No Turning Back (2013)

OT: Locke - 85 Minuten - Drama / Thriller
No Turning Back (2013)
Kinostart: 19.06.2014
DVD-Start: 23.10.2014 - Blu-ray-Start: 23.10.2014
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Filmkritik zu No Turning Back

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Der Name des Regisseurs Steven Knight wird dem Kinopublikum hauptsächlich im Zusammenhang mit Filmen wie Tödliche Versprechen – Eastern Promises von David Cronenberg oder Kleine schmutzige Tricks von Stephen Frears bekannt vorkommen. Denn für beide Filme hat er das Originaldrehbuch geschrieben. Für Letzteren wurde er 2004 in der Kategorie Drehbuch mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Locke ist nicht Knights Erstlingswerk als Regisseur, zuvor hat er den Actionfilm Redemption – Stunde der Vergeltung mit Jason Statham in der Hauptrolle abgedreht. Der Film ist hierzulande nie regulär in die Kinos gekommen, ein ähnliches Schicksal wird Locke nicht erleiden.

Ivan Locke (Tom Hardy) entledigt sich seiner Arbeitsstiefel, steigt in einen BMW und fährt in die von Autoscheinwerfern, Großstadt- und Straßenlichtern beleuchtete Nacht hinein. Mit jeder Minute des Films, die Locke im Auto sitzt und mit verschiedenen Personen telefoniert, entblättert er verschiedene Informationen und Facetten zu seiner Person. Zum Beispiel, dass er auf der M6 von Birmingham nach London fährt, um bei der Geburt seines Kindes dabeizusein. Dass er nicht mit seinen Söhnen Sean und Eddie Fußball schauen kann und seine Frau Katrina (Ruth Wilson) nichts von der Affäre mit Bethan (Olivia Colman) und dem außerehelichen Kind, das diese erwartet, weiß. Dass ihm sein Abstecher nach London den Job kosten könnte, wenn er als Bauleiter einen wichtigen Termin auf der Großbaustelle verpasst. Und dass er mit seinem verstorbenen Vater noch immer keinen Frieden geschlossen hat.

Locke ist eine räumlich eingeschränkte Einpersonenshow und eine moralisch motivierte Charakterstudie. Ivan Locke ist die einzige Figur im gesamten Film, die physisch vorkommt. Von den ersten paar Einstellungen bis zu dem Zeitpunkt am Ende des Films, wo Ivan Locke das Auto zum Stillstand bringt, sieht man keine andere Person. Dafür unzählige Autos, Straßenlaternen, vorbeiziehende beleuchtete und unbeleuchtete Landschaftsbilder, etliche Überholmanöver. Im Gegensatz zu Locke, der hinter dem Lenkrad sitzt, verlässt die Kamera den Innenraum des Autos zugunsten verschiedener Perspektiven- und häufiger Einstellungswechsel.

Die Gespräche mit der in den Wehen liegenden Bethan, seinen Arbeitskollegen Donal (Andrew Scott) und Gareth (Ben Daniels), seiner Frau und den beiden Söhnen spielen sich allesamt über die telefonische Freisprecheinrichtung des Autos ab. Mit jedem dieser Telefongespräche lernen wir Lockes Lebensumstände und seinen Charakter besser kennen. Die Gesprächspausen sind es aber, die es uns ermöglichen, zwischen den Zeilen und in seinem Gesicht zu lesen. Immerhin geht es in Locke um einen Mann, der – während er über die Bedeutung der richtigen Betonmischung für das Fundament eines riesigen Gebäudes spricht – das eigene sorgfältig aufgebaute Lebensfundament nach und nach zum Einsturz bringt. Locke ist sich seiner Taten bewusst, wird er die daraus resultierenden Konsequenzen akzeptieren?

Steven Knight hat nicht nur Regie geführt, er hat auch das Drehbuch geschrieben. Locke mag in der heutigen Kinolandschaft visuell keine herausragende Filmleistung sein, was gar nicht weiter störend ist. Vielmehr beeindruckt die dramaturgische Umsetzung der Geschichte, die er in minimalistischer Manier erzählt. In Anbetracht der Möglichkeiten, die das Medium bietet, deutet es auf ein mutiges Projekt hin, sich in der Darstellung und Gestaltung so zurückzunehmen.

Fazit:
Locke ist ein spannendes Roadmovie mit einem herausragenden Protagonisten und ein gelungenes Unterfangen, denn der Film bleibt im Gedächtnis hängen. Einem weniger begabten Schauspieler als Tom Hardy möchte man nur ungern 85 Minuten beim Autofahren und Telefonieren zuschauen. Trotz des Vollbarts stellt Hardys Spiel der Mimik ein Highlight dar. Die kleinen Gesten sind stets von großer Bedeutung. Am Ende des Films macht sich das Gefühl breit, genug gesehen und genug gehört zu haben. Mit Ivan Locke möchte man nicht mehr im Auto sitzen, denn man kennt ihn jetzt gut genug. Es stellt sich aber die Frage, ob er das von sich selbst behaupten kann.

Wertung:
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