Viel Lärm um nichts (2012)

OT: Much Ado About Nothing - 109 Minuten - Komödie / Drama / Romantik
Viel Lärm um nichts (2012)
Kinostart: 10.10.2014
DVD-Start: 28.11.2014 - Blu-ray-Start: 28.11.2014
Will ich sehen
Liste
19257
Bewerten:

Filmkritik zu Viel Lärm um nichts

Joss Whedon hat für die Film- und Fernsehindustrie bereits vieles geleistet. Beispielsweise steckt er hinter den TV-Serien Buffy – Im Bann der Dämonen und Angel – Jäger der Finsternis, hat ferner das Drehbuch der Filme Toy Story (1995) und The Cabin in the Woods (2012) verfasst und ist darüber hinaus unter anderem für Marvel’s The Avengers (2012), dem dritt erfolgreichsten Film aller Zeiten, verantwortlich. Whedon arbeitet momentan zwar an zahlreichen anderen Marvel-Projekten und mischt damit im Mainstream-Bereich kräftig mit, hat aber trotzdem währenddessen die Zeit gefunden den Film Much Ado About Nothing (dt. Viel Lärm um Nichts) und demzufolge eine Shakespeare Adaption auf die große Leinwand zu bringen. Überraschend ist hierbei, dass Whedon, der in Marvel’s The Avengers mit viel CGI-Effekten um sich geworfen hat, Much Ado About Nothing in schwarz-weiß und mit den Original-Shakespeare-Dialogen gedreht hat. Komisch nur, dass sich die Handlung dann im heutigen Los Angeles abspielt. Im Mittelpunkt stehen weiters erneut die Paare Benedick und Beatrice sowie Claudio und Hero.

Leonato (Clark Gregg), der Gouverneur von Messina und Vater von Hero (Jilian Morgese), lädt zahlreiche Gäste in sein Haus ein. Darunter befinden sich Don Pedro (Reed Diamond), Claudio (Fran Kranz) und Benedick (Alexis Denisof). Es dauert nicht lange und Benedick trifft auf Beatrice (Amy Acker), Leonatos Nichte, sodass bissige Wortgefechte zwischen den beiden entstehen. Da Don Pedro, Claudio und Leonato gelangweilt sind, setzen sie sich ein Ziel in den Kopf: Beatrice und Benedick zu verkuppeln. Des Weiteren verliebt sich Claudio in Hero und hält um ihre Hand an. Die Hochzeit soll in einer Woche stattfinden. Allerdings sind nicht alle darüber erfreut. Don John (Sean Maher) möchte die Familienfeier verhindern und schmiedet mit seinem Anhänger Borachio (Spencer Treat Clark) einen teuflischen Plan…

Joss Whedon hat Shakespeares Viel Lärm um Nichts größtenteils unverändert übernommen. Um das Stück in die heutige Zeit zu versetzen, hat er beispielsweise die Figur Conrade auf eine Frau übertragen und aus dem Anhänger von Don John eine Geliebte des Bösewichten gemacht. Weiterhin hat er die Beziehung zwischen Beatrice und Benedick uminterpretiert. Infolgedessen waren die beiden bereits ein Paar und sollen nun (wieder) zusammengebracht werden. Diese Neuinterpretation ändert jedoch nicht viel am bekannten Stück Shakespeares. Lediglich erklärt eine Szene direkt zu Beginn des Films diese neue Tatsache. Eine Aussage von Beatrice, welche auch ohne die neue Szene in diese Richtung interpretiert werden konnte, ist somit die Verbindung zu dieser neuen Anfangsszene. Die Neuinterpretation wird jedoch nur aufmerksamen Kennern des Originaltexts auffallen. Der Rest wird nicht viel mit der ersten Filmszene anfangen können.

Ansonsten erinnert die Herangehensweise, welche Joss Whedon hier gewählt hat, also den Film in der heutigen Zeit zu drehen und trotzdem die Original-Dialoge zu verwenden, sehr an Baz Luhrmanns William Shakespeares Romeo & Julia (1996). Shakespeares Much Ado About Nothing ist zwar größtenteils in Prosa geschrieben, beinhaltet aber auch zahlreiche Verse, welche im Film von Whedon an eine alte Zeit erinnern. Das schwarz-weiß Bild bekräftigt dieses Gefühl und ruft Nostalgie beim Zuseher hervor. Auch der Slapstick-Humor, der besonders in den Szenen mit Beatrice und / oder Benedick verwendet werden, appelliert an die Liebeskomödien aus der „guten alten Hollywoodzeit“. Amy Acker und Alexis Denisof, die bereits gemeinsam in Angel – Jäger der Finsternis vor der Kamera zu sehen waren, leisten hier Großes und verzaubern den Zuschauer mit ihrer Chemie.

Die Szenen zwischen Benedick und Beatrice stechen aus diesem Grund heraus und bilden die Höhepunkte des Films. Im Kontrast dazu steht der ausgewählte Zeitpunkt des Handlungsablaufs. Die Geschichte, die im 16. Jahrhundert geschrieben wurde, spielt sich im 21. Jahrhundert ab. Aufgrund dessen kristallisiert sich ein Paradoxon heraus, das als Störfall wie ein großer Mantel über den ganzen Film liegt. Es ist also nicht glaubwürdig (Vorsicht es folgen SPOILER - wer den Shakespeare Text nicht kennt, sollte erst beim Fazit weiter lesen), wenn sich in der heutigen Zeit ein Mann (Claudio) in eine Frau (Hero) auf den ersten Blick verliebt und noch am gleichen Tag um ihre Hand anhält, die Frau (Hero) und ihr Vater (Leonato) dann einwilligen und die Hochzeit im Anschluss dazu innerhalb einer Woche über die Bühne geht. Auch der vorgetäuschte Selbstmord und das plötzliche Wiedererscheinen von Hero, sowie die Abwicklung der Intrige, welche Don John und Borachio schmieden, erscheinen in unserer Zeit als unglaubwürdige und naive Handlungsstränge.

Ersichtlich ist, dass Joss Whedon mit dieser Herangehensweise nostalgische Gefühle beim Rezipienten wachrütteln möchte. Allerdings hat er hier die Umkehrrechnung vergessen, und begibt sich demnach mit dieser Kombination auf den gefährlichen Wegen der Anfechtung. Auch wenn man versucht die gewählte Herangehensweise schön zu reden ist beispielsweise ein Smartphone in einem Film, in welchem die Frauen ihre Männer mit „My Lord“ ansprechen, völlig fehl am Platz. Genauso wie die Geschichte zwischen Beatrice und Benedick für das 21. Jahrhundert uminterpretiert wurde, so hätte auch der Rest mit minimalen Veränderungen besser funktioniert. Da hilft auch leider kein witziger und charmanter Nathan Fillion mehr, der als Dogberry in den unpassendsten Momenten das Wort „Ass“ in die Runde wirft.

Fazit:
Marvel’s The Avengers-Schöpfer Joss Whedon adaptiert nach seinem Marvel-Kollegen Kenneth Branagh (Thor 2011) das Stück Much Ado About Nothing (dt. Viel Lärm um Nichts) erneut für die Leinwand und wählt dafür eine paradoxe Herangehensweise. Dem Filmemacher gelingt es schließlich nur partiell eine richtige Mischung zwischen alt und neu zu finden. Vor diesem Hintergrund funktionieren zahlreiche Szenen nicht wie vorgesehen. Die Liebesgeschichte zwischen Benedick und Beatrice, welche das Herzstück des Films darstellt, ist glücklicherweise davon ausgeschlossen. Somit hält der Schwarz-Weiß-Film noch einige kurzweilige Momente für seinen Zuschauer bereit und wird sicherlich bei Fans alter und anspruchsloser Liebesfilme mehr Anklang finden, als bei Zusehern, die ein genaues Auge auf das filmische Gesamtwerk richten.

Wertung:
6/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
100%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!