Blue Jasmine (2013)

OT: Blue Jasmine - 98 Minuten - Komödie / Drama
Blue Jasmine (2013)
Kinostart: 08.11.2013
DVD-Start: 14.03.2014 - Blu-ray-Start: 14.03.2014
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Filmkritik zu Blue Jasmine

Von am
Woody Allen ist einer der zuverlässigsten und konstantesten aktiven Filmemacher. Während andere Regisseure gerne einmal Jahre zwischen zwei Projekten verstreichen lassen und dabei scheinbar große Angst vor einer einzigen Fehlkalkulation haben, arbeitet Allen nun schon seit Jahren beständig vor sich hin und serviert einen Film nach dem anderen. Überraschend ist dabei vor allem, dass die Filme, obwohl Allen immer wieder einen pro Jahr nachschiebt, dabei eine im Schnitt wirklich hohe Qualität haben. Die Frage lautet in den meisten Fällen eigentlich nur: Ist der neue Allen gut, oder sehr gut (unterbrochen von raren Fehlschlägen)? Und im Fall von Blue Jasmine kann man diese Frage gerne mit sehr gut beantworten, auch wenn Hauptdarstellerin Cate Blanchett dazu fast mehr beiträgt als ihr Starregisseur.

Hal (Alec Baldwin) und Jasmine (Cate Blanchett) sind das klassische Traumpaar: Gut aussehend, gebildet, reich und auf dem Gipfel des Erfolgs. Doch dann bricht alles in sich zusammen: Hal wird wegen illegalen Geschäften verhaftet, die Ehe zerbricht und Jasmine landet bei ihrer weit weniger begünstigten Adoptivschwester Ginger (Sally Hawkins), die sich hauptsächlich mit weniger vornehmen Männern einlässt, was Jasmine zunehmend in den Wahnsinn treibt. Und nun muss Jasmine überlegen was sie weiter mit ihrem Leben anfangen will. Ausbildung oder Arbeit? Oder sucht sie sich erneut einen reichen Mann? Doch über all dem schwebt ihre völlig zerstörte Psyche, die sie immer wieder heimsucht…

Woody Allen versteht es geschickt sich entlang der Struktur von “Endstation Sehnsucht” zu arbeiten und gleichzeitig auch noch die moderne Hochfinanz auf die Schippe zu nehmen. Die Ebenen seines Films gleiten mühelos ineinander und der scharfzüngige Filmemacher versteht es ausgezeichnet den Abstieg der Hauptfigur in Kontrast mit der (auf den zweiten Blick gar nicht mehr so) schillernden Vergangenheit zu setzen. In den Rückblenden sorgt vor allem ein herrlich schmierig agierenden Alec Baldwin für überraschend humorvolle Einschübe, während in der Gegenwart Sally Hawkins und ihre Liebschaften für spannende Kontraste sorgen.

Aber ehrlich gesagt ist dies alles nur Beiwerk: Die wahre Glanztat vollbringt Cate Blanchett, die den Film auf ihre Schultern nimmt und ihre verzweifelte, tragische Figur mit bitterer Verve spielt. Allen schrammt immer haarscharf an einer zu einfachen Charakterisierung vorbei, aber durch das nuancierte Spiel von Blanchett offenbaren sich immer wieder neue Facetten in der hoffnungslosen Verzweiflung ihrer Figur. Besonders in Kontrast zu ihrer nunmehr sehr einfachen Umwelt, sorgen ihre divenhaften Eskapaden für großes Gelächter, aber die Stärke der Figur liegt eher in der unterliegenden Schicht der Tragik, die immer wieder die Geschichte durchzieht.

Allerdings ist Blue Jasmine als Gesamtwerk bei weitem nicht so leichtfüßig wie die letzten Arbeiten des Regisseurs. Der Ton ist eher betrübend, die Einstellung der Figuren lässt nur wenig Hoffnung aufkommen und überhaupt sind es mehr die schwermütigen Momente des Films die in Erinnerung bleiben, als die komischen. Zwar gelingt es Allen immer wieder geschickt die Erwartungen zu unterwandern und für unerwartete Momente zu sorgen, die für einen Augenblick die Stimmung kippen lassen, aber man muss sich nichts vormachen: Tendenziell ist Blue Jasmine eher betrübend als erheiternd.

Das kann man dem Film natürlich nicht vorwerfen, und der beste Woody Allen Film seit längerem (Match Point) ging in eine ähnliche Richtung (allerdings war dieser sogar noch deutlich pessimistischer). Was man Blue Jasmine allerdings vorhalten kann, ist dass es dem Film nicht wirklich gelingt eindrucksvolle Einzelmomente zu erzeugen, die sich wirklich in der Erinnerung festsetzen und die das Gefühl auslösen den Film anschließend diskutieren zu müssen. Blue Jasmine ist ein sehr guter Film, der die Geschichten seiner Figuren kraftvoll erzählt, der aber wohl das Problem haben könnte, dass man ihn vielleicht etwas leichter wieder vergisst, als es der Film verdienen würde.

Fazit:
Blue Jasmine ist ein sehr guter Film, bei dem Altmeister Woody Allen erneut sehr vieles richtig macht, es ausgezeichnet versteht die verschiedenen Etappen im Leben seiner Hauptfigur in Kontrast zu setzen und die Erzählebenenen mühelose ineinander gleiten zu lassen. Bei allem glatten Erzählfluss ist Blue Jasmine allerdings dennoch kein leichtfüßiger Film. Der Pessimismus der Erzählung überwiegt die heiteren Momente deutlich und vor allem durch die formidable Leistung von Cate Blanchett verfehlt Blue Jasmine seine tragische Wirkung nicht. Das einzige was man wirklich bekritteln kann ist, dass es dem Film nicht gelingt wirklich herausstechende Momente zu erzeugen, die den Drang auslösen das Gesehene zu diskutieren. Aber ansonsten ist Blue Jasmine ein wirklich ausgezeichneter Film, den man sich ansehen sollte.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 9
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