The Bling Ring (2013)

OT: The Bling Ring - 90 Minuten - Krimi / Drama
The Bling Ring (2013)
Kinostart: 15.08.2013
DVD-Start: 19.12.2013 - Blu-ray-Start: 19.12.2013
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Filmkritik zu The Bling Ring

Von am
Alle die Emma Watson nur (oder am liebsten) unter dem Namen Hermione Granger kennen, kriegen nach diesem Film die volle Breitseite verpasst. Ob Emma das Andenken an ihre liebreizendste Rolle in ihrer noch sehr jungen Karriere bewusst durch den Häcksler jagte, sei mal dahingestellt. Die Antwort findet sich vermutlich in den unzähligen Interviews, die sie zu diesem Film gab und mich keines von denen wirklich interessierte. Also gehe ich einfach davon aus, dass sie eine bessere Rolle angenommen hätte, als ein reales Beispiel von einer verzogenen Göre wohlhabender Eltern zu spielen.  

Immerhin machte Emma das Beste daraus und immerhin führt Sofia Coppola Regie und sie kann – als etablierte und selbsttreue Autorenfilmerin – definitiv was. Ein kleines Problem macht sich dennoch im Vorfeld breit, bevor man überhaupt den Trailer zu sehen bekommen hat. Die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, handelt von Menschen, derer wir aufgrund diverser Selbstausbeutungsformaten im Fernsehen längst überdrüssig geworden sind. In diesem Fall sind homogen dynamisierte Jugendgruppen mit einem außerordentlichen Talent für Stylefragen gemeint. Sie sind jung, hip, angesagt, mit einer Aufmerksamkeitsspanne eines Demenzpatienten im fortgeschrittenen Stadium ausgestattet und für Außenstehende  potentiell erwünschte Opfer eines möglichen Amoklaufs. (Auf diese Aussage komme ich noch mal im Fazit zurück)

Leider gehören sie nicht zu LA`s  High Society, der Creme de la Creme des Homo Sapiens. Die Eltern mögen übermäßig wohlhabend sein aber nicht so reich, dass sie nicht merken würden, wie viel Geld an ihre oberflächlichen Evolutionsbremsen verloren geht. Des weiteren fehlt neben dem absoluten Reichtum das Berühmtsein. In Los Angeles muss für die Upper-Class Kiddies die Tatsache, nicht zur geschlossenen Gesellschaft Hollywoods zu gehören, schlimmer sein als die Angst in South Central zu landen – LA`s ärmstes Viertel. Letzteres ist in den Staaten weitaus wahrscheinlicher. So entscheiden sich die Jugendlichen: wenn sie schon nicht ein Teil dieser Welt sein dürfen, dann wollen sie wenigstens darin einbrechen und das Teuerste davon mitgehen lassen.

Wie nähert sich Sofia Coppola einer Jugendkultur, die schon aus einer großen Entfernung so schrill, laut und so unerträglich beschissene Wertvorstellungen hat, dass man nicht einmal mehr wagt sie für menschlich zu halten? Gleich im Voraus sei Coppola ein Kompliment auszusprechen. Sie versuchte in keinem Moment um der narrativen Qualität Willens aus diesen Jugendlichen mehr zu machen als sie sind, noch lag ihr weniger daran zu ihrem Vorteil ein übertrieben stereotypes Bild zu exponieren, was bei dieser Regisseurin auch kaum zu vermuten war.

THE BLING RING ist keine Sozialstudie – insofern  ist die Entscheidung, ihnen jegliche Tiefgründigkeit zu verweigern ein guter Ansatz, um nicht die vorgegeben Richtung aus den Augen zu verlieren. Jeder Versuch, die Junghedonisten nur für einen Augenblick zu Sympathieträgern zu machen, hätte sie ihrer Glaubwürdigkeit gelebter Ignoranz und fassadenhafter Selbstdarstellung beraubt. Coppola erkannte deren Natur und ging ein großes Risiko ein, in dem sie die unangenehme Verhaltensweise ihrer Protagonisten dezidiert und dennoch in ihrer bekannt subtilen Weise an die Leinwand brachte. Ob es das Risiko wert war? Bedauerlicherweise nicht. Zwar gelang Coppola das Experiment aber die Frage, wieso sie dieses Ereignis überhaupt verfilmen musste, bleibt.

Die Räubertruppe um Rebecca (Katie Chang) und Marc (Israel Broussard) ist darstellerisch sehr ausgeglichen. Ganz nach Coppolas Vorstellung eines sterilen und auf Materialismus basierenden Weltbildes. Nichts ist wichtig, nichts spielt eine Rolle, niemand fällt durch Authentizität auf. Nur das, wie die Gesellschaft auf die Erscheinung der eigenen Hülle reagiert, ist von Bedeutung. Trotzdem agiert die Gruppe teilweise mit einer widersprüchlichen Ruhe. Das Schrille und das Laute ist oft nur unter vorgehaltener Hand angedeutet. Offensichtlich hat Coppola deren Spiel auf ihre eigene Handschrift herunterstilisiert.

Fazit:
THE BLING RING ist ganz okay. Bedenkt man wie schlimm er hätte werden können, ist er sogar gut. Und dennoch sind diese Jugendlichen da, die beim Anblick von Paris Hiltons begehbarem Kleiderschrank alle 30 Sekunden ein, zwischen konstanter Langeweile und kurzlebiger Begeisterung, „Oh My God“ absondern. Der Wunsch, dass die Szenerie von Frank und Roxy aus dem Film GOD BLESS AMERICA gestürmt und mit Waffengewalt zum Schweigen gebracht wird, ist fast allgegenwärtig. Coppola wollte unvoreingenommen an ein Thema herangehen, das seine eigenen Klischees am laufenden Band produziert. Der Erfolg dieses Unterfangens lenkt aber nicht von der Tatsache ab, wie ermüdend diese Menschen sein können.

Basagic Igor

Wertung:
5/10 Punkte
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