Buffalo '66 (1998)

OT: Buffalo '66 - 110 Minuten - Komödie / Krimi / Drama / Romantik
Buffalo
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Buffalo '66

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Es war das AFL-Endspiel zwischen den Buffalo Bills und den Kansas City Chiefs am 1. Januar 1967. An diesem Tag geschahen drei besondere Tragödien. Die Geburt Billy Browns, seine Mutter, die wegen der Geburt ihres Sohnes nicht im Stadion sein konnte um ihre Lieblingsmannschaft (Buffalo Bills) anzufeuern und zuletzt die Niederlage der Bufallo Bills. Dass Billy von Geburt an ein ungeliebtes Kind war, lag nicht am unglücklichen Zufall, dass seine Mutter davon überzeugt ist, sie hätte am besagten Tag den Kantersieg der Kansas City Chiefs verhindert, wenn sie kein Baby zur Welt gebracht hätte. Der Titel des Films ist nicht mehr als ein passender Titel zu einem verdammt traurigen Lied – so steht das sportliche Ereignis nur für den Beginn von einer Abfolge trauriger Lebensabschnitte, die jeden anderen Tag ihren Anfang hätten nehmen können.

Billy Brown (Vincent Gallo) beging eine Dummheit, die ihn für lange Zeit ins Gefängnis brachte. Vor Jahren setzte er 10.000 Dollar auf den Superbowl-Sieg der Bills – wieder spielt die Mannschaft eine schicksalhafte Rolle über Glück und Katastrophe, wieder verlieren sie. Billy hatte das Geld nicht und musste als Ausgleich vor Gericht ein Verbrechen gestehen, dass er nie begangen hatte. Im Gefängnis ging das Gerücht um, der Kicker der Bills hätte den Entscheidenden Free Kick absichtlich neben das Tor getreten. Getrieben von Frustration und hilfloser Wut schwört er nach abgesessener Strafe Rache zu nehmen. Doch sein aggressives Handeln entpuppt sich bald als Unbeholfenheit eines gescheiterten Menschen. Sein Plan, den Kicker zu töten gerät immer wieder zum absoluten Nebenschauplatz und bleibt dennoch stets präsent. Macht er es nun oder nicht? Wo er endlich in Freiheit lebt, ist es überhaupt noch wichtig?

Trotz der tristen Aussichtlosigkeit, die wir im Buffalo 66-Universum verspüren und jede Sekunde ein schmerzerfüllter Tod auf Raten bedeutet,  sind da Augenblicke in denen die Existenzangst nicht das Kader für sich vereinnahmt, sondern nur im Nebenraum geduldig darauf wartet Billy zu befallen. Ob das passiert oder nicht hängt von seiner introvertierten Begleiterin Layla (Christina Ricci) ab.  Eigentlich hat Billy sie entführt um seinen Eltern eine glückliche Ehe vortäuschen zu können, doch weicht sie bald von seiner von Phobien verseuchten Seite nicht mehr ab. Laylas Vergangenheit wird nicht erzählt, was aber nicht tragisch ist, ja sogar das Mystische dieses Werks ausmacht. Das Nicht-ausgesprochene – man hat das Gefühl an jedem ihrer Bewegungen eine ganze Lebensgeschichte ablesen zu können. Ihre Bedeutung für Billys Leben ist nahezu biblischen Ausmaßes, die er aber nicht wahr haben will. „Welch unglückliches Wesen lehnt so dreist sein Glück ab“ möchte man Billy Brown ins Gesicht brüllen.

Und Billys Katharsis – der Moment totaler Erleuchtung? Er scheint  zuerst ein unbelehrbares Arschloch zu sein, dann wartet man als Zuseher auf den langsamen Eintritt  des obligatorisch charakterlichen Wandels, der wie üblich aufgrund einer tiefgreifenden Eingebung des Hauptprotagonisten zu geschehen hat. Wenn nicht, wird ihn wenigstens jemand mit Gewalt eines besseren belehren? Schon malt man sich aus wie sich Billy selbst in den Abgrund stößt, schließlich ist von diesem Ekelpaket nichts besseres zu erwarten. Gallo zieht bewusst den Hass und das Mitleid auf seine Figur, bis der Zuseher selbst nicht mehr weiter weiß wie mit ihr umzugehen ist. Man könnte durchaus behaupten, die Erleuchtung war schon immer da und kann in der Gewalt von Billys Launenhaftigkeit sogleich wieder verschwinden als ob sie nie da gewesen wäre. Es wäre nicht Vincent Gallo wenn seine tragische Figur, egal welche Entscheidung sie trifft, nicht tragisch bliebe. Das gescheiterte Arschloch wird nicht zu einer guten Seele. Deswegen bleibt die Aufgabe der Erkenntnisfähigkeit am Publikum hängen. Kommt das Publikum dieser Aufforderung nicht nach, vergällt es sich mit Sicherheit ein wunderbares Erlebnis.

Wenn so viel Verzweiflung  über den Mangel an Liebe vorherrscht, ist es dann vermessen zu sagen, es ist ein Liebesfilm? Nicht zwei Individuen die füreinander geschaffen, sondern füreinander zerstört wurden machen für mich BUFFALO 66 zu einem der schönsten Liebesfilme den ich jemals gesehen habe.

Fazit:
Christina Riccis messerscharfes Spiel kumuliert sich in bedrückende Präsenz, die der von Gallo in nichts nach steht. Auf ihre Art sind sie beide in Perfektion kaputte Sonderlinge. Die erschütternd drastische Ehrlichkeit aller Protagonisten verstört und begeistert zugleich. Alles was sonst über Gallos Regiedebüt zu sagen bleibt, erklärt sich in drei Worten: „Poesie des Alltags.“ Wie einst die Nouvelle Vague-Filmemacher ihr filmisches Prinzip zur Kunstform erhoben, manipuliert er in ihrer ästhetischen Tradition die trügerische Ordnung des banalen Alltags, um das unsichtbare Besondere an seinen Konturen augenscheinlich zu machen. BUFFALO 66 ist ein unglaublich eigensinniges Werk mit dem sich Gallo einen Titel als Auteur wahrhaftig verdient hat.

Wertung:
9/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 10/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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Krimi Drama
Liste von hans-dieter
Erstellt: 26.04.2015