Der Fremde am See (2013)

OT: L'inconnu du lac - 100 Minuten - Drama
Der Fremde am See (2013)
Kinostart: 29.11.2013
DVD-Start: 29.11.2013 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Fremde am See

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Alain Guiraudie erzählt in seinem neuen Film „L’inconnu du lac“ (dt: Der Fremde am See) von Franck, einem jungen Mann, der homosexuell ist, und von einem Uferstück am See, wo sich, einander völlig unbekannte Homosexuelle regelmäßig treffen um nichts anderes zu tun, als anonymen schnellen Sex im hohen Gras zu haben.

Der gesamte Film findet an nur einem Schauplatz statt und zwar diesem besagten See, wo sich ein zu Routine gewordenes, tägliches, reges Treiben eingestellt hat. Die daran beteiligten Personen lernt man kaum bis gar nicht kennen. Zwar sieht man bis ins kleinste Detail ihre Körper in Großaufnahme, ihre Erektionen und sogar Ejakulationen, doch erfährt man als Zusehende/r kaum etwas über ihr Privatleben, ihre Heimat oder ob sie Beruf oder Familie haben. Man weiß nur, es handelt sich hier augenscheinlich um Männer, welche ihrer Lust nachgehen wollen und dies aber nicht in einem offiziellen Rahmen tun, sondern faktisch „geheim“. Zwar verboten, aber nicht weiter verfolgt.

Der Hauptprotagonist Franck (Pierre Deladonchamps), welcher im Laufe des Filmes immer häufiger an den See fährt, findet schnell Gefallen an diesem vorerst unkompliziert scheinenden Vergnügen. Nicht zuletzt weil er eine interessante Bekanntschaft mit einem etwas älteren, übergewichtigen Mann namens Henri (Patrick d'Assumçao) macht. Henri fällt Franck sofort auf, da er vollständig bekleidet und ausschließlich auf die Seeoberfläche starrend, so gar nicht zu den restlichen nackten Männern (in weißen Turnschuhen!) zu passen scheint, welche mit dem eindeutigen und ausschließlichen Ziel an den See fahren Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann zu haben. Schnell freunden sich Franck und Henri an, worauf regelmäßige Gespräche über das Leben und die Liebe folgen, welche aber immer nur Bruchteile über ihr eigenes Leben offenbaren. Und dann gibt es da noch Michel (Christophe Paou), welcher mit seinem recht eifersüchtigen Freund ebenfalls regelmäßig an den See fährt und mit seinem Freddy-Mercury-ähnlichen Aussehen unweigerlich Francks Interesse weckt. Die sexuelle Spannung zwischen den beiden ist ab dem ersten Augenkontakt spürbar. Nicht gerade zur Freude von Michels aktuellem Sexualpartner, welcher diese Spannung ebenfalls wahrnimmt.

Der Film nimmt eine plötzliche Wendung, als Michel unerwartet von einer Sekunde zur anderen zum brutalen, herz- und reuelosen Mörder wird und somit Francks und Michels gemeinsamen sexuellen Abenteuern nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Franck, welcher ohne Michels Wissen Zeuge dieser abscheulichen Tat wurde, macht sich durch sein Schweigen zum Mittäter.

Gebannt dem Film folgend kann man als Zusehende/r gar nicht begreifen, wie Franck sich trotz dieses Wissens Michel hingeben kann, doch seine sexuelle Anziehung scheint zu überwiegen. Gelungene Filmeinstellungen, wie beispielsweise der Parkplatz und das dort jeden Tag am selben Ort parkende Auto des Ermordeten machen die Geschichte spannend und lassen einen als Zusehende/n nicht das Interesse daran verlieren, im Gegenteil: man fragt sich ständig wann Franck doch das Schweigen brechen wird oder einem der anderen Männer das Verschwinden des Toten auffällt, aber nichts passiert. Die Spannung lädt sich immer weiter auf, als ein Detektiv (Jérôme Chappatte) dazu stößt, welcher, als nach Tagen schließlich die Leiche aus dem See geborgen wird, anfängt „lästige“ Fragen zu stellen und seine unangekündigten Runden an dem Ufer zu drehen beginnt.

Fazit:
Filmisch gesehen ein gelungener Film mit talentierten Schauspielern (es kommt tatsächlich keine einzige Frau im Film vor), untermalt von einer spannenden Story, die aber mit dem Verlauf des Films immer absurder und brutaler wird und in dem blutigen Gemetzel eines Psychopathen endet. Als Zusehende/r wartet man den ganzen Film hindurch gespannt. Man wartet und wartet, man weiß nicht einmal genau worauf, aber man wartet und zwar auf etwas, das sich schlussendlich nie auflöst und ein unbefriedigendes, verstörendes Gefühl hinterlässt. „Der Fremde am See – L’inconnu du lac“ wurde in Cannes mit dem Filmpreis „Beste Regie“ (in der Schiene "Un Certain Regard") und der Queer Palme ausgezeichnet und ist von vielen Seiten in den höchsten Tönen gelobt worden. Man traut sich nicht so recht eine gegenteilige Meinung zu vertreten. Dennoch bleibe ich dabei, der Film ist wenn auch gut umgesetzt, ganz sicherlich nicht jedermanns Sache.

Wertung:
6/10 Punkte
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