Oktober November (2013)

OT: Oktober November - 114 Minuten - Drama
Oktober November (2013)
Kinostart: 08.11.2013
DVD-Start: 14.10.2014 - Blu-ray-Start: 10.10.2014
Will ich sehen
Liste
19444
Bewerten:

Filmkritik zu Oktober November

Von am
Sonja ist dreißig, erfolgreiche Fernsehschauspielerin in Berlin und hat eigentlich alles, wovon sie als Kind geträumt hat. Ihre große Schwester Verena hat ein anderes Leben eingeschlagen. Sie ist zuhause geblieben, in dem kleinen österreichischen Bergdorf, wo sie aufgewachsen ist. Hier wohnt sie zusammen mit ihrem Mann Michael, ihrem Sohn Hannes und ihrem Vater in dem ehemaligen Landgasthof. Eigentlich könnte das Leben hier auch idyllisch sein, doch der Schein trügt. Der Gasthof steht seit dem Unfalltod der Mutter leer, der Vater wird immer mürrischer und aus „Langeweile“ beginnt Verena eine Affäre mit dem Landarzt. Als der Vater einen Herzinfarkt erleidet, ändert sich jedoch alles schlagartig. Sonja kommt nach Hause und es kommen wieder alte Sachen ans Tageslicht, die zwischen den Schwestern stehen.

OKTOBER NOVEMBER beschreibt eindrucksvoll eine Familie, die zutiefst unzufrieden ist, aber durch die Krankheit des Vaters wieder zueinander finden kann. Im Mittelpunkt des Films steht die Identität der einzelnen Figuren. Nicht die Handlung an sich ist wichtig, sondern die Frage nach dem „Wer bin ich? Bin ich das, was ich sein will? Warum bin ich so, wie ich bin? Bin ich das, was ich sein kann?“, wie der Regisseur Götz Spielmann in einem Interview sagt. Und diese Frage ist auf fast jeden Charakter im Film anzuwenden.

Sonja: Sie ist eine erfolgreiche Schauspielerin, lebt in Berlin und hat das erreicht, wovon sie als Kind geträumt hat. Doch sie spielt nicht nur in ihren Filmen eine Rolle, sie spielt auch ihr „super“ Leben als Rolle. Zwar ist sie in der Öffentlichkeit die beliebte und stets gut gelaunte Schauspielerin, doch privat ändert sich das Bild, sobald sie die Wohnungstüre schließt. Dann kann sie die Fassade ablegen und ihre Unzufriedenheit und Unsicherheit über sich selbst kommt zum Vorschein. Denn glücklich ist sie ganz und gar nicht. Sie fühlt sich einsam, aber kann gleichzeitig keine Nähe zulassen. Zwar hat sie einige Affären, unter anderem mit einem verheirateten Mann, aber Liebe verspürt sie nicht. Sie hat keinen Halt im Leben, keine Menschen in ihrer Umgebung, keine Familie, die sie auffangen kann.

Ihre ältere Schwester Verena hingegen, hat genau das, was Sonja in Berlin nicht hat. Sie ist Zuhause geblieben, in dem Gasthof, in dem sie aufgewachsen ist. Wohnt dort mit ihrem Vater, ihrem Sohn und ihrem Ehemann. Doch auch Verena ist unglücklich. Denn sie würde gerne woanders sein, wäre gerne weggegangen aus dem Dorf und weg von ihrem Vater. Doch sie musste da bleiben nach dem Unfalltod ihrer Mutter. Denn sie hatte das Gefühl, als große Schwester die Verantwortung übernehmen zu müssen und den Vater zu unterstützen. Zwar hat sie einen Ehemann, der sie liebt und einen Sohn, eben eine Familie, die ihr Halt gibt, aber sie verspürt auch eine Leere in ihrem Leben. Und diese versucht sie mittels einer Affäre mit dem Hausarzt zu füllen. Denn dieser ist anders als ihr Mann, bei ihm kann sie ihre Sorgen und ihre verpassten Wünsche vergessen.

Als die beiden Schwestern sich wieder gegenüber stehen merkt man sofort, dass das Verhältnis eher kühl ist. Verena hat wohl nie überwinden können, dass Sonja ihren Traum leben konnte und sie nicht. Dass sie bei ihrem Vater bleiben musste. Daher begegnet sie ihrer kleineren Schwester auch mit Eifersucht. Das merkt man auch im Umgang mit dem Arzt. Sie stellt klar, dass Sonja ihre Finger von ihm lassen soll, weil sie bemerkt hat, dass diese mit ihm flirtet. Es kommt zum Streit zwischen den beiden Schwestern, bei dem sie beide ihr Unglück erkennen.

Eine wichtige Person im Film ist auch der Vater. Seit dem Tod seiner Frau geht es mit ihm bergab. Der Gasthof wurde geschlossen, sein Herz wird immer schlechter und er ist stets „grantig“. Als er einen schweren Herzinfarkt erleidet, hat er eine Nahtoderfahrung, die sehr schön mit der Kamera dargestellt wird: es wird von oben auf die Szene gefilmt, aber nur der wesentliche Teil ist scharf und das Bild wird nach außen hin immer unschärfer. Durch diese Erfahrung wird er ein anderer Mensch. Er hat erkannt, dass man sich versöhnen muss, weil das Leben viel zu schnell vorbei sein kann. Er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat und versucht, die beiden Schwestern wieder zueinander zu bringen. Der Vater schafft es somit als erster sein Leben zu ändern und den Tatsachen ins Auge zu blicken.

Die Stimmung der Charaktere im Film überträgt sich auch auf den Film selber. Es ist sehr bedrückend und „herbstlich“. Daher ist der Titel sehr passend und man kann sich vorstellen, was einen erwartet. Die Stimmung des Herbsts wurde optimal eingefangen. Dieses Bedrückende wird sehr gut dadurch unterstützt, dass es im Film keinerlei Hintergrundmusik gibt. Es ist ein sehr ruhiger Film, der sich auf die Charaktere und die Umgebung, in der sie sich befinden konzentriert. Wenn es im riesigen Gasthof still ist, dann hört auch der Zuschauer nichts, außer eventuell das Surren des Kühlschranks.

Fazit:
Ein gelungener Herbstfilm, der nachdenklich stimmt, aber Hoffnung gibt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
10 /10
17%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
0%
6 /10
17%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
17%
Vielleicht interessiert dich auch
Revanche
There Will Be Blood (2007)
The Wrestler (2008)
The King
Moonrise Kingdom (2012)
Match Point
Das Weisse Band - Eine deutsche Kindergeschichte (2009)
American Beauty (1999)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von tomdwo
Erstellt: 01.11.2014
Will ich sehen
Liste von TangoBravo
Erstellt: 02.05.2014
Will ich sehen
Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013
Alle Listen anzeigen