Mutter und Sohn (2013)

OT: Pozitia copilului - 112 Minuten - Drama
Mutter und Sohn (2013)
Kinostart: 24.05.2013
DVD-Start: 22.11.2013 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mutter und Sohn

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Barbu (Bogdan Dumitrache) fährt auf einer Landstraße statt den zugelassenen 110 km/h rund 50 km/h schneller. Bei einem Überholmanöver übersieht er einen Jungen, der anschließend an den Folgen des Unfalls stirbt. Barbu droht eine Gefängnisstrafe, doch seine Mutter (Luminita Gheorghiu) will das nicht zulassen. Die Architektin aus der rumänischen Oberschicht setzt alle Hebel in Bewegung um ihren Sohn vor dem Gefängnis zu bewahren und schreckt dabei auch nicht vor Korruption und Manipulation zurück.

In der Ceausecu-Dikatur gehörte Bestechung zum Überleben. 1989 wurde der Diktator gestürzt, die Korruption jedoch herrschte weiter. Geld ist Macht. Diese Devise bestimmt leider noch immer den Alltag der rumänischen Gesellschaft und ist eines der größten Probleme des jungen demokratischen Staates. Auf diese gesellschaftliche Problemlage, die das Land beherrscht, nimmt Calin Peter Netzer (Ehrenmedaille) in seinem neuen Gesellschaftskritischen Drama „Mutter und Sohn“ Bezug. Der Film wurde auf der diesjährigen Berlinale mit dem Goldenen Bär ausgezeichnet –zum ersten Mal ging damit die Auszeichnung nach Rumänien.

Unmittelbar und ohne Vorbereitung wirft Regisseur Netzer den Zuschauer mitten in ein Gespräch zwischen zwei Frauen. Alltag. Sofort erhält man durch die dauernd schwankende Kameraführung die Rolle des Beobachters, dem es erlaubt ist jedes einzelne Erlebnis von Cornelia (Luminita Gheorghiu) mitzuerleben. Man wird zu ihrem persönlichen Begleiter, was sie nicht sieht und nicht weiß, sieht und weiß der Zuschauer auch nicht. Dabei kann man sich die meiste Zeit auch ganz gut in Aggressionsbewältigung üben, denn ihre skrupellose und kühle Art die Sachen zu regeln, können einen schon mal bei der einen oder anderen Szene innerlich zum Kochen bringen und man würde ihr am liebsten durch die Leinwand an den Hals springen. Die erdrückende Liebe zu ihrem 34-jährigen Sohn Barbu (Bogdan Dumitrache) macht sie auch nicht sympathischer. Nach dem Unfall kontrolliert sie ihn und schreibt ihm vor, was er tun und lassen soll. Für Sohn Barbu ist es genauso schwierig Sympathien zu hegen, denn einerseits will er sich gegen seine Mutter stellen und andererseits nimmt er wieder ihre übermäßige Fürsorge auf eine widerliche und unausstehliche Art in Anspruch.

Luminita Gheorghiu überzeugt mit ihren brillanten Darbietungen von der Überfürsorglichen Mutter, die kein Problem damit hat auch mal mitten in einem Café über Bestechungsgelder und Falschaussagen zu verhandeln. Sie schreckt vor rein gar nichts zurück. Sogar den Eltern des Opfers stattet sie einen Besuch ab, um ihnen Geld zu zuschieben, damit sie die Sache mit der Anzeige auf sich beruhen lassen. Dabei jammert sie den trauernden Eltern auch noch, ohne Rücksicht auf deren Situation, das Leid ihres Sohnes vor. An der Seite von Luminita Gheorghiu ist Bogdan Dumitrache in der Rolle des 35-jährigen Sohnes Barbu zu sehen. Durch seine stillen Parts als zurückhaltender Sohn, der sich selbst und seinen Platz in der Familie erst finden muss, geht er etwas unter. Seine Anwesenheit wird erst etwas präsenter als er sich gegen seine Mutter auflehnt.  

Die Beobachterrolle, in die der Regisseur den Zuschauer versetzt, wird auf Dauer etwas anstrengend und bei dem ganzen Gewackel wird einem bei der einen oder anderen Szene schon mal etwas schummrig im Kopf. Die Hälfte der wilden Kamera-Schiffsfahrt hätte auch gereicht, um sich in die Beobachterrolle hinein fühlen zu können. Es wäre auch eine große Hilfe gewesen den Film ohne Kopfschmerzen zu Ende zu schauen. So erfordert „Mutter und Sohn“ schon einiges an Durchhaltevermögen.

Fazit:
Der Gewinner, der diesjährigen Berlinale ist ein Gesellschaftskritisches Drama. Im Mittelpunkt steht eben dabei die erdrückende Monsterliebe einer Mutter zu ihrem Sohn, die alles tut um ihr „Baby“ vor dem Gefängnis zu bewahren. Dabei zeigt der Film sehr gut die immer noch bestehenden Korruptionszustände in Rumänien. Auch wenn der Film aufgrund der wilden Kameraführung einiges an Durchhaltevermögen abverlangt ist er inhaltlich sehr stark und bietet grandiose schauspielerische Leistungen.

Wertung:
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Liste von arienette
Erstellt: 23.04.2013