Mandela: Der lange Weg zur Freiheit (2013)

OT: Mandela: Long Walk to Freedom - 141 Minuten - Biographie / Drama / Geschichte
Mandela: Der lange Weg zur Freiheit (2013)
Kinostart: 31.01.2014
DVD-Start: 05.09.2014 - Blu-ray-Start: 05.09.2014
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Filmkritik zu Mandela: Der lange Weg zur Freiheit

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„Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ - Das ist die Geschichte eines Mannes, der in seinem Leben mehr erlebt und bewegt hat, als kaum ein anderer. Ein Mann, der vor allem für den Frieden in Südafrika aufopferungsvoll kämpfte. Ein Mann, der der Apartheid, den Kampf ansagte. Mandelas Leben war geprägt von Ungerechtigkeit, Rassismus und Gewalt. Und trotzdem verlor er nie den Glauben an die Menschheit und an die Kraft der Liebe.

„Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil“

Die größte Schwierigkeit, einen Film über so ein ereignisvolles Leben zu machen, liegt wohl darin, die enorme Kapazität der Ereignisse, Taten, und deren Bedeutungen in einem zweieinhalbstündigen Film, möglichst unterhaltsam und gleichzeitig anspruchsvoll zusammenzufassen. Dass dies ein richtig schweres Unterfangen ist, war wohl jedem der Beteiligten klar. Denn alleine Mandelas politischen Kämpfen, bis hin zum Präsidentenamt, hätte man ohne Probleme, nicht nur einen ganzen Film widmen können. Aber auch die tragische Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner zweiten Ehefrau Winnie ist eines der großen Kapitel in Mandelas Leben, welches schon alleine einen ganzen Abendfilm füllen könnte.

Ganze 16 Jahre und 34 Drehbuchversionen(!) wurden an der Umsetzung des Filmes über den großen Mandela gewerkelt. Als Vorlage diente Mandelas gleichnamige Autobiografie, die 1995 veröffentlicht wurde und über 700 Seiten lang ist. Allein an diesem großen Zeitraum lässt sich erkennen, wie respektvoll man mit dieser Geschichte umging. Befürchtungen, dass hier eine Art Heldenvergötterung entsteht, können aber gleich beseitigt werden. Mandela wird als charmanter, starker Mann gezeigt, aber vor allem als Mensch mit Fehler und Schwächen. Mandela war es schon bei seiner Biographie sehr wichtig, nicht als übermenschlich dargestellt zu werden. Er betonte immer, er sei nur Einer von Vielen, denn nur zusammen könnte man etwas bewegen. Diese Botschaft kann der Film auch durchgehend übermitteln und Regisseur Justin Chadwick („Der älteste Schüler der Welt“) gelingt es auch tatsächlich, die Schwächen Mandelas nicht zu leugnen und trotzdem keinesfalls den Respekt den Mandela verdient, zu missachten.

Insgesamt kann man sagen, dass Regisseur Chadwick aus einem Film bei dem man viel falsch machen hätte können, fast alles richtig gemacht hat. Der Film bewegt sich gekonnt zwischen anspruchsvoller Biographie und Unterhaltungsfilm. Während im ersten Drittel das Hauptaugenmerk auf die Liebesgeschichte zwischen Winnie und Mandela liegt, wird im dritten Teil dann mehr der politische Kampf Mandelas behandelt. Dadurch wirken aber die mit weniger Beachtung geschenkten Themen in den jeweiligen Dritteln, etwas inkomplett. So fühlt man sich bei den Demonstrationen und auch bei der Verurteilung Mandelas etwas unzureichend informiert und wie ins kalte Wasser gestoßen. Dies stört ein wenig, weil hier ein starker Kontrast zur angesprochenen Liebesgeschichte entsteht, in der sich der Zuseher viel mehr miteinbezogen fühlt. Das gleiche gilt dann für das letzte Drittel, wo der Spieß umgedreht wird und man das politische Überzeugungstalent Mandelas bewundern kann. Dabei aber bei der Trennung Mandelas und Winnies, doch das Gefühl nicht los wird, etwas verpasst zu haben.

Die größte Stärke des Films ist jedoch dessen zweites Drittel. Dem Gefängnisleben Mandelas wird hier die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Und genau hier kann die Größe und die unglaublich leidensvolle Geschichte Mandelas sehr authentisch übermittelt werden. Doch dabei wird keinesfalls in die Kitschkiste gegriffen. Nein, Regisseur Chadwick nimmt sich geschickt zurück und überlässt den großartigen Schauspiel von Idirs Elba als Mandela, aber auch jenes von Naomie Harris als Winnie, die Show. Idirs Elba spielt Mandela wirklich überzeugend. Sein Charme, seine körperliche Präsenz, seine Stärke und Güte, aber auch seine Zweifel und Schuldgefühle, kann er in jeder Szene authentisch wiederspiegeln. Eine Oscar-Nominierung wäre hier sicher kein Fehler. Aber, wie erwähnt, auch Naomie Harris, hat sich sichtbar in ihre Rolle eingelebt, und bietet großartige Schauspielkunst. Großes Lob verdienen auch die Masken und Makeup Arbeiten des Filmes. Selten wurden Menschen so realistisch Älter gemacht. Idirs Elba sieht als dynamischer 30 jähriger genauso überzeugend aus, wie, als vom Leben gezeichneter 70 jähriger, nach seiner Gefängniszeit. Auch die schönen Aufnahmen der Landschaft von Südafrika und der, einer Hollywood Produktion nichts nachstehenden, Optik des Filmes, verdienen sich, hervorgehoben zu werden. Mit stimmiger afrikanischer Musik (von der es ruhig noch mehr hätte sein dürfen) wird die Kultur Südafrikas atmosphärisch auf die Leinwand projiziert.

Fazit:
Bei „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ wurde viel richtig und kaum was falsch gemacht. Die große Herausforderung, ein so umfangreiches Leben in nur einem Film zu verpacken, kann man als bestanden bezeichnen. Klar, konnte nicht alles so umfangreich behandelt werden, wie es sich verdient hätte und manche Punkte scheinen hier und da inkomplett zu sein. Aber den meisten Gefahren, wie eine Art Heldenverehrung zu erliegen, wurden geschickt ausgewichen und man kann sich beruhigt ins Kino wagen. Durch großartige Schauspielkunst, einer schönen Optik und einem starken zweiten Drittel, ist aus „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ nämlich ein Werk geworden, das einen großen Mann würdigt und ihm den Respekt und die Aufmerksamkeit schenkt, welche ihm wahrlich gebührt.

Wertung:
8/10 Punkte
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013