Tage am Strand (2013)

OT: Adore - 100 Minuten - Drama
Tage am Strand (2013)
Kinostart: 06.12.2013
DVD-Start: 10.04.2014 - Blu-ray-Start: 10.04.2014
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Filmkritik zu Tage am Strand

Von am
Anne Fontaine erzählt in ihrem neuen Film „Tage am Strand“ (Originaltitel: „Two Mothers“) von den beiden Freundinnen Lil und Roz, welche einander seit vielen Jahren nahe stehen und ihre beiden zirka gleich alten Söhne Ian und Tom gemeinsam großgezogen haben. Die Idylle scheint perfekt bis plötzlich Grenzen überschritten werden und aus einer jahrelangen familiären Vertrautheit, Liebe und Leidenschaft wird.

Lil (Naomi Watts) und Roz (Robin Wright) sehen sich nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sie sind auch seit Kindertagen unzertrennlich und wohnen Haus an Haus an der atemberaubend schönen Küste Australiens. Nach dem tragischen Verkehrsunglück von Lil’s Mann haben die beiden gemeinsam mit Roz’ Ehemann Harold (Ben Mendelsohn) ihre Söhne Ian (Xavier Samuel) und Tom (James Frecheville) groß gezogen, welche ebenfalls zu unzertrennlichen Freunden geworden sind. Während Harold eher wie ein Außenstehender wirkt, verbringen Mütter und Söhne auffällig viel Zeit miteinander: ausgelassene Abende zu Viert auf der Terrasse mit Musik und Wein sind keine Seltenheit, genauso wenig wie gemeinsame Tage am Strand. Während sich die Mütter ihre jung gebliebenen, perfekten Körper bräunen, reiten ihre erwachsenen ebenfalls gut aussehenden „jungen Götter“, wie sie sie selbst nennen, die großen Wellen vor der Küste.

Als Herold schließlich ein Jobangebot in Sydney bekommt und darauf hin aus ihrem Leben verschwindet, macht dies kaum noch einen Unterschied, da er bereits zuvor nicht wirklich ein wichtiger Teil ihres Lebens war. Im Gegenteil: jetzt hält die Vier nichts mehr davon ab, jeden Tag und Abend miteinander zu verbringen. Alles scheint perfekt, bis Ian seine geheimen Gefühle für Roz, die Mutter seines besten Freundes offenbart. Als Roz diese Gefühle auch noch erwidert, beginnt eine leidenschaftliche Affäre zwischen den beiden, die sie nicht lange vor Tom und Lil geheim halten können. Tom, der nicht weiß wie er mit der Situation umgehen soll, versucht darauf hin Lil für sich zu gewinnen. Zwar kämpft diese, ohnehin sehr lange allein gewesene, anfangs mit dem beinahe mütterlichen Gefühl vernünftig handeln zu müssen, gibt aber schließlich nach und verfällt dem wesentlich jüngeren Tom, der bisher wie ein Sohn für sie gewesen war.

Als Zusehende/r ist man wie die Figuren des Films ebenfalls vor die Frage gestellt: Ist es richtig oder ist es falsch? Darf diese Liebe geschehen oder ist sie eigentlich verboten? Ist das Alter ein Hindernis oder sogar ein Feind? Welche Verantwortung tragen Mütter und dürfen sie selbst ihren leidenschaftlichen Gefühlen nachgeben? Und wissen die noch sehr jungen Männer überhaupt was Liebe bedeutet oder wollen sie nur ein Abenteuer erleben?

Eine Zeit lang läuft alles gut für die vier Liebenden. Anne Fontaine zeigt aber nicht nur die schönen Seiten der Medaille, sondern auch die hässlichen. Als sich Tom schließlich in die gleich alte Hannah (Jessica Tovey) verliebt, muss Lil erkennen, dass dies der Lauf der Dinge ist und sie ihn gehen lassen muss. Als Konsequenz zieht Roz ebenfalls einen Schlussstrich unter ihrer Beziehung mit Ian, der jedoch unsterblich in sie verliebt ist und dadurch zutiefst verletzt wird.

Es kommt wie es kommen muss und Tom heiratet Hannah. Ian findet ebenfalls eine Frau seines Alters, Mary (Sophie Lowe), mit welcher er eine Beziehung beginnt, die er aber eigentlich gar nicht will. Jahre vergehen und die beiden werden schließlich Väter von Töchtern, was Lil und Roz damit zu (erstaunlich attraktiven!) Großmüttern macht. Die spürbare Rivalität zwischen den frisch gebackenen jungen Ehefrauen und den verflossenen Geliebten in der Rolle der Großmütter macht die Familienidylle kompliziert. Als Ian schließlich dahinter kommt, dass seine Mutter und Tom die ganze Zeit über unfair gespielt haben und hinter ihrem Rücken weiterhin eine Affäre hatten, beginnt die Situation zu Eskalieren.

Die Frage, mit welcher sich der Film beschäftigt ist, muss man sich den Normen unterwerfen und ein „normales“ Leben erzwingen oder ist die Liebe stärker als das Alter und jegliche moralische Bedenken?

Fazit:
Die atemberaubende Landschaft, die vier sehr gut aussehenden HauptdarstellerInnen und die anfängliche unbekümmerte Urlaubs-Stimmung, welche dort Routine zu sein scheint, lassen den Film gegen Beginn fast ein wenig kitschig wirken. Mit zunehmender Spielzeit und Handlung gewinnt der Film jedoch maßgeblich an Tiefe und entwickelt sich zu einer harten Probe für das eigene Moralempfinden. Anne Fontaine behandelt dieses heikle Thema sehr einfühlsam und lebensnah. Mit hervorragend besetzten SchauspielerInnen findet man sich als Zusehende/r plötzlich in einem moralischen Wirrwarr gefangen, das jede/r während des Films für sich selbst klären muss. Eine gut umgesetzte Romanadaption, die in kalten Wintertagen Sommergefühle wieder erweckt, und bis zur letzten Sekunde Gefühl und Leidenschaft verspricht.

Wertung:
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Filmering.at
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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