Die Bücherdiebin (2013)

OT: The Book Thief - 131 Minuten - Drama / Krieg
Die Bücherdiebin (2013)
Kinostart: 13.03.2014
DVD-Start: 12.09.2014 - Blu-ray-Start: 12.09.2014
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Filmkritik zu Die Bücherdiebin

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Wenn man gezielt einen oscarfähigen Film produzieren möchte, gibt es zwar kein Geheimrezept, aber insbesondere für historische Dramen scheint man immer wieder auf dunkle Kapitel in der Geschichte (siehe "12 Years a Slave"), vor allem auf den Nationalsozialismus zurückzugreifen. Wenn dann noch ein Kind als Protagonist auftritt und man John Williams als Komponisten engagieren kann, ist man auf einem guten Weg. Downton Abbey-Macher und Regisseur Brian Percival hat all diese Faktoren in seinem Kinodebüt vereint und bewegt sich dennoch auf Glatteis. Der Film hat zwar einige bewegende, durchaus elektrisierende Momente, darunter auch jene Szene, in der Liesel dem im Keller lebenden Max die Farben des Tageslicht mit beflügelten Worten näher bringen möchte. Diese Szene ist pure Kinomagie und verleiht dem Film eine archaische Note - erinnert gar an Platons Höhlengleichnis. Leider gibt es zu wenige solcher Momente, die es schaffen, die Beengtheit und die Ängste dieser Zeit zu verdeutlichen, aber gleichzeitig die menschliche Hoffnung hochleben zu lassen.

Während des zweiten Weltkrieges sollen die neunjährige Liesel Meminger (Sophie Nélisse) und ihr kleiner Bruder (Julian Lehmann) bei einer Pflegefamilie untergebracht werden, da sich ihre leibliche Mutter (Heike Makatsch), nicht mehr um sie kümmern kann. Der Junge überlebt die Reise nicht und so bleibt Liesel alleine zurück in ihrem neuen Zuhause mit ihren Pflegeeltern Hans (Geoffrey Rush) und Rosa Hubermann (Emily Watson). Zunächst hat sie Schwierigkeiten mit der neuen Umgebung, als sie aber den Nachbarsjungen Rudi kennenlernt, der ihr bester Freund wird, und sich ihr Ziehvater als liebevoller herausstellt, als sie zunächst dachte, kann sie sich schließlich mit dem Gedanken anfreunden, die Himmelstraße ihr Zuhause zu nennen. Durch die Unterstützung des Juden Max (Ben Schnetzer), den sie bei sich im Keller verstecken, lernt sie lesen und Bücher zu lieben. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen Liesel und Max, die durch ihre Liebe zur Poesie und Phantasie neue Lebenslust in einer düsteren Zeit finden.

The Book Thief basiert auf dem Coming of Age-Roman von Markus Zusak. Der weltweit erfolgreiche Bestseller baut auf Zeitzeugenberichten seiner österreichischen Mutter und seines deutschen Vaters auf. Die Berichte über die Judenverfolgung und Bombennächte inspirierten den Australier zur fiktiven Geschichte der „Bücherdiebin“, die nichts mehr mit der eigenen Familiengeschichte zu tun hat. Die Erzählung kreist um das Erwachsenwerden in einer Zeit, in der Kindsein äußerst schwierig, ja unmöglich ist.

Damit beschäftigen sich sowohl das Buch, als auch der Film mit dem zeitlosen Thema des Aufwachsens in Kriegszeiten. Trotzdem bewährt sich dieses Motiv für Percival nicht: Der Film drückt auf die Tränendrüse und es bedarf schon eines Herzens aus Stein um sich nicht von den dramatischen Szenen, die ja viele reale Schicksale dieser Zeit einfangen, berühren zu lassen, aber darüber hinaus scheint Percival nicht zu wissen, wohin mit diesem Thema. Die Bücherdiebin wirkt rgendwie ungelenk und fehl am Platz, einzig die guten Schauspielleistungen ziehen den Film aus der Affäre.

Percival scheint sich für sein Kinodebüt zu hohe Ziele gesteckt zu haben, die nicht recht aufgehen. Lediglich der Soundtrack von John Williams wurde für einen BAFTA-, Gloden Globe- Award und einen Oscar nominiert; dieser steht aber irgendwie für sich und scheint sich nicht so recht an das Kriegsdrama heranzuschmiegen.

Fazit:
Die Bücherdiebin ist ein gutes Coming of Age-Drama, das aber in jeder Hinsicht in der Zeit des Nationalsozialismus fehl am Platz wirkt. Angefangen beim befremdlichen bayrischen Akzent, den die Hauptdarsteller im englischen Original aufsetzen bis hin zur kitschig-märchenhaften Erzählweise fehlt es dem Film schlichtweg die Glaubwürdigkeit. Zu allem Überfluss wird die Geschichte vom Tod selbst erzählt, warum, weiß man nicht. Die dunklen, berührenden und erschütternden Szenen sind durchaus gelungen, doch werden sie von dem märchenhaften Gestus der Erzählung in eine Schneekugelwelt gerückt, die so gar nicht dem grauenhaften Alltag der NS-Zeit gerecht wird.

Wertung:
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