ausübt, aber letzten Endes überwiegt doch der Ärger über einen großteils enttäuschenden Film, der sein enormes Potential in Sachen Cast und Crew leider nur zu einem mittelmäßigen und wenig inspirierenden Flickwerk zusammengeschustert hat.

Fazit:
The Counselor ist bis dato wohl eine der größten Enttäuschungen des Kinojahres. Der eigentlich sehr talentierte Cormac McCarthy hat sich mit seinem Drehbuchdebüt leider verhoben und serviert eine ziellose Story, die sich in bedeutungsschwangeren Dialogen verliert und die sich leider nie wirklich realistisch im Milieu erden kann. Plotholes und Logiklöcher findet man leider deutlich häufiger als Genieblitze und die zerfranste und lückenhafte Struktur des Films verhindert von Anfang an, dass auch nur ein Funke Spannung aufkommt. Was über bleibt ist vor allem Langeweile und Enttäuschung angessichts der Tatsache welches Potential hier verschenkt wurde. Ein müder Film, der am liebsten die Welt hinter sich lassen würde und in einem Labor spielen sollte, damit die präzisen Überlegungen ja nicht von den Wirrungen der Wirklichkeit beschmutzt werden.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 7
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Liste von Foxy
Erstellt: 23.10.2013