Die Legende von Beowulf

OT: -  114 Minuten -  Fantasy / Action
Die Legende von Beowulf
Kinostart: 16.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Legende von Beowulf

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Es muss ja Leute geben die sich opfern, um die Technologie einen Schritt weiter zu bringen. Scheinbar will Starregisseur Robert Zemeckis (Forrest Gump) einer dieser Vorreiter sein, und so hat er bereits seinen letzten Film Der Polarexpress mit einer neuen Performance-Capture Technik realisiert, mit der er seine Darsteller zunächst, in einen spezielle Anzug gehüllt und mit Sensoren bestückt, auf normale Weise filmte, und ihr Schauspiel schließlich im Computer in einen Animationsfilm integrierte. Das Neue an dieser Technologie ist, dass nicht nur die Körperbewegung, sondern auch das Schauspiel der Darsteller eingefangen wird, und ihr ist auch das glaubwürdige Verhalten von Gollum in Der Herr der Ringe zu verdanken.

Im Grunde genommen dient diese Technik nur einem Zweck: Man kann bei Animationsfilmen immer mehr beobachte, wie sich die Umgebung, selbst Wasserbewegungen und das Verhalten von Fell und Haaren, Schritt für Schritt weiter an das Prädikat Fotorealistisch annähert, aber eines hinkt bei Animationsfilmen immer noch hinterher: Der Mensch. Selbst beim überragenden Pixar-Meisterwerk Ratatouille glänzten die Menschen nicht gerade durch eine realistische Darstellung, und genau das ist der Punkt, wo die neue, von Zemeckis geförderte, Technik einsetzt.

Durch die genauen Bewegungsstudien von echten Schauspielern, die dann nahtlos auf die Animationsfigur übertragen werden können, in Kombination mit den großartigen und immer besser werdenden Texturen, lebendige und vor allem überzeugend spielende Animationsfiguren erschaffen werden, die noch dazu ihren realen Vorbildern wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Man braucht nun nicht sonderlich viel Fantasie zu besitzen um einige unglaublich interessante Anwendungsgebiete für diese Technik zu benennen: Was wäre wenn man die völlige Freiheit hätte mit den Schauspieler machen zu können was man will, ohne die Darsteller in Gefahr zu bringen, oder auch nur an physikalische Gesetze gebunden zu sein. Der Schauspieler haucht seinem digitalen Alter-Ego Leben ein, und der Rest kann im Computer gemacht werden. Es ist leicht vorstellbar, was diese technische Neuerung speziell dem Fantasy- und SciFi Film bringen würde.

Doch diese Anwengungsgebiete befinden sich noch in weit entfernter Zukunft, und es wäre eine glatte Lüge zu behaupten, dass Die Legende von Beowulf diesem Traumziel schon nahe gekommen wäre, aber man kann auch nicht abstreiten dass dieser Anwendungsbereich in den Köpfen der Filmemacher vorhanden ist. Robert Zemeckis ist nun einer der Regisseure, die sich opfern um die neue Technologie voranzubringen. Doch genauso wie es falsch wäre den Film in den Himmel zu loben, und zu behaupten, dass die Technik schon einem Spielfilm gleichkommt, wäre es auch falsch zu behaupten, dass es sich bei Die Legende von Beowulf nur um einen Pausenfüller handelt, der die Technologie promoten will. Dazu ist der Film nämlich viel zu spannend und unterhaltsam, und ausserdem muss ich erwähnen, dass ich noch nie animierte Menschen gesehen habe, die derart überzeugend gespielt haben.

König Hrothgar (Anthony Hopkins) und seine Untertanen werden von einem bestialischen Monster mit den Namen Grendel terrorisiert, das es aus irgendwelchen Gründen auf den König abgesehen hat, und nun eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Der legendäre, mächtige Krieger Beowulf (Ray Winstone) reist aus einem fernen Land an, um dem König seine Dienste anzubieten, und das Monster zu erschlagen. Nackt und ohne Waffen stellt er sich dem Ungetüm, und tötet es. Als die Mordserie jedoch nicht zu Ende geht, weiß der König auch schon woran es liegt: Grendels Mutter (Angelina Jolie) übt Rache für ihren Sohn, und als Beowulf loszieht um sie zu töten, macht er einen folgenschweren Fehler...

Das epische Heldengedicht Beowulf, gilt als eines der ältesten Werke in altenglischer Sprache, und ist mit seinen 3182 Versen eines der bekanntesten angelsächsischen Gedichte. Die Sage rund um Beowulf wurde zunächst lange Zeit mündlich überliefert, bis sie schließlich von Mönchen niedergeschrieben wurde. Regisseur Robert Zemeckis selbst zeigte zunächst nur wenig Interesse für das sperrige Gedicht, aber als er das geniale Drehbuch von Neil Gaiman (der auch die Vorlage zu Der Sternwanderer verfasste) und Roger Avary (der mit Quentin Tarantino das Drehbuch zu Pulp Fiction verfasste, und dafür mit einem Oscar ausgezeichnet wurde) in die Finger bekam, gab es für ihn kein halten mehr.

Als weiterer Clou zum eingesetzten Performance-Capture Verfahren, wird der Film auch in 3-D in unsere Kinos kommen. In Österreich werden die Cineplexx Kinos Reichsbrücke, Wienerberg, Linz, Graz, Salzburg City, Inssbruck und Hohenems die 3-D Version des Films spielen, und jeder Kinofan, der irgendwie die Möglichkeit hat eines dieser Kinos aufzusuchen, sollte sich nicht die einzigartige Erfahrung eines 3-D Screenings von Die Legende von Beowulf entgehen lassen. Ich mache zwar nur ungern (unbezahlte) Werbung für ein spezielles Kino, aber diese zukunftsorientierte Sichtweise der Cineplexx Kette sollte auch unterstützt werden. Denn nach dieser beeindruckenden Pressevorstellung in 3-D, die dem Zuseher wirklich das Gefühl gibt mittendrin zu sein, bin ich nicht nur davon überzeugt, dass dem 3-D Kino die Zukunft gehören wird, ich habe auch absolut keine Lust mehr den Film im normalen Format zu sehen.

Doch die jenigen die nicht die Möglichkeit haben in ein 3-D Kino zu pilgern sollen auch nicht allzu sehr enttäuscht sein. Gerade wenn man den Vergleich mit der 3-D Erfahrung nicht hat, wird der Film auch in einem normalen Kino überzeugend sein. Die Legende von Beowulf ist nämlich keiner dieser klassischen 3-D Promofilme, die nur von ihren 3-D Effekten leben, er funktioniert auch als Film überaus gut. Fantasyfans werden sicher auf ihre Kosten kommen, denn obwohl Die Legende von Beowulf nicht das Heldenepos in Braveheart Format ist, dass ich mir gewünscht hätte, überzeugt der Film dennoch durch seine toll inszenierte Action und vor allem durch seine Kurzweiligkeit, und das stimmige Ambiente.

Prinzipiell ist der Film nach einem klassischen drei Akte Muster aufgebaut. Am Beginn steht, neben der Einführung der Charaktere, vor allem die Auseinandersetzung mit Grendel. Bereits hier punktet der Film durch einige sehr stimmige Actionszenen, und kann vor allem auch durch eine sehr sympathische Einführung in die Umgebung glänzen. Der zweite Akt spielt dann nach der "Einigung" von Beowulf mit Grendels Mutter, und ist der mit Abstand ruhigste Part des Films, der sich sehr den Charakteren zuwendet, und einen alternden Beowulf zeigt. Am Ende holt der Film dann noch einmal alles aus sich heraus, und zeigt den Kampf eines zwar schwächeren, aber nicht minder entschlossenen Beowulf, gegen einen Drachen. Besonders die Action im letzten Part, ist durch die sehr stimmigen Effekte, vor allem in 3-D, ein wahrer Augenschmaus.

Auch die Darsteller kann man für ihre Rollen nicht genug loben. Besonderns zwei stechen dabei aus dem Ensemble heraus: Zum einen ist dies Ray Winstone, der seinem Beowulf genau das nötige Format gibt, und zum anderen ist dies Angelina Jolie, die ihrer Dämonin eine derart prickelnde erotische Ausstrahlung gibt, dass es durchaus verständlich ist, dass sie selbst einen standhaften Helden wie Beowulf hinters Licht führt. Mit ihrem schlangenhaften Auftreten, und der lasziv betonenden Ausstrahlung macht sie jedenfalls alles richtig, und hat nur das Problem, dass sie zu wenig Screen-Time bekommt. Natürlich sollte jedem klar sein, dass man bei einem Helden wie Beowulf nicht mit realistischen Erwartungen ins Kino gehen sollte. Beowulf wird als Übermensch gezeichnet, der selbstredend Dinge tun kann, die eben sehr dem Sagenschema entsprechen, und die passend zur Fantasygeschichte präsentiert werden.

Dem eingesetzten Performance-Capture Verfahren ist es auch zu verdanken, dass die Schauspieler glaubhaft wirken, was sich vor allem in ihren Augen widerspiegelt. Allerdings muss man auch erwähnen, dass sich diese Technik noch in der Entwicklung befindet, und dass noch einiges daran verbessert werden muss. So sehen die Gesichter zwar ihrem menschlichen Pedant durchaus ähnlich, aber man muss noch einige Arbeit hinein stecken um wirklich sagen zu können, dass diese Gesichter lebendig und menschlich sind. Auch einige Animationen wirken leicht hölprig, was besonder bei Reitszenen auffällig ist.

Die Legende von Beowulf ist sicher kein Film, der jedem gefallen wird. Wer diese Art der Animation, die sich in Zukunft garantiert noch weiter verbessern wird, nicht mag, der wird wohl auch keinen Zugang zum Film finden. Für alle die sich allerdings darauf einlassen, wird speziell in der 3-D Fassung so einiges geboten. Die Legende von Beowulf ist ein blutiges, teilweise brutales und mit Schlüpfrigkeiten versehenes Fantasy-Actionspektakel, das wirklich viel Spaß macht. Zwar ist es kein Epos für die Ewigkeit geworden, aber für einen kurzweiligen Abend ist definitiv gesorgt. Wer übrigens die Gelegenheit hat den Film in 3-D zu bewundern, darf sich zu den 7 Punkten noch einen draufschlagen, aber die Mehrheit der Kinogänger wird wohl auf diesen Genuss verzichten müssen. Und das ist insofern schade, da der Film vor allem in 3-D ein einzigartiges Erlebnis ist.

Fazit:
Die Legende von Beowulf ist ein sehr schön inszenierter, und vor allem sehr rasanter Fantasy-Actionfilm, bei dem Freunde des Genres mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen werden. Robert Zemeckis verbessert seine, bereits beim Polarexpress eingesetzte, Performance-Capture Technologie, und bringt den Film auch in 3-D in die Kinos. Besonders diese Fassung ist einen Blick wert, fühlt man sich als Zuseher doch gleich viel mehr in das Geschehen integriert, und erlebt mit Sicherheit ein ezigartiges Kinoerlebnis. 7 Punkte gibt es weil die Mehrheit der Menschen wohl auf den 3-D Genuss verzichten müssen, aber jeder der die Chance hat diesen Film in 3-D zu sehen, sollte sie unbedingt nutzen - und darf sich auch noch einen Punkt auf die Wertung draufschlagen.

Wertung:
7/10 Punkte

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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013