Lunchbox (2013)

OT: The Lunchbox - 104 Minuten - Drama / Romantik
Lunchbox (2013)
Kinostart: 13.12.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Lunchbox

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Bisher konnte Ritesh Batra auf zahlreichen Filmfestivals mit seinen Kurzfilmen punkten, denen er auch einige Preise zu verdanken hat. Mit „Lunchbox“ feiert der Inder sein Spielfilmdebüt bei den Filmfestspielen in Cannes - in der Reihe Semaine De La Critique – und konnte auch damit auf ganzer Linie überzeugen.

Zum Hauptdrehort machte er die wohl überfüllteste und lauteste Stadt Indiens: Mumbai. Eine Stadt mit zwei Seiten. Während den Touristen geraten wird, den Aufenthalt möglichst kurz zu gestalten, da der Dreck, der Geruch und die vielen Slums nicht unbedingt für einen Urlaubsausflug geeignet sind, ist Mumbai auch gleichzeitig „The City of Gold“ - auch wenn man für diese Seite der Stadt weit vordringen muss. Mumbai wurde zu einem ethnischen und kulturellen Treffpunkt. Durch die Zuwanderung, die ständig zu beobachten ist, treffen sich sehr viele verschiedene Menschen an einem Fleck, die sich grundlegend in ihrer Religion und Kultur unterscheiden. Das aber gibt den Menschen dort die Freiheit, sich mit jedem abzugeben und nicht unter den Seinen bleiben zu müssen. Es begegnen sich von Grund auf verschiedene Menschen, die aber dann trotzdem gemeinsam den Alltag in einer sehr hektischen und armen Stadt leben müssen.

Auch Ila (Nimrat Kaur) wohnt seit ihrer Geburt in der indischen Metropole. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und gibt ihr Leben für die Familie. Doch ihre Ehe ist eingeschlafen und Ila versucht durch ihre Kochkunst wieder ein bisschen Schärfe in die Beziehung zu bringen. Doch es passiert ein Missgeschick und das Essen wird an Saajan (Irrfan Khan) geschickt. Die beiden beginnen einen Briefwechsel, der bald ein wichtiger Bestandteil im Alltag der beiden wird.

Die „Befürchtung“, die man mit indischen Filmen verbindet ist Bollywood: Schrille Kostüme, stets gut gelaunte Schauspieler, Musik und Tanz. Alles ein bisschen übertrieben. Doch Batra macht keinen Bollywood-Film, er verfilmt eine stille Geschichte, die viel Gefühl verspricht. Er führt Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten zusammen. Das ist in Mumbai nicht schwierig, da sich die Menschen teilweise von Stadtviertel zu Stadtviertel unterscheiden. Das möchte Batra in seinem Film zeigen. Mumbai ist eine große Stadt, mit vielen verschiedenen Facetten, Schicksalen und Menschen. Dabei spielt Essen eine essentielle Rolle. Essen ist Kultur und es kann verbinden oder auch die Gemüter spalten.

Das zeigt Batra in seinem Film auf eine gefühlvolle und besonders leise Art und Weise. Der Film ist sehr ruhig, es gibt keine „Songs“. Er ist sehr auf die Tatsachen der Handlung beschränkt und stellt die Hauptfiguren in den Mittelpunkt. Ila und Saajan erscheinen einem nach den 104 Minuten wie gute Bekannte. Sie geben viel von ihrem Leben preis, ihre Wünsche und Sehnsüchte. Dabei spielt die Art und Weise wie sie in Kontakt stehen eine wichtige Rolle: sie schreiben Briefe. In einem Zeitalter, das von E-Mails, Facebook und Handys gezeichnet ist, besinnen sich die beiden auf die gute alte Tradition Briefe zu schreiben. Auch dies zeigt eine gewisse Intimität zwischen den Beiden. Sie kennen nichts voneinander außer dem, was sie sich gegenseitig preisgeben und ihre Handschrift - kann man doch einiges aus der Schrift des Anderen lesen. Doch beide halten an alte Zeiten fest.

Nimrat Kaur (Ila) zeigt eine junge indische Frau, die Sehnsucht verspürt. Und sie zeigt dies ganz deutlich. In ihrem Gesicht kann man Geschichten ablesen und sieht die tägliche Freude, wenn die Lunchbox mit einer neuen Nachricht zurückkommt. Doch sie ist in ihrem Leben gefangen und das wird ihr immer wieder schmerzlich bewusst. Sehr eindrucksvoll gibt Irrfan Khan die Rolle des Saajan wieder. Er macht seit 35 Jahren dasselbe, seine Frau ist gestorben und er ist einsam. Doch Khan versteht es, diesem einsamen alten Mann eine neue Seite zu geben. In ganz leicht aufblühen zu lassen, ohne zu übertreiben. Er schöpft neue Hoffnung, in ganz kleinen Dosen.

Der Verbindungspol in ihrer „Beziehung“ ist das Essen. Nicht umsonst gibt es die Lebensweisheit: „Liebe geht durch den Magen.“ Teilt man sein Essen, lässt man jemand anderen an einem Teil aus seinem Leben teilhaben. Es ist etwas Privates, das dem Anderen dann offengelegt wird. Welche Gewürze werden verwendet, wie liebevoll wurde das Gemüse geschnitten und wie gut beherrscht man diese Kunst. Es kann sehr schnell persönlich werden, wenn einem das Essen des Anderen nicht schmeckt. Oft hat man Hemmungen dies zu sagen, aus Angst man könnte den Koch verärgern oder gar verletzen. Saajan überschreitet diese „Grenze“ gleich bei seiner ersten Botschaft, indem er Ila mitteilt, dass das Essen sehr gut war, aber versalzen. Das trifft sie, sie fühlt sich in ihrer Köchinnen- Ehre verletzt. Und sie rächt sich durch das nächste Essen, indem sie ihm eine große Menge Chili hineingibt. Man kann durch Essen viel erzählen und dem anderen mitteilen, oder wie in diesem Falle auch warnen. Er hat gesehen was passiert, wenn man die Köchin beleidigt.

Wichtig dabei war Batra einen Film auf internationaler Ebene zu drehen. Es sollte kein indischer Film für indische Zuschauer sein. Er wollte den internationalen Zuschauernerv treffen. Gleichzeigt war es ihm wichtig aufrichtig „indisch“ zu bleiben. Und dieses indische Flair ist für den Kinozuschauer durchaus spürbar. Es muss kein Bollywood-Film sein, um Indien zu zeigen. Ein großer Teil des Films ist es, Ila beim Koch zuzusehen, bzw. Saajan beim Essen. Das zeigt Indien. Man kann sich im Kinosaal den Geruch vorstellen und den Geschmack der Gewürze. Die Lust selbst diese Gerichte nachzukochen, wird von Minute zu Minute stärker.

Fazit:
„Lunchbox“ ist ein Film über Essen, die Liebe und Schicksal. Er zeigt Mumbai und seine Bewohner und gibt uns einen Einblick in eine Liebesgeschichte, die auf Worten und Speisen basiert. Schöne Bilder, die dem Zuschauer Lust auf mehr Indien geben.

Wertung:
7/10 Punkte
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