Dabbe: Cin çarpmasi (2013)

OT: Dabbe: Cin çarpmasi - 120 Minuten - Horror
Dabbe: Cin çarpmasi (2013)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Dabbe: Cin çarpmasi

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Horrorfilme und Türkei – das sind nicht unbedingt zwei Begriffe, die man so schnell miteinander in Verbindung bringt. Und doch, so scheint es, gibt es zumindest ein „Franchise“, das es in den letzten Jahren über die Landesgrenzen hinaus zu etwas Bekanntheit geschafft hat: Hasan Karacadag hat mit Dabbe: Cin çarpmasi den bereits vierten Teil seiner Dabbe-Reihe geschaffen, davon abgesehen beschäftigte er sich in seinen beiden anderen Arbeiten El Cin (2013) und Semum (2009) ebenfalls im weitesten Sinn mit dem Thema Besessenheit. Wenn der Teufel in Der Exorzist (1973)  - übrigens vom Berlinale-Preisträger aus dem Jahr 1964, Metin Erksan, bereits 1974 in einer türkischen quasi 1:1 Version namens Seytan verwurstet – vor unschuldigen Kindern nicht Halt macht, warum sollten es dann böse islamische Geister nicht genau so halten? Mit freundlichen Flaschengeistern a la Aladin oder Bezaubernde Jeannie haben sie wenig gemein – menschliches Seelenmaterial ist das Begehr der Dschinns.

Dabbe: Cin çarpmasi ist, wie sein Vorgänger Dabbe: Bir cin vakasi (2011) (weiter habe ich zugegebenermaßen die Reihe noch nicht zurückverfolgt) im Stil der in den letzten Jahren so populären „pseudodokumentarischen“ Horrorfilme gedreht. Die 2011 Version ist dabei stark an Paranormal Activity angelehnt (Kameras im Haus zeichnen unheimliche Vorkommnisse auf), Cin çarpmasi fühlt sich hingegen an wie „klassisches“ Blair Witch Project. Aber worum geht es eigentlich? Am 16.8.1986 (schon mal sehr gut, ein Tag vor meiner Geburt) verfielen die Bewohner eines kleinen, abgeschiedenen Dorfes dem Wahnsinn, woraufhin sie nicht wieder gesehen waren oder das Dorf verließen – die Behörden hüllen den Mantel des Schweigens über das Ereignis und es geriet in Vergessenheit.

Heute forscht eine junge Psychiaterin Ebru zum Thema Besessenheit und darf einen „Exorzisten“, Faruk, bei seiner Arbeit filmen. Nach vollbrachter Tat bleiben in ihr jedoch Zweifel, ob sie nicht einer Inszenierung auf den Leim ging. Wie gut, dass sie einen besonders schweren Fall von möglicher Besessenheit aus nächster Nähe kennt: Vor einiger Zeit hat ihre beste Freundin Kübra am Tag vor ihrer Hochzeit vor allen Gästen in einem Zustand geistiger Umnachtung ihren Bräutigam mit einem Messer attackiert und getötet. Über ein Jahr wurde sie von Ärzten untersucht, die ihr nicht helfen konnten, seitdem kümmern sich Mutter und Schwester wieder um das Häufchen Elend in häuslicher Pflege. Wenn der Gottesmann mit seinem Zauber wirken könnte, würde ihm die pragmatische Wissenschaftlerin zumindest zugestehen, dass er kein billiger Taschenspieler ist. Der nimmt die Herausforderung an – und „bewaffnet“ mit Kameraausrüstung und Koran geht die Reise ins Hinterland. Ganz in die Nähe des Dorfes, in dem vor über 25 Jahren ach so grausame Dinge geschahen …

Eines muss man Cin çarpmasi zugestehen: Wenn der Film will, kann er verdammt effektiv sein. Durch den Wackelkamera-Stil ist man immer mitten im Geschehen, es gibt keine Distanz, und sobald sich die Protagonisten fürchten, fürchtet sich auch der Zuschauer. Große Teile des Films spielen nachts, in spärlicher Beleuchtung, da ist der Schreck umso größer, wenn sich Umrisse in der Dunkelheit mal langsam, mal schnell konkretisieren, zumal die Kamera stets in Bewegung ist. Die Wanderungen durchs verlassene Dorf oder durch diese teils unwirkliche Landschaft haben etwas für sich. Die Effekte sind meist simpel, aber wirkungsvoll, wie man es von diesem Teilbereich des Genres gewohnt ist. Da pocht das Herz, da schnellt das Adrenalin nach oben. Allerdings hält Karacadags Film dieses Niveau nicht konstant, was daran liegt, dass er schlicht zu viel in einen Film packen will. Nach etwa 2/3 Laufzeit (80 min) ist der Exorzismus-Aspekt quasi abgeschlossen, da erfährt man langsam die Hintergründe, was es mit dem Dorf aus dem Prolog auf sich hat über einen bösen Familienfluch bis hin zum bitteren Ende (noch mal knapp 50 min). Dieses verleiht – ohne groß zu spoilern – dem Film einen „profanen“ Anstrich – es handelt sich, wenn man so möchte, nicht um „dämonische Willkür“ sondern um eine rein menschliche. Diese Lösung offenbart einen interessanten, neuen Aspekt in dieser Art von Film, wie überhaupt die Erläuterungen zu Dschinns und die Bezüge zum islamischen Glauben für alle, die bei dieser Religion nicht sattelfest sind (und da zähle ich mich dazu) als definitive Alleinstellungsmerkmale um nicht zu sagen „Sehgründe“ darstellen. Dass der Film es dabei hin und wieder übertreibt, etwa wenn bierernst behauptet wird, das Internet sei die Vorstufe zur Apokalypse, sei verziehen, eventuell wirkt derlei Anbiederung bei Ultrakonservativen in Anatolien oder sonst wo …

Zumal, und da wären wir bei echten Schwächen des Films, er seine eigenen „Diktate“ ohnehin nicht durchzieht. Wo der Prediger an einer Stelle das Internet noch verdammt, schickt er am Schluss fleißig e-mails und recherchiert im Netz um dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Auch darüber kann man hinwegsehen, aber immer schlimm bei diesen pseudo-dokumentarischen Horrorfilmen ist, wenn sie das eigene visuelle Konzept hindert und sie sich darüber hinwegsetzen müssen, weil sonst der Erzählfluss stockt. Das fängt damit an, dass – für die Sache an sich – banale Dinge wie Autofahrten mitgefilmt werden, die für den „Film im Film“ eigentlich nichts bedeuten, aber für den „äußeren“ Film sehr wohl, etwa um die Charaktere etwas besser vorzustellen. Dass selbst in größter Lebensgefahr oder bei plötzlichen Ereignissen immer jemand sofort zur Kamera greift, ist weniger glaubhaft. Und dann darf bei solchen Filmen das Material ja nur „found footage“ sein, sobald der „äußere“ Film aber eingreift, indem er Einstellungen einfügt, die von einer nicht „sichtbaren“ Kamera gedreht wurden, beißt sich die Katze selbst in den Schwanz.

Solche Dinge passieren im Film. Nicht häufig, aber doch. Sie fallen kaum auf, weil sie elegant gelöst sind. Aber falls sie es tun, trübt das den Blick. Nicht, weil Cin çarpmasi sonst ein Super-Meisterwerk geworden wäre, das das Rad neu erfindet. Sondern weil sie die wirklich gelungenen Momente des Films – und derer gibt es genug – unterminieren. Eines Filmes, der vielleicht zu viel will, der seine Zuschauer sicher etwas ratlos zurücklässt, aber über zwei Stunden Laufzeit meist unterhält, mal mehr, mal weniger. Horrorfreunde, die das „Exotische“ suchen und die auf oben genannte US-Vorbilder stehen, sollten dem Film eine Chance geben. In Wien in OmdU noch zu sehen in der UCI Millenniumcity.

Wertung:
6/10 Punkte
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