Gravity (2013)

OT: Gravity - 91 Minuten - Drama / SciFi / Thriller
Gravity (2013)
Kinostart: 04.10.2013
DVD-Start: 21.02.2014 - Blu-ray-Start: 21.02.2014
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Filmkritik zu Gravity

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Alfonso Cuarón hat bereits mehr als einmal bewiesen zu welchen filmischen Leistungen er fähig ist: Spätestens seit Y tu mamá también ist er auf dem Radar von zahlreichen Filmfans, und der Mainstream sollte ihn vor allem durch seine imponierende Neudefinition der Harry Potter Reihe mit Harry Potter und der Gefangene von Askaban kennen und schätzen (ist doch eben jener Teil für nicht wenige der mit Abstand beste). Doch seit seinem letzten Film - dem aufwühlenden Children of Men aus dem Jahr 2006 - ist es ruhig um ihn geworden. Wie sich nun herausstellt ist der Grund nicht etwa eine Schaffenskrise, sondern ein langer Anlauf, quer durch technische Hürden und Probleme um sich nun mit einem gewaltigen Paukenschlag zurückzumelden. Sein neuester Streich Gravity ist schlicht eine technische Meisterleistung, die durch einen messerscharfen Einsatz der filmischen Ausdrucksmöglichkeiten unter die Haut geht und dem Zuseher den Atem raubt.

Weltraum-Neuling Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist gemeinsam mit ihrem erfahrenen Kollegen Matt Kowalski (George Clooney) und einem weiteren Astronauten damit beschäftigt Reparaturarbeit im Weltraum durchzuführen, als sie von der Erde die Warnung erreicht, dass der kontrollierte Abschuss eines Satelliten gehörig schief gegangen ist und eine Wolke an tödlichen Trümmern auf sie zu rast. Ihr Raumschiff wird in Folge zerfetzt und nur Stone und Kowalski können sich vorerst retten. Doch damit beginnt ihre Odyssee erst und die beiden müssen versuchen im dunklen Nichts des Weltraums eine Möglichkeit zu finden ihr Leben zu retten…

Gravity ist ein filmisches Erlebnis der Extraklasse. Grund ist, dass der Film quasi alle Stilmittel die dem Medium Film zu eigen sind mit einer Bravour und Finesse ausspielt, wie man sie eigentlich nie zu Gesicht bekommt. Regisseur Alfonso Cuarón hatte ja lange damit zu kämpfen den Film aufgrund seiner technischen Komplexität überhaupt auf die Beine stellen zu können, aber dieser Kampf für die Perfektion war es in jeder Hinsicht wert. Gravity in 3D auf einer IMAX Leinwand, mit perfekter Klangkulisse und vorgeführt in einem modernen Kino, zählt wohl zu den audiovisuell eindrucksvollsten Erfahrungen der letzten Zeit. Wunderschöne Bilder, in denen man sich verlieren kann, werden hier von einem packenden Kampf ums nackte Überleben begleitet und dieser Kontrast zwischen Schönheit und Intensität lässt einem nicht selten den Atem stocken.

Die Story ist dabei vergleichsweise simpel: Schnell wird die Einführung abgehalten und die zwei wesentlichen Figuren braucht man aufgrund der Präsenz ihrer Darsteller ohnehin nicht lange zu etablieren. Was folgt ist ein knapp 90 Minuten andauernder Höllenritt ohne nennenswerten Durchhänger und auch ohne Verschnaufpause für den Zuseher. Immer wenn man denkt, dass sich soetwas wie Ruhe einstellt, beginnt die nächste Welle an Hürden, die Cuarón seinen Figuren entgegenschmettert. Aber wer auf der Suche nach einer ausgefeilten Geschichte ist, der ist bei Gravity ohnehin im falschen Film: Denn hier gibt es Erlebniskino par excellence und was zählt ist einzig der treibend inszenierte Tanz mit dem Tod, ohne Netz und doppeltem Boden.

Schön ist aber, dass Gravitiy zeigt was eigentlich möglich ist, wenn man an einen solchen Effektfilm nicht gänzlich ohne Anspruch herangeht. Alfonso Cuarón verzichtet auf Fantasiewelten und Übermenschen, sondern zeigt uns ein vergleichweise geerdetes Actionspektakel das deshalb funktioniert, weil Zuseher und Hauptfigur quasi im selben Boot sitzen und die packende Beklemmung des Augenblicks teilen. Erreicht wird dies dadurch, dass uns der Film sehr eng an die Hauptfigur bindet und immer wieder auch in die subjektive Kameraperspektive wechselt um uns den Weltraum direkt aus den Augen der Hauptfigur zu zeigen. Unterstützt wird dieser Eindruck vom inszenatorischen Stil des Films: Denn Gravitiy stellt die Metaebene hinten an und konzentriert sich stattdessen vor allem auf die direkten menschlichen Gefühle und Ängste.

Mit ein Grund warum das Konzept so außergewöhnlich gut aufgeht ist die filmtechnische Perfektion die dahinter steht. Von der Anfangseinstellung an nehmen die wunderschönen Bilder den Zuseher gefangen und man versinkt völlig in dieser unglaublich eindrucksvollen visuellen Ebene des Films. Die freie Kamera, der perfekte Schnitt und die spielerische Kreativität mit der hier der filmische Raum erobert wird, suchen ihres gleichen und Gravity wird wohl selbst dem verwöhntesten Zuseher noch das ein oder andere Staunen abringen. Alfonso Cuarón hatte schon immer eine besondere Beziehung zur Kameratechnik (man denke an die legendären Plansequenzen in Children of Men) und allerspätestens durch Gravity ist diese Liebe absolut nicht mehr zu übersehen. Besonders durch die packende Tonspur, die gemäß den Bedingungen im Schallwellen-losen Weltraum, vorwiegend aus Stille besteht, erreicht Gravity eine unfassbare Intensität, garniert mit zahlreichen Magic Moments, die man wohl nicht so schnell vergessen wird.

Getragen wird der Film dabei von einer Sandra Bullock, deren Charakter zwar nur mit den nötigsten, groben Facetten entworfen wurde, die aber aus den Begebenheiten eine unglaublich fesselnde Tour de Force auf die Leinwand bannt. George Clooney darf hingegen vor allem brillante Unterstützungsarbeit leisten, und leitet durch sein Charisma die Geschichte gut ein, schafft es aber auch die Last fast unbemerkt auf die Schultern von Bullock umzulagern. Sieht man von einem netten stimmlichen Gastauftritt von Ed Harris als Mission Control, und weiteren mikroskopischen Nebenrollen ab, war das auch schon die Besetzungsliste. Man kann auf Grund der Konsequenz des Films schließlich nur den Hut ziehen. Gravity ist ein unglaubliches Erlebnis, das unter die Haut geht und sich in der Erinnerung festsetzt.

Fazit:
Was für ein unfassbarer Husarenritt! Alfonso Cuarón ist mit Gravity ein unglaublich direktes, intensives und wunderschönes Überlebensdrama im Weltraum gelungen, das sich niemand entgehen lassen sollte. Visuell lädt die frei umherschwebende Kamera, die von makelloser Computertechnik unterstützt wird, zum Staunen ein, gleichzeitig sorgt die unmittelbare Intensität für Spannung die an die Nieren geht. Man braucht nicht lange herumreden: Gravitiy ist eine außergewöhnliche filmische Erfahrung. Effekt- und Erlebniskino in seiner schönsten Form und dank seiner künstlerisch integreren Umsetzung ein Pflichttermin für alle.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 54
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