Das Glück der großen Dinge (2012)

OT: What Maisie Knew - 99 Minuten - Drama
Das Glück der großen Dinge (2012)
Kinostart: 12.07.2013
DVD-Start: 21.11.2013 - Blu-ray-Start: 21.11.2013
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Filmkritik zu Das Glück der großen Dinge

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Nach dem Erfolg des ungewöhnlichen Familiendramas The Kids Are All Right kommt der zweite Familienfilm der Produzenten mit dem Titel What Maisie Knew, zu Deutsch Das Glück der großen Dinge, nach einem Roman von Henry James in die Kinos. Die literarische Vorlage What Maisie Knew handelt von einer dysfunktionalen Familie, die sich im Angesicht einer Scheidung auflöst und von einem Elternpaar, das ohne Rücksicht auf ihre Tochter um das Sorgerecht streitet. Das Regisseurduo Scott McGehee und David Siegel verlegt die Handlung ins New York der Jetztzeit um die Probleme heutiger Erziehung und des modernen Familienlebens aufzuzeigen.

Die Rockikone Susanna (Julianne Moore) und der erfolgreiche Kunsthändler Beale (Steve Coogan) waren einmal ein glückliches Paar, nun befinden sie sich mitten im Scheidungs- und Sorgerechtskrieg, den sie ohne Rücksicht auf ihre kleine sechsjährige Tochter Maisie (Onata Aprile) führen. Tagaus, tagein ist Maisie mit den Problemen der Erwachsenen konfrontiert und steht zwischen den Fronten. Als dann auch noch ihr Vater zu allem Überfluss ihre Babysitterin Margo (Joanna Vanderham) heiratet und die Mutter aus Rache den jungen Barmann Lincoln (Alexander Skarsgård), ist die Verwirrung vollkommen. Zu guter Letzt wird der Mutter das Sorgerecht aberkannt und Maisie wohnt nun bei ihrem Vater. Schließlich wird nach langem Hin und Her- nicht gerade zugunsten Maisies- auf ein gemeinsames Sorgerecht entschieden und das Mädchen pendelt zwischen Mutter und Vater. Trotz der Streitereien rund ums Sorgerecht finden beide Elternteile schließlich keine Zeit für die Kleine: die Mutter plant eine große Comebacktour und der Vater ist beruflich im Ausland beschäftigt, weswegen sich Margo und Lincoln die meiste Zeit um das Mädchen kümmern.

Das Drehbuchautorenteam Cartwright und Doyne adaptierten das Buch von Henry James neu, sie flechten ihre eigenen Erlebnisse und Erinnerungen ein und setzen die Geschichte somit in ein heute aktuelles und relevantes Setting. Wie im Buch ist auch im Film Maisie die Beobachterin, durch sie hindurch sehen wir das Geschehen, ein Blick aus Kinderaugen. Dabei sehen wir, wie sie zusehends unter der Situation zu leiden hat und vernachlässigt wird, aber auch, wie sie an der Situation wächst und sich zum ersten Mal selbst verwirklicht, wenn sie erste Entscheidungen für sich trifft. Maisie ist also keineswegs ein Opfer, vielmehr wird deutlich, wie viel Kinder ertragen und verstehen können und wie sie sich auf verschiedene Lebenssituationen einzustellen wissen, aber auch, wann für sie das Maß voll ist.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der kleinen Maisie mit dem traurigen Blick erzählt, die vor der Kamera verzaubert und überzeugt. Alle Szenen sind ausnahmslos solche, bei denen Maisie auch selbst zugegen war und die sie erlebt hat. Der Zauber der kindlichen Perspektive, der auch in der unglücklichsten Situation hoffnungsvoll bleibt, hält jedoch nicht den ganzen Film durch, da die Regisseure ihre Schwierigkeiten haben, eine filmische Form für das Kindliche zu finden. Henry James selbst war für die Perfektionierung der kindlichen Perspektive im Roman bekannt, die im Film jedoch unzulänglich nur auf die bloße Gegenwart Maisies in jeder Szene reduziert wird.

Wiederum, wie bereits in The Kids Are All Right, ist Julianne Moore in der Rolle als coole, hippe Mum zu sehen- als äußerst glaubwürdige Charakterschauspielerin. Nichtsdestotrotz ist der Film wenig überzeugend, die Charaktere wirken wie Stereotypen, die Handlung eher skizziert als vollkommen durchdacht. Der Versuch der kindlichen Perspektivierung scheitert auf der Leinwand zunehmend durch die Dialoglastigkeit des Films bei gleichzeitiger Stummheit Maisies. Die Regisseure versuchen sich durch das zauberhafte kleine Mädchen vielmehr einen Kinderbonus zu verschaffen, indem sie ihr Gesicht allzu offensichtlich bei jeder Gelegenheit zeigen, ohne wirklich dahinter zu blicken und die Emotionen der Sechsjährigen anzuschneiden. Zu viele Klischees und zu wenige Überraschungen machen den Film schließlich langweilig und unglaubwürdig, Susanna lässt zum Beispiel die Sechsjährige nachts vor der Bar stehen, wo Lincoln arbeitet, der an diesem Tag gar nicht Schicht hat- Maisie übernachtet schließlich bei einer Unbekannten.

Wer einen richtig guten Familienfilm mit viel Witz und Charme sehen will, soll sich lieber The Kids Are All Right ansehen. Der Film von 2010 porträtiert die Probleme moderner Familienentwürfe auf berührende und intelligente Art und Weise, ohne auf allzu offensichtliche Klischees und Schuldzuweisungen zurückzugreifen. Daran können sich die Autoren und Regisseure von Das Glück der großen Dinge allemal eine Scheibe abschneiden.

Fazit:
Die kleine Maisie mit den traurigen Augen, gespielt von Onata Aprile, ist ein Publikumsmagnet, der den Film trägt. Die Perspektive der kleinen Maisie, ihr subjektives Erleben, sollen sensibel in den Vordergrund gerückt werden, dies gelingt jedoch nicht überzeugend. Trotz schauspielerischer Hochleistungen der Kleinen Onata Aprile und Julianne Moores bleibt der Film unausgereift. Die Idee, das Buch in die Gegenwart zu verlagern, ist nur teils glaubwürdig gelungen. Eine tatsächliche Entwicklung ist nur marginal vorhanden, die Story verliert sich ab der zweiten Hälfte immer mehr im Hin und Her des Sorgerechtstreits und dem allgemeinen Chaos in der Familie, mal ist die Mutter tagelang nicht da, mal der Vater. Zu viele Klischees und zu wenige Überraschungen machen den Film leider trotz guter Kamerarbeit und überzeugenden schauspielerischen Leistungen eher zu einem mittelmäßig guten Familienfilm, der es nicht wirklich schafft, emotional zu berühren.

Wertung:
6/10 Punkte
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