Diana (2013)

OT: Diana - 113 Minuten - Biographie / Drama / Romantik
Diana (2013)
Kinostart: 10.01.2014
DVD-Start: 22.05.2014 - Blu-ray-Start: 22.05.2014
Will ich sehen
Liste
19590
Bewerten:

Filmkritik zu Diana

Von am
Das Verhältnis der vielfotografierten Diana mit der Presse war immer ein besonderes. Zweifellos liebte die Presse sie. Knappe zwei Jahrzehnte lang wurde ihr Leben medial zerpflückt, jeder ihrer privaten Schritte verfolgt und jeder, der wollte, konnte sich eine Meinung bilden. Ob als Märchenprinzessin, betrogene Ehefrau, aufopfernde Mutter, unliebsame Schwiegertochter, mögliche Königin oder fürsorgliche Wohltäterin – es gab viele Bilder, die transportiertet wurden. Heute ist das Leben der früh verstorbenen Diana ein Mythos. Sie wurde zur Ikone. Kein leichter Film-Stoff. Welche Auswirkungen die Ereignisse rund um ihr Ableben und ihr Begräbnis auf das britische Königshaus hatten, inszenierte jüngst – nach einem Drehbuch von Peter MorganStephen Frears in „The Queen“.

Um die Faszination, die von ihrer Person auf das britische Volk ausging, zu verstehen, muss man vor Ort gewesen sein. In den Achtzigerjahren führte sie ein von der Klatschpresse genährtes und als Märchen inszeniertes Leben. Die 20-jährige Diana Spencer heiratete den erheblich älteren britischen Thronfolger Prinz Charles. Diese „Traumhochzeit“ wurde live im Fernsehen übertragen, Millionen Menschen vergossen dabei Tränen und Dianas Rolle als Sympathieträgerin kommt erstmals auf den Plan. Was darauf folgte, waren Affären, Konflikte und Skandale, die mit der Scheidung von Prinz Charles kein Ende nahmen. Später sogar vor allem wegen ihres Verhältnisses mit Dodi Al-Fayed und ihren frühen Ablebens einen weiteren Höhepunkt erlebten.

So ist auch Oliver Hirschbiegels Film im Grunde kein Film über die Liebesbeziehung Dianas (Naomi Watts) zu ihrem vorletzen Liebhaber, dem pakistanischen Herzchirurgen Dr. Hasnat Khan (Naveen Andrews). Sondern einer, der dieses besondere Verhältnis Dianas mit der Presse im Allgemeinen und der gnadenlosen Boulevardpresse im Besonderen porträtiert. Also sehen wir im Film viele Interviews, Blitzlichtgewitter, Paparazzi-Verfolgungen, Kamera-Statements usw. Förderlich ist das dem Handlungsfortschritt nicht, weil es diesen zerfährt, allerhöchstens wird dabei ein Anflug von Spannung erzeugt. Auch wenn die Geschichte, die erzählt wird, eine bekannte ist, ist es doch äußerst hilfreich, wenn sie dabei überhaupt erzählt wird. Was in „Diana“ immer wieder der Fall ist. Immer wieder kommt die Handlung ins Stocken.

Oliver Hirschbiegels bekanntester Film „Der Untergang“ schildert sehr gelungen die letzten Tage Adolf Hitlers im Führerbunker. In der britischen Produktion „Diana“ widmet sich der deutsche Regisseur ihren letzten Lebensjahren, ab dem Zeitpunkt der Trennung von Prinz Charles bis kurz vor dem Autounfall in Paris. So verlässt man das Kino und wundert sich über die vielen verpassten Gelegenheiten. Es erweckt den Anschein als hätten sich die Macher des Films zur Vorbereitung alle TV-Filme und Sensationsreportagen über Diana angesehen. So dürftig bleibt die oft spekulative Darstellung mancher Ereignisse. Es ist doch eine gewagte Andeutung, dass die Beziehung Dianas zu Al-Fayed als reiner Publicity-Gag (von ihr selber) inszeniert wurde, um damit bei Ex-Lover Khan die Eifersucht zu schüren.

Mitunter stellt sich dann die Frage, warum dann überhaupt einen Film über das Mythos Diana machen, mit dem Filmtitel „Diana“? Dianas Leben als Drehbuchvorlage bietet ohnehin viel (Märchen-)Stoff, ideal für die große Leinwand. Das Drehbuch basiert auf dem Beststeller „Diana: Her Last Love“ von Kate Snell. Warum eine Frau mit so vielen Gesichtern dermaßen einseitig darstellen? Was Oliver Hirschbiegel daraus macht, ist nicht mehr und nicht weniger als Fernsehqualität für das Hauptabendprogramm. Dieses „Warum-Was-Machen“ würde auch nicht sosehr ins Gewicht fallen, hätte man am „Wie-Was-Machen“ weniger auszusetzen. In britischen Kinos lief der Film bereits im Herbst 2013 an und kam bei der dortigen Presse nicht gut an, wurde lediglich zerrissen.

Fazit:
Das augenscheinlichste Problem des Films ist die Sensationseffekthascherei, mit der sich die Geschichte bedient. So mutet das Biopic zu Beginn noch vielversprechend an, die verborgene und private Welt einer medienpräsenten Figur zeigen zu wollen, doch nichts liegt ferner. Diana hier, Diana dort und mit ihr überall die Presse. Dabei bleiben die Figuren durchsichtig und platt, deren Handlungsweisen unglaubwürdig und wenig nachvollziehbar. Die Liebesbeziehung zwischen Diana und Khan wird zum kitschigen Lückenfüller. Diana wird als eine verzweifelte Frau mit nur einem Ziel dargestellt: mit Khan zusammen zu sein. Kein Ex-Mann, keine Kinder, kein Königshaus im Hintergrund. Der Film gibt nicht viel mehr her als der Internetenzyklopädie-Artikel über Dianas Leben, allerdings ohne jegliche Gefühlsduselei. Da hilft leider eine souveräne Naomi Watts mit Nasenprothese und Originalgarderobe auch nicht viel.

Wertung:
4/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
100%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll (2013)
Restoration - Zeit der Sinnlichkeit (1995)
Wie der Wind sich hebt (2013)
Lovelace (2013)
The Best Offer - Das höchste Gebot (2013)
Nächster Halt: Fruitvale Station (2013)
Blau ist eine warme Farbe (2013)
Der Butler (2013)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von Foxy
Erstellt: 23.10.2013
Will ich sehen
Liste von The Dark Knight
Erstellt: 22.10.2013
Will ich sehen
Liste von Hriss Zagoudis
Erstellt: 06.09.2012
Alle Listen anzeigen