The Immigrant (2013)

OT: The Immigrant - 120 Minuten - Drama / Mystery / Romantik / Thriller
The Immigrant (2013)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 10.01.2015 - Blu-ray-Start: 10.01.2015
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Filmkritik zu The Immigrant

„1921 - wenn das eigene Leben nur noch eine Sünde ist, dann stellt sich die Frage, ob und für was es sich zu kämpfen lohnt. Sind es die gesellschaftlichen Werte, welche um mich herum schon längst verfallen sind. Ist es das eigene Ich welches ich bereits verabscheue, die verbotene Liebe, die in mir entflammt ist, oder ist es der Auslöser meines Übels, der zugleich der Retter in Not ist? Es ist ein Mensch, den ich zutiefst liebe und der es verdient hat glücklich zu sein. Für ihn lebe ich und ich werde nicht aufgeben bis ich ihn wieder gesehen habe.“

Dieser fiktive Tagebucheintrag basiert auf den Wörtern der fiktiven Figur Ewa Cybulski, gespielt von Marion Cotillard, in James Grays Drama The Immigrant. Es spielt dabei keine Rolle, dass es sich um eine fiktive Person handelt, da Ewas Innenleben für den Zuschauer greifbar und spürbar gezeichnet wird. Ihre Worte und ihr starker Wille nach Freiheit stigmatisieren den Zuseher. Ewa und ihre Schwester Magda (Angela Sarafyan) reisen nach New York, um dort die Freiheit zu finden, welche ihnen in ihrer Heimat Polen nicht geboten wird. Bei der Einwanderung fällt Madga aufgrund ihres Hustens auf, wird aussortiert und in Quarantäne gesteckt. Falls sie in den nächsten sechs Monaten nicht gesund wird und kein Geld für ihre Fürsorge gezahlt wird, muss sie zurückgeschickt werden beziehungsweise sterben.

Auch Ewa erreicht nicht ihr Ziel – das Haus ihrer Tante und ihres Onkels. Ihr werden illegale Aktivitäten vorgeworfen, sodass ihre Rückkehr nach Polen bereits feststeht. Dies lässt der Geschäftsmann Bruno (Joaquin Phoenix) letztendlich nicht zu. Seine Kontakte ermöglichen es, dass Ewa einwandern darf, wohnen muss sie jedoch bei ihm. Als Ewa bewusst wird, dass Bruno die Macht über zahlreiche Frauen besitzt und deren Körper für Geld verkauft, versucht sie sich zu wehren. Ihr Kampf ums Überleben nimmt damit seinen Lauf…

James Gray ist mit The Immigrant ein ganz besonderes Kunststück gelungen und dieses hat er insbesondere seinen zwei Hauptdarstellern Marion Cotillard (Der Geschmack von Rost und Knochen, 2012; La Vie en Rose, 2007; The Dark Knight Rises; 2012) und Joaquin Phoenix (The Master, 2012; Walk the Line, 2005; Two Lovers, 2008) zu verdanken. Beide haben sich in den letzten Jahren jeweils einen Platz in der Alpha-Liga der Charakterdarsteller erspielt und beweisen auch in diesem Drama hohe Schauspielkunst. Phoenix hat wie gewohnt die Charaktermerkmale seiner Figur fein herausgearbeitet und präsentiert damit auf der Leinwand einen kühlen sowie verletzlichen Bruno Weiss.

Zwar hat Phoenix seinem Publikum schon bessere Auftritte veranschaulicht, dies bedeutet jedoch nicht, dass sein Talent in diesem Film nachgelassen hat. Er und Cotillard, die ihm in keiner Szene schauspielerisch nachsteht, gleichen ihre Performances dem Regiestil des Regisseurs an und folgen damit der Prämisse „In der Ruhe liegt die Kraft“. Auch Jeremy Renner (Marvel’s The Avengers, 2012; The Hurt Locker, 2009) porträtiert seine Figur Orlando the Magician gekonnt und schließt sich damit qualitativ seinen Kollegen an.

Infolgedessen ist The Immigrant ein ruhiges und melancholisches Drama, welches sich emotional langsam an seinen Zuseher heranschleicht und am Ende die Bombe platzen lässt. Dieser bewusst gewählte Inszenierungsstil verleiht dem Zuseher jedoch an wenigen Stellen das Gefühl der Langatmigkeit. Dies hält sich aber in Grenzen, schließlich ziehen die wunderschönen Bildkompositionen und Kameraaufnahmen sowie die hervorragenden schauspielerischen Leistungen das Interesse des Zusehers auf sich. Ewas Schicksal entfaltet sich langsam und James Gray verfolgt dieses, indem er die Kamera auf seine Darsteller ruhen lässt. Die Mimik der Akteure steht aus diesem Grund im Fokus. Gray hält sich demnach zurück und verwendet statt schnellen Kamerafahrten ruhige Halbtotalen, die nicht nur den inneren Kosmos der Figuren visualisieren, sondern auch wunderschöne Szenerien hervorbringen.

Der Filmemacher tobt sich daraufhin mit doppelten Quadrierungen wie Fenstern und Spiegeln aus, versteht es zudem sehr gut seine Bilder durch eine Gardine oder einen Spiegel zu verzerren beziehungsweise zu verschleiern. Diese Art Bilder darzustellen manifestiert sich im Endbild, welches einem Cineasten sicherlich nicht nur begeistern, sondern auch tagelang nach dem Kinobesuch noch in Erinnerung bleiben wird – einfach großartig!

Großartig ist auch das Dreieck, welches James Gray um das Thema Freiheit spinnt. Gleich zu Beginn wird dem Zuschauer die amerikanische Freiheitsstatue aus Ewas Sicht vor Augen geführt. Später, nachdem Ewa Bruno zum Opfer gefallen ist, muss sie selbst die Freiheitsstatue verkörpern. Paradox daran ist, dass Ewa in diesem Augenblick nicht frei ist, sondern gefangen in ihrem Körper, der als Objekt der Lust degradiert wird. Ihre Persönlichkeit ist hierbei zweitrangig und wird auch als solche behandelt. Demütigung liegt aus diesem Grund in Form eines riesigen Steins auf ihrem langen und komplizierten Weg, der die persönliche und körperliche Freiheit anstrebt.

Fazit:
James Grays The Immigrant ist eine ruhige und melancholische Ballade, die in einem großen Knall mündet. Das Drama erzählt die Geschichte einer Immigrantin, welche zum Opfer ihres eigenen Ziels wird, währenddessen Gefühle wie Liebe, Hass und Vergebung durchlebt und diese an den Zuseher weiterreicht. Besonders lobenswert sind die schauspielerischen Leistungen von Marion Cotillard und Joaqhin Phoenix, als auch die aussagekräftigen Bilder, die James Gray seinem Zuschauer präsentiert. Eine Kinoempfehlung kann damit besonders für Cineasten und Freunden von ruhigen Dramen ausgesprochen werden.

Wertung:
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