Alphabet (2013)

OT: Alphabet - 109 Minuten - Dokumentation
Alphabet (2013)
Kinostart: 11.10.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Alphabet

Von am
„98% aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%.“

Erwin Wagenhofer schließt mit Alphabet seine 2005 begonnene Dokutrilogie mit einem Film über Bildung, einem Thema, das uns ebenso wie in den anderen zwei Teilen der Trilogie, zwar alle betrifft, über dessen Konzept wir uns jedoch im Alltag zu wenig und zu unkritisch auseinandersetzen. Nach We feed the world und Let’s make money soll uns also nun mithilfe von renommierten Bildungsexperten und -aussteigern das westliche Schulsystem und seine gravierenden Fehler vor Augen geführt werden.

Der Film beginnt und endet mit Aufnahmen von Death Valley in den USA, überlegt von der Stimme Sir Ken Robinsons, einem anerkannten Bildungsexperten, dessen Vorträge, unter anderem bei den TED Conferences, große Bekanntheit genießen. Fortgesetzt wird die Doku mit einem Einblick in das chinesische Bildungssystem, das Wagenhofer gemeinsam mit dem Koordinator der Pisastudien, Andreas Schleicher, besucht. Erfolgswahn und Konkurrenzkampf machen die chinesischen Kinder zwar zu den Spitzenreitern des Pisa-Tests, aber auch zu den suizidgefährdetsten Kindern der Welt, die unter dem enormen Druck zusammenbrechen. Die Reise durch die Bildungswelt führt uns weiter über Hirnforscher Gerald Hüther und Aussteiger Arno Stern und dessen Sohn André Stern. Letzterer hat nie eine Schule besucht, stattdessen hat ihn einzig seine Neugier dazu getrieben all das, was er weiß und kann, zu lernen, aus freien Stücken heraus und ohne Leistungsdruck, ohne dass es jemand von ihm abverlangt oder abfragt. Danach folgt eine Episode mit Pablo Pineda Ferrer, dem ersten Europäer mit Down-Syndrom, der ein Hochschulstudium genießen durfte.

Im Film wiederholt sich ein- und dieselbe Argumentationslinie immer wieder wie ein Mantra: die Schule zerstört unsere Kreativität, lähmt unsere Talente und produziert vorrangig gut angepasste, funktionierende und leistungsorientierte Sklaven. Dazu als quasi abschreckendes Beispiel der Wettbewerb um den CEO of the Future, der junge CEOS im Konkurrenzkampf zeigt: Die wichtigste Eigenschaft eines CEOs ist Leistungsorientiertheit- „alles Andere ist egal“, so ein Teilnehmer. Als krasses Gegenstück dazu Thomas Sattelberger, vormals Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Telekom AG und Kritiker ebendieses Systems, das Mitschuld trägt in der aktuellen Finanzkrise.

Der Film soll zum Nachdenken anregen und schafft es auch, jedoch vorrangig mit plakativen Argumenten und ohne Alternativen und Lösungsansätze vorzuschlagen. Durch die Perspektiven zum Thema, die präsentiert werden, sollen verschiedene Ansätze miteinander ins Gespräch kommen. Da haben wir auf der einen Seite das erfolggesteuerte China, auf der anderen den jungen Mann, der niemals in der Schule war, dessen Vater und Mutter, die, einstige Lehrer, aus dem Schulsystem ausgebrochen sind und nun nach Alternativen für die Kreativitätsförderung bei Kindern suchen; den Hochschulabsolventen mit Downsyndrom und nicht zuletzt den Schulabbrecher, der sich mit Ein-Euro-Jobs herumschlagen muss und kaum über Wasser halten kann.

Fazit:
Alphabet regt zum Nachdenken an und ist besonders für jene interessant, die sich erste kritische Impulse zum Thema Bildung und Schulweisen holen wollen. Lösungsansätze und Ideen werden hier nicht präsentiert, sondern Plakatives anhand verschiedener Stimmen immer wieder unterstrichen. Zu André Stern und Pablo Pineda Ferrer, die sich als lebende Beispiele für eine mögliche Bildung abseits der Institution Schule und entgegen aller Widerstände präsentieren, gibt es bereits Bücher und Filme, sie sind immer wieder hochgehaltene Paradebeispiele. Was man Wagenhofer aber zugute halten muss, ist sein Gespür fürs richtige Thema und den rechten Zeitpunkt dafür, denn gerade in Zeiten der Krise(n) heißt es umdenken, vor allem in Österreich, wo die marode Bildungspolitik so stark vernachlässigt wurde in den letzten Jahren.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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