Der Dieb der Worte (2012)

OT: The Words - 102 Minuten - Drama / Mystery / Romantik
Der Dieb der Worte (2012)
Kinostart: 19.07.2013
DVD-Start: 18.10.2013 - Blu-ray-Start: 18.10.2013
Will ich sehen
Liste
19239
Bewerten:

Filmkritik zu Der Dieb der Worte

Von am
Manchmal kommt das, was man wirklich sagen möchte auf dem Papier einfach nicht so rüber, wie man es eigentlich meint. Manchmal wollen sich die Worte einfach nicht so formen lassen, wie man es als Autor gerne hätte. Ein Problem, das die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Brian Klugman und Lee Sternthal nur zu gut kennen dürften. 13 Jahre haben sie gemeinsam am Drehbuch zu Der Dieb der Worte getüftelt, bis ihre Worte es schließlich auf die große Leinwand schafften.

Nach einer langen Durststrecke als mittelmäßiger Schriftsteller, landet Rory Jansen (Bradley Cooper) den lang ersehnten Treffer. Sowohl Kritiker als auch Leser sind begeistert, sein Roman wird als literarischer Meilenstein gefeiert. Die Sache hat nur einen Haken – es sind nicht seine Worte. Auf dem Höhepunkt von Rorys Erfolg, begegnet ihm ein alter Mann (Jeremy Irons), der ihn mit den Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Was jedoch keinem der beiden bewusst ist: sie selbst sind nur Figuren in einem Bestseller des gefeierten Literaten Clay Hammond (Dennis Quaid).

Das eingespielte Regie-Autoren-Duo gliedert die Handlung in drei Erzählebenen. Es beginnt mit dem erfolgreichen Schriftsteller Clay Hammond, der auf einer Buchpräsentation seinen jüngst erschienen Roman vorstellt. Die zweite Ebene erzählt die Geschehnisse dieses Romans um Rory Janson, dessen Erlebnisse und persönlichen Sinnkrisen. In weiterer Folge kommt es dann zur Geschichte in der Geschichte, als Rory auf den alten Mann trifft. Die dritte Ebene erzählt über sein Schicksal und wie es dazu kam, dass er das Buch geschrieben hat.

Der Kniff des gesamten Filmes ist vor allem der, dass sich die Geschichte zu Beginn mehr und mehr vertieft. Der Zuseher erfährt mehr über die Charaktere und taucht von einer Erzählebene in die nächste ein. Dieses Eintauchen passiert stetig und nähert sich in langsamen Bildern dem eigentlichen Kern der Handlung. Eine langsame Kameraführung untermalt den zumeist ruhevollen Erzählstil. In den Händen von Antonio Calvache bewegt sich die Kamera in vielen Momenten zurückhaltend, ja fast in höflicher Distanz, um die Figuren und ihre Gefühlswelt sprechen zu lassen. Gegen Ende des Filmes verlagert sich der Fokus jedoch wieder zurück, wodurch offenbart wird, dass der eine oder andere Charakter nicht notwendigerweise der zu sein scheint, der er ist.

Der Dieb der Worte ist vor allem aber eine Geschichte über drei Männer, die mehr gemeinsam haben als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Es ist ein Film über das Leben. Darüber, welche Entscheidungen wir treffen, welche Ambitionen und Ziele wir haben und was wir bereit sind dafür zu tun. Sowohl Clay als auch Rory und der alte Mann hatten bestimmte Vorstellungen davon, wie ihr Leben sein sollte. Allein, die Entscheidungen, die sie dafür trafen, hatten unangenehme Konsequenzen. Und es sind diese Konsequenzen, die Fehler, die wir in unserem Leben machen, mit denen wir leben müssen und die uns zu dem machen was und wer wir sind. Ein geeigneter Film also für das Sundance Film Festival, bei dem Der Dieb der Worte im Jahr 2012 teilnahm. Ein Film, der ohne große Actionszenen und Visual Effects auskommt und auf das klassische Hollywood Happy End verzichtet. Stattdessen werden Fragen aufgeworfen, die unbeantwortet bleiben und die jeder Einzelne für sich selbst beantworten kann.

Am Ende sei dennoch auf einen Nachteil hingewiesen, den Filme mit sich bringen, die auf verschiedenen Erzählebenen operieren. Denn sie laufen Gefahr, einige Figuren zu sehr in den Hintergrund zu rücken oder manche Erzählstränge zu sehr zu vernachlässigen. Und genau das ist hier einer der großen Schwachpunkte. Die weiblichen Charaktere (Zoe Saldana, Olivia Wilde und die noch recht unbekannte Französin Nora Arnezeder) bleiben großteils nur schönes Beiwerk und die Erzählebene um Clay Hammond bleibt oberflächlich, sodass sie geradezu unvollendet, ja beinahe unnötig erscheint.

Fazit:
Klugman und Sternthals Der Dieb der Worte ist im Wesentlichen das, was der Zuschauer daraus macht. Der Film lässt einige Fragen und Hintergründe unbeleuchtet und überlässt es dem Publikum mitzudenken und selbst zu interpretieren. Wer sich also lieber berieseln lassen möchte und unterhalten werden will, ist mit diesem Film mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch beraten. Sich allein von einer ansprechenden Besetzungsliste anlocken zu lassen ist in diesem Fall - trotz zufriedenstellender Darstellungen - eher keine gute Idee.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
67%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
33%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Immigrant (2013)
Inherent Vice - Natürliche Mängel (2014)
Neustart in Genua (2008)
Crimson Peak (2015)
Saphirblau (2014)
Alles, was wir geben mussten (2010)
The Best Offer - Das höchste Gebot (2013)
No Way Out - Es gibt kein Zurück (1987)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von celinaah
Erstellt: 24.12.2015
Alle Listen anzeigen