Der Medicus (2013)

OT: The Physician - 150 Minuten - Abenteuer / Drama / Geschichte
Der Medicus (2013)
Kinostart: 25.12.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Medicus

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Noah Gordons epischer Roman „Der Medicus“ ist einer dieser nicht verfilmbaren großen literarischen Werke. Zumindest war er es, bis der aus Deutschland stammende Regisseur Philipp Stölzl auf den Plan trat. Er war so begeistert von der Geschichte, dass er nicht lange zögerte und in aufwendigen Recherchen die mittelalterliche Welt des Orients opulent inszeniert auf die Leinwand brachte.

England im 11. Jahrhundert. Rob Cole (Tom Payne) hat eine besondere Gabe, denn schon als kleiner Junge spürte er den nahenden Tod seiner Mutter. Als seine Vorahnung sich erfüllt, schließt sich der junge Waise einem fahrenden Bader (Stellan Skarsgård) an. Durch ihn gewinnt er erste Einblicke in die mittelalterliche Heilkunde. Doch sein Wissen ist begrenzt und so beschließt Cole, auf eine Abenteuerreise in den Orient aufzubrechen, um dort Schüler von Ibn Sina (Sir Ben Kingsley) zu werden – dem größten Medicus seiner Zeit. Auf seiner Reise ist Cole großen Strapazen und Gefahren ausgesetzt, doch sein eiserner Wille und sein Wissensdurst bringen ihn immer näher an sein Ziel.

Stölzl war bisher weniger bekannt dafür große, opulente Geschichten zu verfilmen. Dennoch bewies er das ein oder andere Mal seine Vorliebe für historische Stoffe (Goethe!) und sein handwerkliches Geschick (Nordwand). In Der Medicus, geht der Zuseher mit Rob Cole auf eine gemeinsame Abenteuerreise. Von der ersten Minute an, gelingt es dank ausgezeichneter Kameraführung (Hagen Bogdanski), das Publikum in die gegensätzlichen Welten des Westen und des Osten ästhetisch einzuführen. Man bekommt unweigerlich das Gefühl, selbst auf Reisen zu gehen und staunt, wie Cole, über die Faszination fremder Kulturen und medizinischer Techniken. Die vielfältigen Eindrücke die dabei geboten werden, machen eindeutig die Stärke des Films aus. Das mittelalterliche England, der kulturelle Schock zwischen Orient und Okzident, das exotische Persien, die Konfrontation der Religionen und natürlich die Anfänge der Medizin. Und obwohl die Erzählung im Hochmittelalter stattfindet, handelt es sich freilich um brandaktuelle Themen: Religionskriege, medizinischer Fortschrittsglaube und das Tabuthema Tod. Erstaunlich dabei ist, dass man vor allem im Orient den Eindruck hat, als wäre die Zeit stehen geblieben. Man vergisst komplett, dass die Geschichte eigentlich im Mittelalter spielt. Daran wird man erst am Ende wieder erinnert, wenn Stölzl einen wunderbaren Bogen zum Start von Coles Reise spannt.

Staunen lässt sich auch über die großartige Bildhaftigkeit der Landschaftsaufnahmen. In eindrucksvollen Panoramen sieht man die Rauheit der englischen Küste und die Strenge der Wüstenhitze. Fühlt man sich im kalten England den Elementen gleichsam ausgesetzt, will man bei den Wüstenszenen am liebsten früher als zu spät zur Wasserflasche greifen. Gedreht wurde möglichst vor natürlicher Kulisse und im höchsten Studio Europas in Köln, um den Shahpalast so authentisch wie möglich wirken zu lassen. Konsultierte Experten für Orientalistik, Medizin- und Religionsgeschichte tragen ihr übriges zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.

Es fällt also besonders auf, dass man sich insgesamt mehr auf Bilder als auf Dialoge konzentriert hat. Das ist nicht unbedingt von Nachteil. Im Gegenteil, sonst hätte der Stummfilm wohl nie funktioniert. Doch bei allen optischen Vorzügen bleiben die einzelnen Charakterzeichnungen auf der Strecke. Vor allem der Hauptfigur fehlt es an Tiefe. Payne transportiert zwar Coles Neugier, Faszination und Hartnäckigkeit, bleibt dabei aber recht leidenschaftslos und wirkt sowohl in der Liebe als auch in seinem Tun schnell gefühlsmonoton. Auch tun sich innerhalb der Erzählung immer wieder Lücken auf. Die langwierige Reise von West nach Ost, amouröse Hindernisse, eine aufkommende Epidemie. All diese Erschwernisse sind alsbald überwunden und die Lösungen recht absehbar. Hier hat man wohl Zeit gespart, um die Geduld der Kinogänger nicht zu überstrapazieren.

Umso ergiebiger ist die Wahl der Schauspieler ausgefallen. Quer aus Europa kommen die mehr oder weniger bekannten Gesichter. Aus Schweden, Frankreich (Olivier Martinez als persischer Shah), Deutschland (ungewohnt exotisch Elyas M‘Barek) und England kommt allein das Leading Team. Am einprägsamsten ist aber wohl Ben Kingsley als medizinischer Guru Ibn Sina. Prädestiniert für die Figur des unnahbaren, in sich ruhenden Medicus, schafft er es auch diesmal das Beste aus seiner Rolle herauszuholen.

Fazit:
Der Medicus ist in erster Linie eine Geschichte über die Medizin und über einen jungen Mann, der fest entschlossen ist, der beste Medicus zu werden, den die Welt gesehen hat. In bildgewaltiger Sprache und spektakulären Panoramaaufnahmen wird die Erzählung zu einer einzigen Augenfreude. Der zudem starke Gegenwartsbezug und die großteils soliden darstellerischen Leistungen, helfen über den einen oder anderen Makel im Drehbuch hinwegzusehen. Kinogänger, die den Roman zuvor gelesen haben, werden jedoch sehr wahrscheinlich enttäuscht sein.

Wertung:
8/10 Punkte
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