Zwei Leben (2012)

OT: Zwei Leben - 97 Minuten - Drama / Thriller
Zwei Leben (2012)
Kinostart: 26.12.2013
DVD-Start: 25.04.2014 - Blu-ray-Start: 25.04.2014
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Filmkritik zu Zwei Leben

Von am
Georg Maas hat mit seinen Filmen schon viele Preise abräumen können. Doch mit „Zwei Leben“ hat er den Schritt in Richtung Oscar geschafft. Der Film darf sich noch Hoffnungen für eine Nominierung für den besten nicht-englischsprachigen Film machen (er befindet sich auf der Shortlist der Academy) und vertritt Deutschland mit einem Blick in die Vergangenheit. Er greift ein Thema auf, das die Menschen bis heute beschäftigt und berührt: der Zweite Weltkrieg bzw. der Kalte Krieg.

Katrine (Juliane Köhler) lebt in Norwegen. Zusammen mit ihrem Mann Bjarte (Sven Nordin), ihrer Tochter, ihrer Enkeltochter und ihrer Mutter. Alles scheint soweit perfekt. Doch sie wird jäh aus ihrer Idylle gerissen, als ein deutscher Anwalt (Ken Duken) sie aufsucht und darum bittet ihre Geschichte „auszupacken“. Er kämpft nämlich, jetzt da die Mauer gefallen ist und der Kalte Krieg vorbei, für die Gerechtigkeit der Kinder, die im Zweiten Weltkrieg von Norwegen nach Deutschland verschleppt wurden und in Kinderheimen aufwachsen mussten, um den „arischen Bestand“ weiterzuführen. Das waren Kinder von deutschen Soldaten und norwegischen Frauen, die auf Grund ihrer Wurzeln als besonders arisch empfunden wurden.

Maas behandelt im Film ein Thema, das die Vergangenheit Deutschlands erneut aufwühlt. Dass während des Zweiten Weltkrieges einiges in Deutschland und von den Deutschen besetzten Gebieten schiefgelaufen ist, ist bekannt. Doch auch nach dem Krieg, im Kalten Krieg, passierten Dinge, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen. Wie oben schon erwähnt, galten im Zweiten Weltkrieg die deutsch-norwegischen Kinder als besonders wertvoll. Sie wurden in Heime gebracht und blieben dort, bis die volljährig waren. Als der Krieg vorbei war, nahm sich die Stasi dem „Schicksal“ der Kinder an. Viele dieser Kinder wollten ausreisen und ihre Familie kennenlernen, doch oft wurden ihnen von der DDR Steine in den Weg gelegt. Sie erkannten nämlich die Möglichkeit mit der Identität der Kinder Spitzel in den Westen zu führen. Die Agenten gaben sich dann als die Kinder der Norweger aus und wurden so in die Familien geschleust, die sie dann aushorchten. Bis heute sind nicht alle Spione enttarnt worden.

Mit Gefühl zeigt uns Georg Maas eine solche Familie. Er zeigt uns die zwei Leben, die Katrine in Norwegen führt. Der Zuschauer weiß, dass irgendetwas nicht stimmt, aber Maas schafft es, uns lange in mehrere Richtungen schauen zu lassen, bis wir das Geheimnis aufdecken können. Katrine wird dabei als eine besondere Frau dargestellt. Sie wirkt stark und liebt ihre Familie über alles. Eine „gute“ Mutter, doch man weiß nicht ob nicht auch „Böses“ in ihr steckt. Gut und Böse könnte man schnell in diesem Film anwenden. Doch es ist nicht so leicht eine Grenze zu ziehen. Zwar kommen einem die Taten, die Katrine begangen hat als durchweg böse und eiskalt vor, doch schaut man hinter ihre Fassade, muss man erkennen, dass sie sympathisch ist und nicht unbedingt viel für ihr Schicksal selbst kann. Zwar hat sie den Weg selbst eingeschlagen, doch ist sie irgendwo auch ein Opfer der Stasi geworden. Sie konnte sich nicht befreien. Zwischendurch erscheint sie einem als das Opfer, das beschützt werden muss. An ihrer Darstellung zeigt sich, dass damals viele in diese Organisation Stasi geholt wurden, um sie als Spione zu verwenden und nie wieder gehen zu lassen. Denn bei einem Austritt aus der Stasi waren schlimme Folgen meist die Regel. So wurden die Kinder, die in Heimen aufgewachsen sind und keine Liebe erfahren haben im Leben, geblendet. Es kamen Leute von der Stasi und kümmerten sich um sie, nur um sie später in die Organisation einzuführen. Doch das eigentliche Opfer im Film ist ihre Familie. Besonders ihre Mutter Ase. Sie hatte endlich ihre Tochter gefunden, die nach der Geburt verschleppt wurde. Doch nun muss sie mit einer zutiefst verletzenden Wahrheit leben, die es zu verarbeiten gilt. Auch ihr Mann Bjarte und ihre Tochter müssen feststellen, dass ihre Frau/Mutter nicht die ist, für die sie sie gehalten haben. Sie erfahren von den zwei Leben und müssen versuchen, das zu verarbeiten.

Die Schauspieler haben eine großartige Leistung vollbracht. Mit viel Gefühl, aber auch Wut und Enttäuschung zeigen sie dem Publikum, wie schnell ein ganzes Leben, das man gelebt hat, aus den Fugen geraten kann. Die deutschen Schauspieler Juliane Köhler und Ken Duken haben sogar extra norwegisch gelernt – da der Film auf Norwegisch gedreht wurde. Besonders auch die Bilder und die Atmosphäre im Film reißen den Zuschauer mit in diese Welt. Die wunderschöne Landschaft in Norwegen, gegen die tristen, halb verfallenen Häuser in Deutschland nach dem Kalten Krieg. Man fühlt sich geborgen in dieser Umgebung am Meer, im Wald, im Holzhaus – es sieht alles sehr gemütlich und familiär aus. Man kann fühlen, dass sich das eine glückliche Familie aufgebaut hat. In dieser ländlichen Idylle sieht es fast so aus, als könnte man die Vergangenheit vergessen. Man ist abgeschottet von der Außenwelt.

Die Erzählung, mit ihren vielen Blicken in die Vergangenheit, ging Maas mit Hilfe von Rückblenden vor. Dabei sieht es so aus, als wären die Szenen, in der Vergangenheit, mit einer Handkamera aufgezeichnet worden. Es ist ein „altes“, leicht verschwommenes Bild einer „Amateurkamera“ aus den Siebzigern.

Fazit:
Ein gefühlvoller, spannender Film über eine Frau, die mit zwei Leben zu Recht kommen muss und ihre Vergangenheit wie eine zweite Haut an sich trägt.

Wertung:
6/10 Punkte
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