Prisoners (2013)

OT: Prisoners - 153 Minuten - Krimi / Drama / Thriller
Prisoners (2013)
Kinostart: 11.10.2013
DVD-Start: 13.02.2014 - Blu-ray-Start: 13.02.2014
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Filmkritik zu Prisoners

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Nachdem Denis Villeneuve für seinen Film Die Frau die singt für einen Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, öffneten sich dem Kanadier die Tore Hollywoods und er trifft nun bereits mit seiner ersten US-Produktion voll ins Schwarze. Sein bedrückendes Thriller-Drama Prisoners wandert in den Spuren von David Finchers Zodiac und mutiert dank herausragender Darsteller und einer beeindruckenden Atmosphäre zu einem Kinoerlebnis der Extraklasse. Villeneuve nimmt sich viel Zeit und entwirft über eine Laufzeit von 153 Minuten ein fesselndes Geflecht an Charakteren, die gemeinsam mit dem Zuseher vor einigen schwierigen moralischen Fragen stehen.

Die in Nachbarschaft lebenden Familien Dover (Hugh Jackman + Maria Bello) und Birch (Terrence Howard + Viola Davis) verbindet eine Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird: Als ihre Töchter Anna Dover (Erin Gerasimovich) und Joy Birch (Kyla Drew Simmons) nach einem gemeinschaftlichen Familienabend nicht mehr auffindbar sind, macht sich bald Panik breit. Und dann erinnert sich Sohn Ralph (Dylan Minnette) plötzlich an einen verdächtig aussehnden Campingbus, der in der Nähe des Hauses geparkt hat und nun verschwunden ist. Es dauert auch nicht lange bis die Polizei unter der Leitung von Detective Loki (Jake Gyllenhaal) den Fahrer ausfindig macht - doch da man dem geistig zurückgebliebenen Alex Jones (Paul Dano) nichts nachweisen kann, muss man ihn wieder gehen lassen. Der verzweifelte Keller Dover, kann sich allerdings damit nicht anfreunden und will das Gesetz in die eigene Hand nehmen…

Prisoners. Der Titel könnte kaum treffender sein, denn gewisserweise ist in diesem kolossalen Thriller jeder ein Gefangener. Die beiden vermeintlich offensichtlichsten sind natürlich die beiden Töchter und in weiterer Folge deren vermuteter Entführer, der zum Gefangenen eines rachsüchtigen Vaters wird. Aber auch alle anderen Beteiligten sind Teile dieses Kreislaufs, denn eines der Hauptmotive des Films ist es zu zeigen, wie in Angesicht eines solchen Schicksalsschlages scheinbar alle zu Gefangenen der Angst werden und in Extremsituationen gedrängt werden. Und natürlich ist auch der Zuseher selbst ein Gefangener: Festgehalten von der Spannung und verloren in dem Puzzle in das uns Prisoners so geschickt verwickelt.

Denis Villeneuve gelingt dabei das Kunststück die verschiedenen Elemente des Genres wunderbar durchzumischen und auszubalancieren. Auf der einen Seite ist Prisoners ein klassischer Rätselthriller mit mäanderförmigen Wendungen und spannenden Twists. Der Film legt geschickt die Fährten aus und lädt uns ein uns mit auf Spurensuche zu begeben. Und auch wenn man über die Auflösung durchaus diskutieren kann, wird dem Zuseher doch mit der hammerharten letzten Einstellung des Films noch ein schöner Nierenschlag mit auf den Weg gegeben. Gleichzeitig beschränkt sich der Film aber nicht nur auf das Whodunit-Element, sondern gewinnt besonders durch die Charaktertiefe einiges an Qualität. Und zusätzlich verbirgt sich in der Haupthandlung auch noch eine recht epische Serienkillergeschichte, die ziemlich ungewöhnlich verarbeitet wird.

Besonders die moralische Ambivalenz und die subtile und vergleichsweise ruhige Art mit der Denis Villeneuve ans Werk geht, verstärken die Wirkung des Films enorm. Die Szenen zwischen Foltermeister Hugh Jackman und seinem geistig und körperlich hilflosem Opfer brennen sich tief ins Gedächtnis ein und doch macht es sich der Film nie einfach mit seiner Darstellung. Auch wenn man die Taten natürlich verurteilen muss, verfällt man doch nicht in ein klassisches gut-böse Modell sondern kann die Verzweilfungstat nachvollziehen. Und Prisoners macht auch nicht den Fehler die Selbstjustiz zu glorifizieren, sondern zeigt sie als einen für alle schmerzhaften und zerstörerischen Prozess. Und die besonnene und recht untypische Art wie Vielleneuve durch den Film gleitet, verpasst Prisoners zusätzlich das gewisse Etwas, das den Film noch weiter vom Mainstream abhebt.

Ebenfalls herausragend sind die durch die Bank grandiosen Darsteller. Angeführt von einem ausgezeichneten Hugh Jackman, der als gebrochener Vater vielleicht die eindrucksvollste Darbietung seiner Karriere abliefert, ist Prisoners ein Ensemblefilm der Extraklasse. Von Jackman, über Maria Bello, Terrence Howard, Viola Davis und Paul Dano hin zu Jake Gyllenhaal greifen alle Zahnräder perfekt ineinander. Abgesehen von der abschließenden Wendung des Films, die auf den ersten Blick wohl nicht ganz den aufgebauten Erwartungen standhalten kann, aber letzten Endes durchaus für eine rund entworfene Geschichte sorgt, und einigen kleinen Zufallselementen in der Handlung, ist Prisoners eigentlich ein ziemlich perfekter Thriller, der an David Finchers Zodiac erinnert und sicherlich zu den großen Highlights des Kinojahres zählt.

Fazit:
Denis Villeneuve ist mit seinem starbesetzten Hollywooddebüt Prisoners der große Wurf gelungen. Sein Film ist ein eindrucksvoller Thriller, ein bewegendes Melodram und eine packende Spurensuche, die zum Miträtseln einlädt. Der Film ist ungewöhnlich und spannend inszeniert, das Ensemble ist durch die Bank herausragend und die Atmosphäre des Films erzeugt einen einzigartigen Strudel, dem man sich nur schwer entziehen kann. Mit interessanten moralischen Zwickmühlen im Schlepptau und einer fesselnden Geschichte ausgestattet ist Prisoners zweifellos eines der großen Highlights des Kinojahres. Lediglich die finale Wendung der Geschichte hinterlässt auf den ersten Blick einen etwas schalen Nachgeschmack, aber das wird mit der hammerharten letzten Einstellung des Films wieder ausgeglichen.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.2/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 37
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