La danza de la realidad (2013)

OT: La danza de la realidad - 130 Minuten - Biographie
La danza de la realidad (2013)
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu La danza de la realidad

Die Sehgewohnheiten des heutigen Durchschnittkinogängers sind sehr vom Hollywoodkino beeinflusst. Die Mainstreamfilme der Traumfabrik bieten eine gleich strukturierte Handlung. Darüber hinaus wird zwischen gut und böse unterschieden. Betrachtet man die Oberfläche, so herrscht der Schönheitswahn über die Darstellung des menschlichen Aussehens. Zudem gibt es Grenzen bei der Visualisierung von Sexualität. Abseits vom Mainstreamkino lebt das Independentkino, selbst wenn es immer schwieriger wird einen Film dieser Art zu finanzieren, finden sich mutige Produzenten und Regisseure, die gewollt sind diese Grenzen aufzubrechen.

Dennoch sind auch die Regisseure dieser Filme in ihrer Machart eingeschränkt. Wirft man hier einen Blick auf das europäische Kino, so fühlt man sich in gewisser Hinsicht befreit. Beispielsweise präsentierte uns Leos Carax in Holy Motors (2012) zahlreiche stigmatisierende Bilder, die so nicht im US-Kino vorgefunden werden können. Auch Abdellatif Kechiche zeigte in seinem Lesben-Drama Blue ist the Warmest Color (2013) mehrere sehr lang anhaltende, intensive sowie hüllenlose Sexszenen und prägte sich damit in das Gedächtnis der Festival Jury in Cannes ein, sodass er für seinen Film gemeinsam mit den zwei Hauptdarstellerinnen die Goldene Palme erhielt.

Nun knüpft Alejandro Jodorowsky (El Topo, 1970; Montana Sacra – Der heilige Berg, 1973) nach einer 23-jährigen Schaffenspause an dieses befreiende Kino an und veranschaulicht ähnlich wie Leos Carax in Holy Motors viele surreale Bilder, weigert sich darüber hinaus eine Hauptfigur in den Fokus zu stellen. Dagegen lässt er seine Nebenfigur zur Hauptfigur werden und irritiert damit seinen Zuschauer. Daraufhin durchlebt diese Figur die typische Charakterwandlung Hollywoods. Schließlich soll der Betrachter des Films seinen Horizont erweitern und das ist nur möglich, sobald Grenzen gebrochen werden. Doch zuerst steht eine altbekannte Geschichte im Zentrum.

1929 - der kleine Alejandro (Jeremias Herskovits) trägt lange blonde Locken. Sein Vater Jaime (Brontis Jodorowsky) ist jedoch strikt dagegen. Er möchte nicht, dass sein Sohn aussieht wie ein Mädchen, schließlich soll er stark wie ein Mann werden. Im Kontrast dazu steht Alejandros Mutter Sara (Pamela Flores). Die Haare ihres Sohnes erinnern sie an die Locken ihres Vaters. Aus diesem Grund soll ihr Sohn weiterhin diese Frisur tragen. Der strenge Jaime gibt aber keine Achtung auf die Meinung seiner Frau und beginnt aufgrund dessen seinen Sohn Alejandro mit harten Mitteln zu erziehen. Ferner ist Jaime damit beschäftigt seine Stellung als Vertreter des wohlhabenden Bürgertums zu halten und kämpft damit gegen aufstrebende Proletarier und Kriegsopfer, die gegen die Verachtung, welche sie vom Bürgertum erhalten, demonstrieren…

La Danza de la Realidad ist ein autobiografisches Werk und erzählt in der ersten Hälfte des Vater-Sohn-Konflikts die Kindheit des jungen Alejandro. Der Filmemacher hat auch absichtlich seinen eigenen Sohn die Rolle seines Vaters spielen lassen, um das autobiographische Element im Film zu unterstreichen. Jodorowsky belässt es allerdings nicht dabei und geht im Anschluss dazu fiktive Wege. Oberflächlich betrachtet erzählt der Film einen typischen Vater-Sohn-Konflikt. Diese klischeehafte Beziehung wird aber durch Jodorowsky aufgebrochen, indem aus der Nebenfigur und damit aus dem strikten und konservativen Vater überraschenderweise eine Figur wird, welche sich im Verlauf des Films weiterentwickelt und sich demzufolge von seinen inneren Zwängen befreit. Diese Befreiung wird mithilfe von zahlreichen surrealen Bildern skizziert und prägt sich dadurch in das Gedächtnis des Zusehers ein. Daraufhin überträgt sich diese „innere Befreiung“ auch auf den Zuschauer selbst.

Die „Befreiung“ wird durch den Tanz der Realität ausgelöst. Zum Beispiel scheut der Drehbuchautor und Regisseur nicht davor zurück seine Darsteller völlig nackt durch die Gegend gehen oder laufen zu lassen und sie beim urinieren zu zeigen, manchmal auf ein Radio, welches über die Wirtschaftskrise berichtet oder manchmal sogar auf den eigenen Ehemann. Diese Bilder sind Teil des eigenartigen Humors des Filmemachers. Diesen Humor findet man darüber hinaus auch in den Taten eines kleinwüchsigen Mannes wieder, der beispielsweise ein Plüschdollerzeichen auspeitscht und damit die Preiserhöhung stoppen möchte. Damit verwendet Jodorowsky auch Elemente aus seinem Film Montana Sagra – Der heilige Berg. Denn auch in diesem Film trug ein kleinwüchsiger Mann eine tragende Funktion.

Des Weiteren wird der Tanz der Realität nicht nur mit surrealen Bildern skizziert. Die Ausdrucksform der weiblichen Hauptperson, also der Mutter des jungen Alejandro, weicht von der Ausdrucksform der anderen Figuren ab. Sara singt alles was sie zu sagen hat. Damit bricht Jodorowsky eine weitere Regel: er vermischt einfach das Musical mit einem Familiendrama und spricht darin noch hochaktuelle Themen an, die er mit viel Humor an den Mann bringt.

Fazit:
Alejandro Jodorowskys La Danza de la Realidad ist ein befreiender, filmischer Tanz durch die Realität. Der Filmemacher bricht in seinem Film, wie üblich, zahlreiche Grenzen des Hollywoodkinos und erweitert mithilfe vieler surrealer Bilder erfolgreich den filmischen Horizont seines Zusehers. Dabei muss jedoch gesagt werden, dass Zuschauer, die viel zu sehr an die Filmstruktur und Filmästhetik von Hollywood festhalten, hier keinen großen Gefallen finden werden. Zuseher, die ihren filmischen Horizont jedoch erweitern möchten, können sich getrost diesen Film ansehen.

Wertung:
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