Master of the Universe (2013)

OT: Master of the Universe - 90 Minuten - Dokumentation
Master of the Universe (2013)
Kinostart: 13.12.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Master of the Universe

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Bei Masters of the Universe handelte es sich um eine in den achtziger Jahren entstandene und bekannte Fernseh-Zeichentrickserie von Mattel. Darin kämpften gute Actionhelden gegen böse Schurken, die Grenzen werden glasklar gezogen. In Master of the Universe, dem Dokumentarfilm von Marc Bauder, sind die „Masters of the Universe“ hochrangige Investmentbanker, die an den Schalthebeln der freien Marktwirtschaft herum drücken und drehen. Das Cockpit ist der Computer mit seinen vielen Bildschirmen und die freie Marktwirtschaft ist ihr Spielplanet. Der Film macht sich nicht die Mühe, zum Wesen dieser Menschen, die horrende Millionen- und Milliardenbeträge verspekulieren, zu gelangen. Bauder holt sich Rainer Voss, einen ehemaligen deutschen Banker vor die Kamera, den er dann als einzigen erzählen lässt.

Die Eröffnungsszene des Films zeigt ein komplett verglastes und futuristisch anmutendes Frankfurter Bürogebäude mitten in der Nacht. Einige Büros sind dunkel, doch einige Büros sind ausgeleuchtet und in ihnen herrscht geschäftiges Arbeiten. Rainer Voss, der der Branche den Rücken gekehrt hat und sich auch vor die Kamera traut, thematisiert darin auch die sogenannten „two-nighters“, wobei zwei Tages- und Nachtschichten – ohne Schlaf – durchgearbeitet wird. Dass diese Arbeitsmethoden keine Seltenheit darstellen, belegen auch andere Medienberichte. Erst im Sommer dieses Jahres erregte der tragische Fall große Aufmerksamkeit, worin der 21-jährige deutsche Praktikant Moritz Erhardt tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden wurde, nachdem er zum wiederholten Male drei Tage und Nächte für Merrill Lynch durchgearbeitet hatte.

Marc Bauder trifft Rainer Voss in einem verlassenen Bankgebäude (drei Häuser weiter steht das Hochhaus der Deutschen Bank) in Frankfurt am Main, wo er offen und unverblümt über seinen Brotjob und die Finanzwelt spricht. Einem unnahbaren Universum, in dem er sich Jahrzehnte bewegt hat, es dort zu Ansehen und relativem Reichtum (100.000 Euro Monatsgehalt!) gebracht hat. In diesem Zusammenhang fällt auch der Begriff der „Parallelwelt“. Diese Offenheit macht ihn bis zu einem gewissen Grade sympathisch, aber die Überlegenheit, die er stets offen an den Tag legt, relativiert das immer wieder. Ehrlich gesagt macht er sich auch nichts aus Sympathiewerten beim Publikum.

Hier ist einer, der seine Geschichte erzählen will. Dass diese Geschichte auch der Versuch eines besseren Verständnisses des Bankenzusammenbruchs von 2008 und der dadurch ausgelösten Finanzkrise ist, macht die Doku zu einer interessanten und sehr zeitgemäßen Lehrstunde. Gelegentlich hört man die Stimme des Regisseurs, er hakt bei Unklarheiten nach, lässt aber das Gesagte ausnahmslos unkommentiert. In einer Szene macht Voss eine Aussage, die er dann nicht im fertigen Film haben will. Bauder zeigt dieses Gespräch und schneidet die Szene trotzdem nicht raus. Auf dem im verlassenen Bankgebäude aufgestellten Flachbildschirm werden TV-Berichte eingespielt. Darunter ist das Goldman Sachs Hearing von Daniel Sparks zu sehen. Weiteres werden auch Fernsehausschnitte zur Anklage von Jérôme Kerviel gezeigt. Spekulationsverluste in Milliardenhöhe hat er seinem Arbeitgeber, der französischen Großbank Société Général, eingebracht.

Fazit:
In Erinnerung bleiben die unkommentierten und beeindruckend inszenierten Bilder über der Skyline von Frankfurt. Während der Ex-Banker Rainer Voss über die inneren Mechanismen des Finanzsektors spricht, zeigt die Kamera die zumeist verspiegelte und immer mehr in die Höhe schellenden Gebäude und Fassaden dieser Branche. Viele davon leerstehend. Sowohl beim Zuschauen als beim Zuhören bleibt einem oft aus Verwunderung der Mund offen stehen. Es werden Einblicke gewährt, Fälle veranschaulicht, Methoden dargestellt und Prognosen gefällt. Zum Beispiel welches europäische Land sich als nächstes den gnadenlosen Regeln des freien Marktes unterwerfen wird müssen. Informativ und spannend vergehen die 88 Minuten wie im Fluge.

Wertung:
9/10 Punkte
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