Exit Marrakech (2013)

OT: Exit Marrakech - 123 Minuten - Drama
Exit Marrakech (2013)
Kinostart: 25.10.2013
DVD-Start: 08.05.2014 - Blu-ray-Start: 08.05.2014
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Filmkritik zu Exit Marrakech

Eine Coming of Age Story in einem Film hat seinen Reiz, doch um das Interesse des Zuschauers zu wecken, muss der Hauptcharakter, welcher die Reise der Selbstfindung durchläuft, auch eine gewisse Sympathie ausstrahlen. Dieser Faktor stellt in Caroline Links Film Exit Marrakech ein zwiespältiges Problem dar. Einerseits hat sie in Samuel Schneider einen äußerst talentierten und charmanten Hauptdarsteller gefunden, andererseits können die Handlungen seiner Figur Ben einfach nicht nachvollzogen werden und werden infolgedessen als dämlich abgestempelt. Es stellt sich nun die Frage, weshalb man sich mit dieser Figur identifizieren und im weiteren Filmverlauf seine Reise durchleben soll.

Eine große Reise nach Marrakech und damit nach Marokko steht dem 17-jährigen Ben (Samuel Schneider) bevor, der das Internat besucht und über den großen Sommerferien ein fremdes Land besuchen soll, um dort die Beziehung zu seinem Vater Heinrich (Ulrich Tukur) wieder aufzubauen. In Marrakech angekommen verschließt sich Ben seinem Vater gegenüber – lässt ihm somit keine Chance sich ihm zu nähern. Stattdessen geht er einen unbekannten Weg. Er trifft die geheimnisvolle Prostituierte Karima (Hafsia Herzi) und folgt ihr erstmal auf Schritt und Tritt…

Oscar-Preisträgerin Caroline Link (Nirgendwo in Afrika, 2001; Jenseits der Stille, 1996) hat sich für ihren Film einen vorteilhaften Drehort ausgesucht. Marokko ist nicht nur ein kulturell beeindruckendes Land, sondern bietet auch viele wunderschöne Landschaftsbilder, welche die Regisseurin dem Zuseher nicht vorenthält. Während Ben also durch Marrakech reist darf der Zuschauer zugleich an der selben Abenteuerluft schnuppern. Dieses Kribbeln im Bauch wird auch durch die abenteuerliche und orientalisch angehauchte Musik hervorgerufen, die stellenweise im gesamten Film zu hören ist. Hierbei ergibt sich jedoch ein großes Problem. Die Musik und Bildaufnahmen erwecken beim Zuseher stets eine Abenteuerlust, die dramaturgisch nie gestillt wird.

Auch auf der Narrationsebene kann Exit Marrakech nicht so richtig überzeugen. Caroline Link führt in der ersten Hälfte des Films zahlreiche Nebenfiguren ein, nur um diese dann in der Mitte des Films fallen zu lassen. Die Charaktere und deren Hintergrund werden dadurch nicht nur oberflächlich behandelt, als Zuschauer stellt man sich hierbei öfter die Sinnfrage. Diese Frage betrifft nicht nur diese Charaktere - auch die bisher gezeigte Handlung zieht sich in die Länge und erscheint aus diesem Grund eher als belangloser Lückenfüller.

Erst ab der zweiten Filmhälfte gelingt es der Regisseurin und Drehbuchautorin dramaturgische Schwerpunkte zu setzen, indem sie den Hintergrund der Hauptfiguren beleuchtet und Vater und Sohn damit kollidieren lässt. Allerdings wird dieses Verhältnis leider auch nur oberflächlich behandelt, sodass das Ganze mit einem typischen Abendfilm verglichen werden kann, der für einen öffentlich-rechtlichen TV-Sender produziert wurde.

Als dann kurz vor dem Ende endlich die Katze aus dem Sack gelassen wird und der Film seinen Höhepunkt erreicht hat, enttäuscht das Drehbuch erneut, da kein konsequenter und dramatischer Faden zu erkennen ist. Die Handlung entwickelt sich auf einer Ebene, die nur vor sich hinplätschert - Pseudo-Tiefgang par excellence. Doch Caroline Link macht nicht alles falsch. Die bildgewaltigen Aufnahmen sowie die abenteuerliche Musik trösten über die aufgezählten Drehbuchschwächen hinweg. Auch der Hauptdarsteller zeigt sich von seiner besten Seite und schafft es trotz aufgezeigter Probleme der Figurenzeichnung den Zuseher für sich zu gewinnen. Folglich ist Exit Marrakech vor allem für diejenigen zu empfehlen, die sich gerne an einem verregneten Abend entspannt zurücklehnen und ohne großen Anspruch in ein fremdes Land begleitet werden wollen.

Fazit:
Caroline Links Coming of Age-Drama Exit Marrakech kann zwar technisch beeindrucken, weist dennoch zu viele dramaturgische und narratologische Schwächen auf. Die erzeugte Abenteuerlust beim Zuseher wird aufgrund dessen nur mit einer vor sich hinplätschernden Pseudo-Dramatik gestillt. Der Film ist dadurch nur bedingt empfehlenswert. Ein verregneter Abend kann jedoch damit sicherlich hinweggetröstet werden.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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oktober-dezember 13
Liste von arienette
Erstellt: 27.10.2013