Im weißen Rössl - Wehe Du singst! (2013)

OT: Im weißen Rössl - Wehe Du singst! - 95 Minuten - Komödie / Musical / Romantik
Im weißen Rössl - Wehe Du singst! (2013)
Kinostart: 07.11.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Im weißen Rössl - Wehe Du singst!

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Das Stück „Im weißen Rössl“ hatte seine Geburtsstunde bereits 1896. Seit der Uraufführung folgten - neben unzähligen Inszenierungen, mindestens neun Kino- und Fernsehverfilmungen. Vor allem die letzte Version von 1960 mit Peter Alexander in der Hauptrolle, dürfte wohl jedem im Gedächtnis sein. Regisseur Christian Theede begibt sich mit seiner Neuinterpretation des Kultfilms umso mehr auf dünnes Eis. Die Original-Story ist bekanntlich bereits eine Parodie auf das Zusammentreffen von Großstadtmenschen und dem Landleben und wird nun von Theede zu einer Persiflage auf den gesamten Heimatfilm befördert.

Ottilie Giesecke (Diana Amft) lebt im grauen Berliner Großstadt-Alltag. Als ihr Freund statt dem erwarteten Heiratsantrag (per Sms) das Beziehungsende verkündet, nimmt sie die Einladung, ihren Vater Wilhelm (Armin Rohde) übers Wochenende ins Weiße Rössl zu begleiten, an. Die realitätsgeprüfte Ottilie beginnt die Liebe Wilhelms zu diesem besonderen Ort erst dann ein wenig nachzuvollziehen, als die zwei das Schild „Willkommen im Salzkammergut“ passieren, und aus schlimmstem Regenwetter plötzlich Sonnenschein und Kitschpanorama auftauchen. Spätestens jetzt ist klar, dass es sich hier um eine Art Paralleluniversum handelt, und die beiden in die Scheinwelt eines Heimatfilms geraten sind. Beim weißen Rössl angekommen, offenbart sich ihnen die Empfangsszene des Peter Alexander-Films, und Ottilie staunt nicht schlecht, als sie mitten im singenden Hotelpersonal steht. Nur noch getoppt von Dr. Otto Siedler (Tobias Licht) der durch sie seine „Liebe auf den ersten Blick“ erlebt, und diese umgehend mit einem Heiratsantrag äußert. Ab jetzt werden die Berlinerin, - wie auch die Zuschauer im Kinosaal- bis ins Letzte auf ihre „Friede-Freude-Kitschwelterträglichkeit“ geprüft. Mit viel Sonnenschein, Gesang und kaum ausgebauten Charakteren, zieht der Film nun die ursprüngliche Rössl-Story durch: Der Oberkellner Leopold (Fritz Karl) schmachtet nach seiner Wirtin Josepha (Edita Malovcic), die allerdings (den in Ottilie verliebten) Dr. Siedler anhimmelt. Sie ist drauf und dran das Hotel an Sigismund Sülzheimer (Gregor Bloéb) zu verkaufen, der wiederum (aus altem Liebeskummer heraus) Abrisspläne damit schmiedet. Nun gilt es das Hotel zu retten, - und am Weg dorthin soll Ottilie (so ganz nebenbei) wieder einen Zugang zum kitschigsten Gefühl der Welt finden und schlussendlich wieder an die wahre Liebe glauben.

Hat man den Film aus den 1960ern vor Augen, gelingt es der Neuerfindung mit Sicherheit, den Zuseher zu erheitern. Dazu darf man den Film allerdings nicht zu ernst nehmen, und muss die gezielten, heimatfilmbezogenen Pointen mögen. Auch wenn von Theede nicht unbedingt gewollt, kommt man kaum darum herum, einen Vergleich zur Peter Alexander Verfilmung zu ziehen, - nicht zuletzt, weil diese wohl die bekannteste ist. Und daraus keimt gerade der ganze Witz des neuen Rössl-Films. Denn die wohl (durch Fritz Karl) am besten rüber gebrachte Figur des Oberkellners Leopold, erinnert teilweise dann doch an das Spiel Alexanders. Ein Punkt, welcher den Film möglicherweise aus dem Schlimmsten rettet, denn die Besetzung der Ottilie durch Diana Amft, gibt dem Ganzen einen ungewollten RTL- Nachmittagsflair. Nicht etwa als Resultat ihre Leistung, sondern schlicht wegen der Reihe unkontrollierbarer Assoziationen, die sie evoziert. Das schmälert zwar unter Umständen kaum ihren Beliebtheitsgrad in der breiten Masse, wirft aber einen Schatten über den ganzen Film. Mit Ausnahme von Leopold und Dr. Siedler hat man für die Rollen kaum vergleichbare Charaktere gewählt. Besonders evident wird dies am Beispiel der Rössl-Wirtin, die mit Edita Malovcic so gar nicht an Waltraud Haas erinnert. Diese Uneinigkeit innerhalb des Films wirkt schlussendlich problematisch, da man immer wieder mit der Frage konfrontiert wird, wie ernst sich der Film nun selbst eigentlich nimmt, und eine positive Beurteilung in diesem Fall nicht mit einer eventuellen Ernsthaftigkeit einhergehen kann.

Fazit:
Die Idee, aus dem weißen Rössl-Stoff eine Persiflage auf den Heimatfilm zu machen, und die graue Realität mit einer surrealen Kitschwelt in Kontrast zu bringen, ist auf jeden Fall erfrischend. Mit den bekannten Liedern (die aufgepeppt wurden), und teilweise eingebauten Originaldialogen, werden die Pointen unterstützt und gelingen großteils auch. Die Wahl der Besetzung ist teilweise aber nicht ganz nachvollziehbar und spekuliert eher auf die Beliebtheit der Schauspieler als auf deren Typgerechtigkeit. Fakt ist, wenn man vor hat den Film zu besuchen, sollte man auf einen Kitschtsunami gefasst sein, und den Originalfilm kennen. Dann kann man sich durchaus gut unterhalten. Und einen Geniestreich wird man hier wohl ohnehin nicht erwarten. Es sei vorhergesagt, dass dieser Film unweigerlich zum Polarisieren verurteilt ist: Man wird in lieben, oder hassen.

Wertung:
6/10 Punkte
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