The 11th Hour - 5 vor 12

OT: -  91 Minuten -  Dokumentation
The 11th Hour - 5 vor 12
Kinostart: 16.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The 11th Hour - 5 vor 12

Von am

Es ist 5 vor 12. Die globale Erwärmung steht schon vor unserer Tür, und während die Polkappen am Schmelzen sind, die Meeresspiegel steigen und die amerikanische Politik noch immer alles als eine Lüge verkauft, hat sich das Thema bereits zu einem "In-Thema" entwickelt. Man kann kaum noch den Fernseher einschalten, ohne über die globale Erwärmung informiert zu werden (Stichwort Pro 7), aber auch im Kino scheint Al Gores (der dieses Jahr mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde) aufklärende Doku Eine unbequeme Wahrheit, die letztes Jahr mit dem Oscar als Beste Doku ausgezeichnet wurde, hohe Wellen geschlagen zu haben. Und so meldet sich in diesem Jahr Leonardo di Caprio mit seiner Version zu Wort: The 11th Hour, oder Eine unbequeme Wahrheit 33 1/3.

Man kann diesem Film wirklich viel vorwerfen, aber mit Sicherheit nicht, dass er eine lieblos heruntergespulte Nummer ist. Das Leonardo di Caprio sehr am Thema Umweltschutz interessiert ist, und sich auch wirklich couragiert dafür einsetzt, konnte jeder erkennen, der die letzte Oscarverleihung gesehen hat. Man konnte ihm den Respekt, den er gegenüber Al Gore empfindet, deutlich ansehen, als die beiden gemeinsam auf der Bühne gestanden sind. Und auch ansonsten gibt sich The 11th Hour wirklich viel Mühe, um den Zuseher wachzurütteln. Das Problem ist nur, dass dieser Film absolut nichts Neues erzählt, und durch die teilweise naiven Ideen, sogar für so manchens Kopfschütteln sorgen wird. Gut gemeint ist eben nicht gut genug.

Stilistisch versucht sich The 11th Hour etwas von seinem großen Bruder, Eine unbequeme Wahrheit zu unterscheiden. Bei allem Lob, war Eine unbequeme Wahrheit nämlich auch kein makelloser Film. Das Probelm war einfach sein sehr filmuntypischer Charakter. Das Medium wurde kurz gesagt nicht voll ausgenützt, denn im Prinzip war der Film nur die abgefilmte Version eines Vortrags von Al Gore, und etwas angereichert mit den verschiedenen Stationen im Leben des Umweltschützers und ehemaligen Vize-Präsidenten der USA.

The 11th Hour will nun auch durch seine Bilder überzeugen können, und so baut der Film immer wieder Naturaufnahmen in das Geschehen ein. Dabei ist es mal eine Aufnahme von der Schönheit der Natur, die uns vor Augen halten soll, dass wird doch bitte auf diesen wunderbaren Planeten aufpassen mögen, und mal sind es abschreckende Bilder, die uns zeigen wohin unsere aktuelle Umweltpolitik hinführt. Alle Aufnahmen haben allerdings eines gemeinsam: Sie alle triefen nur so vor Pathos, und werden so manchen Zuseher, durch ihre plakative Erscheinung, zum Kopfschütteln bringen.

Es ist zwar schön und gut, wenn man versucht das Medium Film etwas mehr auszunutzen, aber das ansich seriös gemeinte Statement zum Thema Umweltschutz verträgt sich eben nicht mit reisserischen Aufnahmen. In seinem Kern ist The 11th Hour allerdings, genau wie Eine unbequeme Wahrheit, ein Film, der vor allem durch seine Inhalte glänzen will, und den Zuseher zu einem besseren Leben bekehren möchte. Das Problem ist nur, dass die vielen Expertenberichte, die uns die Lage der Welt schildern, absolut nichts Neues bieten, sondern im Wesentlichen nur das wiederholen, was uns Al Gore bereits in Eine unbequeme Wahrheit gesagt hat.

Ein großer Unterschiede zwischen den beiden ähnlichen Filmen, liegt allerdings in der Kraft des Erzählers. Ja, Eine unbequeme Wahrheit nützt das Medium Film nicht voll aus, aber der großartige Al Gore konnte vieles wieder ausgleichen. Mit viel Humor und Charme, tauchte er tief ins Publikum ein, konnte die Zuseher mitreissen, und sprach mit ihnen auf einer Ebene. Leonardo di Caprio als Erzähler, versucht stets ein bierernstes Gesicht zu wahren, und wirkt an vielen Stellen wie ein strenger Lehrer, der zu seinen Schülern predigt. So kann man natürlich niemanden vom Hocker reissen. Ein weiteres Manko findet sich in den Lösungsvorschlägen, die im letzten Drittel des Films von den Experten präsentiert werden. Diese erweisen sich nämlich als reichlich naiv und praxisfern, was das Interesse am Film nur noch weiter schwinden lässt.

Fazit:
The 11th Hour ist mit Sicherheit kein Film, der die globale Erwärmung als "In-Thema" missbraucht. Man kann den Machern und vor allem auch Leonardo di Caprio deutlich ansehen, dass sie an das glauben was sie sagen. Doch ein gut gemeinter Film hilft nicht viel wenn er mit so vielen Schwächen versehen ist: Mal versucht der Film ein seriöser Vortrag zu sein, und mal will er die Zuseher mit reisserischen Aufnahmen überzeugen. Gemeinsam haben all diese Bilder nur, dass sie absolut nicht Neues präsentieren, sondern nur das noch einmal wiederholen, was Al Gore im letzten Jahr bereits erzählt hat. Hinzu kommt eine gehörige Portion Naivität und Praxisferne, sodass der Großteil der Zuseher wohl nur noch entnervt den Kopf schütteln wird. Auch vom natürlichen Charme eines Al Gore ist nicht viel im Film übrig. Empfehlenswert bleibt der Film für alle, die absolut keine Vorstellung von der globalen Erwärmung haben, und für alle, die sich gerne wieder etwas Motivation zum Umweltschützen holen möchten. Alle anderen können sich den Film getrost sparen.

Wertung:
4/10 Punkte

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