12 Years a Slave (2013)

OT: 12 Years a Slave - 134 Minuten - Biographie / Drama / Geschichte
12 Years a Slave (2013)
Kinostart: 17.01.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
19594
Bewerten:

Filmkritik zu 12 Years a Slave

Von am
Bereits vor einem Jahr, also lange bevor irgendjemand etwas vom Film gesehen hatte, hörte man die ersten Experten schon flüstern: 12 Years a Slave wird im Oscarjahr 2013/2014 der Film sein, den es zu schlagen gilt. Steve McQueen hat sich mit seinen Filmen Hunger und Shame einen Namen gemacht und scheint für den großen Wurf bereit zu sein, das Darstellerensemble sieht (nicht nur auf dem Papier) beeindruckend aus und die Thematik verspricht jene Tragfähigkeit, die sich die Academy oft wünscht. Nun ist der Film erschienen und geht es nach den begeisterten US-Kritikern und den Experten, dann muss sich 12 Years a Slave den Oscar quasi nur mehr abholen. Doch hält der Film auch den Vorschusslorbeeren stand?

1841: Während im Süden die Schwarzen unter der Sklaverei leiden, ist Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) in New York ein freier Mann und angesehener Musiker. Doch sein Leben ändert sich schlagartig, als er von zwei Verbrechern nach Washington gelockt wird und von dort aus schließlich in den Süden verschleppt und als Sklave verkauft wird. Seine erste Station ist beim durchaus gutmütigen Ford (Benedict Cumberbatch), der Solomons Erfindergeist zu schätzen weiß und ihn vergleichsweise gut behandelt. Doch als er sich mit dem Vorarbeiter Tibeats (Paul Dano) anlegt, muss ihn Ford an den berüchtigten und brutalen Edwin Epps (Michael Fassbender) verkaufen, der seine Sklaven wie Dreck behandelt…

12 Years a Slave beruht auf der unglaublichen wahren Geschichte von Solomon Northup. Steve McQueen wollte scheinbar den definitiven Film zum Thema drehen - quasi den Schindlers Liste der Sklaverei. Stellenweise gelingt ihm das auch wirklich gut. Die Härte und Konsequenz des Films wird zartbesaitete Zuseher sicher hart treffen - wird aber nie zum bloßen Selbstzweck, sondern schafft es den Schrecken der Zeit treffend in Bilder zu fassen. Auch gelingt es dem Film die Geschichte zum Leben zu erwecken und auf treffende Weise die Zeit und ihre Umstände zu zeigen. Andererseits wirkt es beinahe so, als wäre Steve McQueen etwas zu verbissen an die Sache herangegangen und es dem Film deshalb leider an Zwischentönen fehlt.

Erklären lässt sich dies auch anhand von McQueens letztem Film. Bereits in Shame wirkte es stellenweise so, als wollte McQueen unbedingt einen Film zum Thema Sexsucht drehen - es ist ihm aber rein gar nichts zum Thema eingefallen, das über das Offensichtliche hinaus geht. Genauso ist es nun leider auch mit 12 Years a Slave. McQueen wollte unbedingt einen Film über die Sklaverei drehen, es ist ihm aber nichts eingefallen, außer: Sklaverei ist schlecht. Das dürften die meisten aber auch ohne seinen Film wissen, sodass man den Eindruck nicht abschütteln kann, dass 12 Years a Slave nur das Offensichtliche zeigt - zwar auf durchaus integere Art und Weise, aber letzten Endes fehlt es an wirklich großen Ideen.

Nun kann man (genau wie im Fall von Shame) auf verschiedene Art und Weise auf diese Tatsache reagieren. Man kann gelangweilt sein, weil McQueen zwischen all den Peitschenhieben und Tragödien keine weitere Facetten einbringen konnte, sondern sich ausschließlich auf das große Drama und die große Negativität gestürzt hat, oder man akzeptiert 12 Years a Slave als das was er ist und bekommt einen, trotz seinen Schwächen, guten Film zu sehen. Denn in der Abbilderung der Qualen der Sklaverei ist der Film wie gesagt nicht nur konsequent, sondern auch künstlerisch versiert. Und vor allem die wirklich großartigen Darsteller sorgen dafür, dass die filmische Geschichtsstunde stets packend und ergreifend bleibt.

Chiwetel Ejiofor zeigt die Leistung seiner bisherigen Karriere und spielt seinen Solomon Northup mit tragischer Kraft, aber auch seine Nebendarsteller brennen sich ins Gedächtnis. Besonders die eindrucksvolle Darbietung von Lupita Nyong'o als gepeinigte Sklavin, die ein besonders schwieriges Los gezogen hat bleibt als außergewöhnlich in Erinnerung, aber auch die Auftritte der großen Hollywoodstars ala Paul Giamatti und Benedigt Cumberbatch bleiben haften. Lediglich der kurze Besuch von Brad Pitt bleibt (wohl auch wegen der Starpower des Darstellers) als etwas merkwürdig in Erinnerung - abgesehen von Ejiofor ist es allerdings der grandiose Auftritt von Michael Fassbender an den man mit großen Emotionen zurückdenken wird. Die wütende Verzweiflung mit der er seinen Bösewicht auf die Leinwand donnert, hallt lange nach.

Wie es für McQueen üblich ist wird auch in 12 Years a Slave häufig auf das stilistische Mittel der Plansequenz zurückgegriffen. In quälend langen Einstellungen werden gewisse Szenen ausgekostet und gerade dieser ungebrochene Blick des Entsetzens, der den Zuseher noch tiefer in den Erzählstrudel zieht, sorgt dafür, dass die Intensität stets hoch gehalten wird und man sich als Zuseher nie abwenden kann. Letzten Endes ist 12 Years a Slave ein Film, bei dem es sich Regisseur Steve McQueen konzeptuell ein Spur zu einfach gemacht hat - aber was er machen wollte, das hat er auch wirklich gut auf die Leinwand gebracht. Ob einem das reicht, bzw. ob man vielleicht zu einer ganz anderen Einschätzung gerät, lässt sich am besten durch eine eigene Sichtung klären.

Fazit:
Man möge mir den dummen Vergleich verzeihen, aber stellenweise scheint es tatsächlich so, als wäre 12 Years a Slave der etwas langweiligere, streberhafte Bruder von Django Unchained. Klar 12 Years a Slave wird immer der Film sein dem man auf die Schultern klopft und wegen seiner Wichtigkeit die Preise nachwirft, aber sympathischer und beliebter wird wohl immer der “coole” Bruder sein. Das Problem ist, dass es sich Steve McQueen etwas zu leicht gemacht hat. Der Film verbeisst sich in der Negativität und suhlt sich förmlich in der Darstellung der Schrecken der Sklaverei - als Erkenntnis bleibt lediglich “Sklaverei ist schlecht”. Aber das weiß man eigentlich auch so. Was fehlt sind Zwischentöne, Facetten und überraschende Erkenntnisse. 12 Years a Slave ist eine reine Erzählung des Offensichtlichen. Was der Film machen möchte, macht er allerdings auch wirklich gut. Sowohl Inszenierung, als auch Darsteller und der Mut zur Härte überzeugen und letzten Endes ist 12 Years a Slave eine sehr gute Visualisierung der Schrecken der damaligen Zeit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8.4/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 24
10 /10
17%
9 /10
38%
8 /10
33%
7 /10
8%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
4%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Shame (2011)
Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll (2013)
Saving Mr. Banks (2013)
Holy Motors (2012)
Moonrise Kingdom (2012)
Die Kunst zu gewinnen - Moneyball (2011)
Match Point
Precious - Das Leben ist kostbar (2009)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Die besten Filme 2014
Liste von Filmering.at
Erstellt: 11.01.2016
Feine Filme
Liste von Tasse
Erstellt: 12.10.2015
Will ich sehen
Liste von desalio
Erstellt: 12.06.2015
Alle Listen anzeigen