Der Teufelsgeiger (2013)

OT: The Devil's Violinist - 122 Minuten - Biographie / Drama / Musical
Der Teufelsgeiger (2013)
Kinostart: 31.10.2013
DVD-Start: 30.04.2014 - Blu-ray-Start: 30.04.2014
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Filmkritik zu Der Teufelsgeiger

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Ausnahmsweise ist es kein Jahrestag, der Anlass gibt, Niccolò Paganinis Werk auf die Leinwand zu bringen. Stattdessen war es David Garrett selbst, der den Anstoß zur Verfilmung gab. Es handelt sich vielmehr um ein Herzensprojekt, war Garrett doch in den verschiedensten Arbeitsschritten beteiligt. Er war ausführender Produzent, lieferte die Filmmusik (zusammen mit Franck van der Heijden), arbeitete am Drehbuch mit und natürlich spielt er die Hauptrolle. Gemeinsam mit dem englischen Regisseur Bernard Rose, der schon mit Anna Karenina und Ludwig van B. historische Stoffe umgesetzt hat, entstand schnell ein sehr produktives Team.

Niccolò Paganini (David Garrett), Geigenvirtuose und berüchtigter Frauenverführer, ist im Jahr 1830 ein groß gefeierter Künstler. Der mephistophelische Urbani (Jared Harris) nimmt sich seiner an und tut alles, um seinen Schützling weltberühmt zu machen. Um ihn bestmöglich zu vermarkten heizt er die ohnehin schon brodelnde Gerüchteküche um das Geigengenie weiter an. Aber auch der britische Agent John Watson (Christian McKay), bemüht sich um Paganini und lässt nichts unversucht, um ihn nach London zu bewegen. In der englischen Metropole angekommen, findet dieser schnell Gefallen an Watsons Tochter Charlotte (Andrea Deck). Urbani ist von dieser jungen Liebe alles andere begeistert, da er fürchtet seinen Einfluss auf Paganini zu verlieren und schmiedet einen teuflischen Plan.

Ganz eindeutig ist in diesem Film die Musik die gar nicht so heimliche Hauptdarstellerin. Schließlich ist sie diejenige, der es gelingt das Publikum für sich zu gewinnen, es einzuvernehmen und dramatische Momente zu schaffen. Leider kann das von den einzelnen Charakteren nicht behauptet werden, was vor allem Paganini betreffend sehr schade ist. David Garrett liefert nur ein sehr begrenztes Mienenspiel, das lediglich von leidend zu schmachtend zu trotzig wechseln kann. Dennoch ist er keine gänzliche Fehlbesetzung, denn wer würde besser in die Rolle des Frauenhelden und des klassischen Rockstars passen als er? Die Rolle scheint ihm so sehr auf den Leib geschrieben zu sein, dass die eigenen Augen einem manchmal einen Streich spielen und nicht unterscheiden können, wer in diesem Biopic tatsächlich seine Finger über das Griffbrett tänzeln lässt: Garrett oder doch Paganini himself? Doch genau diese Verwechslung ist fatal, da sie es vermag jegliche Illusion zu zerstören. Andrea Deck hatte nach ihrer kleineren Rolle in Les Misérables nun die Möglichkeit sich zu zeigen und schafft es, das Publikum in der Rolle der aufstrebenden Opernsängerin zu entzücken. Auch Jared Harris beweist teuflisches Geschick, wohingegen Veronica Ferres (als Watsons Geliebte) und Helmut Berger als nichtssagender Lord Burghersh eher in den Hintergrund rücken.

Kompliment verdient die Produktion jedoch für die Kostüme und das Setting. Der Wienerin Birgit Hutter gelang es, Kostüme zu entwerfen, die zeitgemäß und unvergänglich zugleich sind. Dieser Effekt passt auch sehr gut zum zeitlosen Thema des Filmes. Nämlich, dass die Spielregeln eines Rockstarlebens früher wie heute noch genauso gültig sind. Schauplatz ist in diesem Fall größtenteils London. Und obwohl die meisten Drehtage in Wien stattfanden (Hofburg, Theater an der Wien, Zentralfriedhof, etc.), kann man die englische, düstere Atmosphäre in den nebligen Straßen Englands spüren.

Trotz aller Vorzüge, kann der Film nicht vollends überzeugen. Der Teufelsgeiger ist ein biografisches Drama, das es in keinem Moment zulässt, den Zuseher in Paganinis Seele blicken zu lassen. So wird nicht nur sein eigenes Umfeld, sondern auch der Zuseher nicht schlau aus ihm. Er bleibt stets eindimensional und unnahbar, was vielleicht die Paganini-Fans im Film goutieren, da deren Idol dadurch mystifiziert wird. Die Zuseher in der realen Welt könnte dies jedoch eher stören, da ihre Hauptfigur platt bleibt und damit langweilig anzusehen. Die wenigen Informationen, die man bekommt reichen nicht aus, um sich mit der tragischen Figur Paganini zu identifizieren oder etwa mit ihm zu fühlen. Stattdessen geht man 122 Filmminuten emotionslos neben ihm her. Zweifelsohne hat man sich hier entschieden den „Mythos“ Paganini vor dem „Menschen“ Paganini zu portraitieren.

Fazit:
Wer sich erwartet mehr über Paganini zu erfahren wird sicher enttäuscht werden. Erzählt wird der Fall eines unermesslichen Künstlers, noch bevor dieser überhaupt zu richtigem Ruhm gelangen konnte. Die Vorzüge von Der Teufelsgeiger liegen sicher im Szenenbild und in der Musik. Enttäuschend sind jedoch die flachen Figurenzeichnungen, wodurch vor allem die Hauptfigur bis zum Schluss recht blass bleibt, was vor allem für ein biografisches Drama besonders nachteilig ist.

Wertung:
6/10 Punkte
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