Camille Claudel 1915 (2013)

OT: Camille Claudel 1915 - 95 Minuten - Biographie / Drama
Camille Claudel 1915 (2013)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Camille Claudel 1915

1915 – die Stellung der Frau in der Gesellschaft hatte keine qualitativ hochwertige Rolle. Neben zahlreichen, heute als klischeehaft entlarvten, zugesprochenen Tätigkeiten, sollte sie sich zurückhalten. Die Kunst wurde ihr regelrecht verboten, denn diese würde sie nicht verstehen. Merkwürdig war es dann besonders, wenn eine Frau als Bildhauerin ihr Geld verdienen wollte. Die Rede ist hier von Camille Claudel, welche 1915 in Südfrankreich von ihrer eigenen Familie in eine Irrenanstalt eingewiesen wurde, da ihre Liebe zur Kunst als eine Geisteskrankheit erkannt wurde. Der Regisseur und Drehbuchautor Bruno Dumont (Hadewijch, 2009) greift diese wahre Begebenheit auf und baut seinen Film auf den Werken und Briefen der Geschwister Claudel, also Camille und Paul, auf.

Camille (Juliette Binoche) muss lernen mit ihrer Geisteskrankheit umzugehen - sie ist Schriftstellerin und Bildhauerin. In einer Irrenanstalt soll sie von diesem Wahnsinn befreit werden. Während ihrer Zeit in der Anstalt versucht Camille nicht nur den anderen Patienten zu helfen, sie braucht selbst Hilfe, da sie lernen muss ihre wahre Leidenschaft zu unterdrücken. Ein Lichtblick dieser Tortur scheint ihr Bruder Paul (Jean-Luc Vincent) zu sein, welcher sie bald besuchen kommt…

Camille Claudel 1915 – ist ein wirklich schwieriger Film, der seinen Zuseher direkt zu Beginn ins kalte Wasser wirft. Somit erlebt man alltägliche Situation in einer Irrenanstalt zusammen mit der Hauptfigur Camille. Dabei klopft beispielsweise eine Patientin minutenlang mit ihrem Löffel auf ihren Teller während sie komische Geräusche von sich gibt – ein wirklich nervenaufreibendes Erlebnis. Der Filmemacher Bruno Dumont bleibt hierbei konsequent und schneidet die Szene nicht, sobald es für den Rezipienten zu viel werden könnte. Der Zuschauer soll das Erlebnis von Camille Claudel spüren und nachvollziehen können.

Ersichtlich wird infolgedessen, dass die Künstlerin damals aufgrund ihres Aufenthalts in der Irrenanstalt unter massiven Depressionen litt. Dies zieht sich wie ein roter Faden als melancholischer Grundton durch den kompletten Film, sodass sich ebendies auf den Betrachter des Dramas auswirkt. Keine leichte Kost serviert der Regisseur seinem Publikum. Doch je schwerer der Weg durch den Film scheint, umso einfacher macht es Juliette Binoche für den Zuseher sie während ihrer Tour de Force zu begleiten. Man leidet mit ihr und erfreut sich sobald ein Hoffnungsfunken in der Luft fliegt – der Besuch ihres Bruders.

Diese Stelle stellt zugleich einen Bruch im Film dar. Dumont entreißt den Zuschauer aus der Anstalt und nimmt sich danach viel Zeit um die Figur Paul einzuführen. Seine Hintergründe werden demnach beleuchtet, sowie sein Vorhaben veranschaulicht. Zwar ist es lobenswert, dass Dumont diese Figur nicht einfach lieblos in das Filmgeschehen wirft, allerdings hätte eine andere Erzählstruktur den Film einfacher und ertragbarer gemacht. Beispielsweise hätte Pauls Geschichte in kleinen Happen neben Camilles Tour de Force erklärt werden können.

Dessen ungeachtet gelingt es dem Filmemacher am Ende seine vorgesehene Katharsis durchzuführen, welche mit einem Filmzitat aus Paul Thomas Andersons Magnolia (2000) beendet wird. Leider gelingt es dem Regisseur nicht auch die erwünschte Wirkung hier auf seinen Zuseher zu übertragen. Dies ist aber nicht besonders gravierend, da es sich um eine andere Hintergrundsgeschichte mit einem melancholischeren Ende handelt, das seinen Zuseher zum einen betroffen und zum anderen erleichtert zurücklässt.

Fazit:
Bruno Dumonts biographisches Drama Camille Claudel 1915 ist keine leichte Kost und könnte deswegen den einen oder anderen Zuseher während der Vorführung aus dem Kinosaal führen. Wer jedoch die Tour de Force der Figur Camille, hervorragend gespielt von Juliette Binoche, bis zum Ende mitverfolgt, wird mit einer Katharsis belohnt, die sicherlich zum Nachdenken anregt.

Wertung:
7/10 Punkte
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