47 Ronin (2013)

OT: 47 Ronin - 118 Minuten - Action / Abenteuer / Fantasy
47 Ronin (2013)
Kinostart: 31.01.2014
DVD-Start: 05.06.2014 - Blu-ray-Start: 05.06.2014
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Filmkritik zu 47 Ronin

Von am
2013 versuchte sich ein Regisseur, den ich gerne als die ostasiatische Reinkarnation Alfred Hitchcocks bezeichne, in anderen, dem westlichen Zuseher vertrauteren Gefilden. Das Ergebnis, STOKER, wurde sowohl von Publikum- als auch Kritikerseite hervorragend aufgenommen und sprach für das Genie und Können dieses Regisseurs. Park Chan-Wook (bekannt für THIRST, OLDBOY, LADY VENGEANCE usw.) gelingen scheinbar Geniestreiche, als ob er nicht mal dann einen durchschnittlichen Film machen könnte, selbst wenn er wirklich wollte. Regisseur Carl Erik Rinsch und die Drehbuchautoren Morgan/Amini versuchten sich nun in der deutlichsten Version kulturübergreifenden Schaffens in Richtung Japan. Sie machten sich daran, den Samurai Film fürs US-Kino aufzuweichen. Was ist daraus geworden?

Die Geschichte um die 47 herrenlosen Samurai, die den Tod ihres Herren Lord Asano rächten, ist ein historisches Ereignis, das tief im japanischen Bewusstsein verankert ist. Sie gehört zum japanischen Allgemeinwissen, wird in Schulen gelehrt, in Büchern erzählt, in Theaterstücken aufgeführt und ebenso immer wieder verfilmt. Die neueste Verfilmung ist von einem Regisseur inszeniert, der noch keinen Film in Spielfilmlänge vorzuweisen hat und folglich eher bei Insidern und Kennern von Begriff sein wird. Das Drehbuch kam primär von Chris Morgan – ein Drehbuchautor mit der Vorliebe, die Komplexität der Figuren möglichst eingeschränkt zu halten. Und trotz einer Schauspielgröße wie Keanu Reeves muss man sich fragen: Ist es nicht zu gefährlich einem unbekannten Regisseur und einem Drehbuchautor, den man in erster Linie für Pubertätsfilme wie FAST & FURIOUS 4-6 oder WANTED kennt, so ein hoch budgetiertes und qualitativ anspruchsvolles Projekt anzuvertrauen?

Die Story: Lord Kira (Tadanobu Asano) bringt mit der Hilfe seiner Hexe Mizuki (Rinko Kikuchi) Lord Asano (Min Tanaka) zu Fall. Asano, der in Ungnade fiel, nahm das gegen ihn geführte Komplott hin und bestand darauf ehrenhaft durch seine eigene Hand (Seppuku) zu sterben. Daraufhin fiel sämtlicher Besitz Asanos wie auch seine Tochter Mika (Kō Shibasaki) Lord Kira zu. Seine Samurai wurden herrenlos (genannt Ronin) und der Leibeigene, Kai (Keanu Reeves), als Sklave verkauft. Oishi (Hiroyuki Sanada), ehemaliger Anführer der Samurai, hilft Kai aus der Gefangenschaft zu fliehen und schwört mit seinen alten Mitstreitern Rache. Mit Kais Hilfe soll ihnen diese Rache glücken.

Aus den 47 Ronin ist aufgrund der vielzähligen Neuinterpretationen Mythos genug geworden, um auch auf das profitorientierte Blockbusterkino einen Reiz auszuüben. Nur bereuten es die Investoren über alle Maßen seit der ersten Woche nach der US-Erstaufführung, eine zutiefst japanische Geschichte auf ihre Art verkaufen zu wollen. Aus filmkritischer Sicht, sind die Gründe bereits in den ersten Minuten des Films ausgemacht. Nicht nur die Übernahme einer bloß grob umrissenen Struktur der eigentlichen Geschichte macht diesen Film zur „westlichen“ Farce. Die Film-Story weicht von den historisch anerkannten Ereignissen insofern ab, als dass es kitschbeladen mit allen obligatorischen Reizmustern monströs geplanter Film-Produktionen (Effekte, Liebesgeschichte, Anpassung der Sprache, Hauptprotagonist mit vermarktbarem Gesicht etc.) ausgestattet wurde. Drehbuchautor Morgan – und hier kommt sein Einfluss zum tragen – brachte wie erwartet die Geschichte um ihren Umfang, Größe, Würde und Mythos. Dafür schien ihm jedoch kein schlechter Einfall zu schade, um Effekthascherei zu betreiben. Von der Trivialität mancher Dialogzeilen will ich erst gar nicht anfangen. Fairerweise sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Produktionen dieses Ausmaßes immer „Auftragsarbeiten“ sind und Universal den visuellen Krawall auch dann einforderte, wenn dabei wirklich nichts Gutes zu erwarten war.

Zusätzlich war das ökonomische Dilemma in welcher Sprache der Film nun zu machen ist, ein im vornehinein auszumachender Desaster-Faktor. Carl Erik Rinsch drehte RONIN 47 sowohl in English als auch in Japanisch. Ob nur teilweise oder ganz, ist nicht ganz klar. Somit hat (oder eben fast) Rinsch seinen Film zwei Mal gedreht, richtig gelesen, zwei Mal. Er argumentierte diese Entscheidung in künstlerischer Hinsicht, die Darsteller würden sich besser einfühlen können. Nun, um es gleich vorweg zu nehmen, die englische Fassung kann man getrost in die Tonne treten. Eine japanische Folklore, ein Samurai Film in dem alle Japaner American English sprechen? Man muss noch zynisch dazu anmerken: zum Glück nicht akzentfrei!

Das wertvollste Gut des Kinos ging verloren: Illusionistische Glaubwürdigkeit. Offensichtliche Filmfehler sind kaum nennenswert im Gegensatz zu den Auswirkungen falscher Bilder; das Gefühl, dass etwas an dem was wir sehen, an dem was wir hören und fühlen, nicht stimmen kann. 47 RONIN ist voll von ideologischen Diskrepanzen. Vieles in diesem Film scheint belanglos oder will einfach keinen Sinn ergeben. Technisch gesehen ist es einwandfrei gemacht und dennoch schmeckt das Publikum den faden Beigeschmack fundamentaler Unentschlossenheit, die sich unter den Machern weit hinter der Kamera bis in den Schnittraum hinein breit machte. Nicht etwa, dass Carl Erik Rinsch grundsätzlich schlechte Arbeit geleistet hätte, keineswegs, dafür ist zu vieles auf allen Ebenen schief gelaufen. Dazu noch dieses Drehbuch zu retten, würde einer beispiellosen Meisterleistung gleichen. Für einen Neuling wie Rinsch zweifellos ein Ding der Unmöglichkeit.

Fazit:
Von den 47 Ronin bleibt in diesem Film nicht viel mehr übrig als eine eingängig erzählte Fantasy-Geschichte mit dem gescheiterten Versuch eine große Tragödie sein zu wollen. Die Rede von Ehre, Anstand und Stolz verkommt zeitweise zum Heißluftgeschwafel, das genau so von Dominic Torreto (Vin Diesel in der FAST & FURIOUS REIHE) hätte vorgetragen werden können. Wer sich den Film ansehen will (zumindest der Endkampf ist richtig gut gemacht), dann lieber in deutscher Fassung oder bei der DVD-Veröffentlichung hoffen, dass es tatsächlich eine japanische Fassung mit Untertiteln gibt. Die nämlich könnte dem Film einen Funken der so schmerzlich vermissten Wahrhaftigkeit geben.

Wertung:
3/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 4.7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 10
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