Le passé - Das Vergangene (2013)

OT: Le passé - 130 Minuten - Drama / Mystery
Le passé - Das Vergangene (2013)
Kinostart: 31.01.2014
DVD-Start: 07.08.2014 - Blu-ray-Start: 07.08.2014
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Filmkritik zu Le passé - Das Vergangene

Der iranische Drehbuchautor und Regisseur Asghar Farhadi brachte uns 2011 das beachtenswerte Drama Nader und Simin - Eine Trennung und präsentierte uns darin die Trennung eines Paares ohne dabei in Klischees und Kitsch zu verfallen. Farhadi ist zudem dafür bekannt seinen vorgestellten Figuren und deren zwischenmenschlichen Beziehungen die zentrale Rolle in seinen Werken zu überlassen und lässt dafür Action und Sexszenen wegfallen. Dafür vertieft er sich sehr in die Psyche seiner Charaktere. Demnach liegt der Fokus in seinem neuesten Werk Le Passé – Das Vergangene auf den Figurenzeichnungen. Ging es in Nader und Simin noch um eine Trennung, so dreht sich in Le Passé nun alles um die Wiederkehr des getrennten Ehegatten nach der Trennung – eine bewusste und kalkulierte Kontinuität im gewählten Erzählstrang des Autors. Trotzdem ist Le Passé – Das Vergangene keine indirekte Fortsetzung zu Nader und Simin – Eine Trennung, da sich die Geschichte diesmal nicht im Iran, sondern in Frankreich abspielt und somit die gesellschaftliche Situation im Iran außen vor bleibt.

Nach einer vierjährigen Trennung verlässt Ahmad (Ali Mosaffa) kurzzeitig Tehran und kehrt infolgedessen zurück nach Paris, um dort nach dem Wunsch seiner Frau Marie (Bérénice Bejo) die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Es stellt sich jedoch heraus, dass der zurückliegende Konflikt zwischen Ahmed und Marie noch sichtbare Spuren hinterlassen hat. Außerdem erkennt Ahmad eine hohe Anspannung in Maries Haus. Lucie (Pauline Burlet), die Tochter von Marie, akzeptiert Sahir (Tahar Rahim), den neuen Freund ihrer Mutter, nicht. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit…

Wer frühere Filme des Regisseur Farhadi gesehen hat wird wissen, dass der Filmemacher sehr viel Wert auf Dialoge legt. In Le Passé – Das Vergangene begibt er sich weiterhin auf diesem Weg und treibt es darüber hinaus auf die Spitze, sodass der Film beinahe ausschließlich aus Dialogen besteht. Farhadi möchte mit dieser Entscheidung zeigen, dass zu viel Kommunikation genau das Gegenteil bewirkt. Denn Menschen, die sich zu viel zu sagen haben, reden meistens aneinander vorbei. Dabei lässt Farhadi die Männer dominant wirken. Dagegen sind die Frauen voller Emotionen und können diese nicht beherrschen. Den Katalysator in den gezeigten zwischenmenschlichen Beziehungen spielt hierbei Ahmad, der das bereits Vergangene wieder aufrollt. Dazu muss jedoch noch gesagt werden, dass Fahrhadi seine Figuren nicht genderspezifisch und damit klischeehaft aufteilt, sondern sie passend zum Fortlauf der Geschichte reagieren lässt.

Ist Ahmad derjenige, welcher die Geschichte antreibt, so ist es eine Frau, die wie eine Wucht auf den Zuseher einwirkt - dies ist keine andere als die Darstellerin Bérénice Bejo (The Artist, 2011). Bejo zieht bei ihrer emotionsgelenkten Rolle alle Blicke auf sich. Beim Betrachten des Films in der französischen Originalsprache mit Untertiteln fällt es demzufolge dem Zuseher äußerst schwer die Untertitel zu verfolgen, während Bejo eine wahre Glanzleistung abliefert. Die verpassten „Worte“ sind es somit nicht der Rede wert, da Bejo die Emotionen durch Mimik und Gestik auf den Zuseher überträgt. Völlig zu Recht wurde die Schauspielerin dieses Jahr in Cannes für ihre Performance als beste Darstellerin geehrt. Ferner haben auch die restlichen Darsteller ein Lob für ihre schauspielerischen Leistungen verdient.

Farhadi hält sich aufgrund dessen mit der Kameraführung eher zurück und lässt die Schauspieler damit ganz natürlich auf das Publikum wirken, sodass man dem Sog des Geschehens nicht entkommen kann. Farhadi gibt dem Zuschauer damit nur die Perspektive vor, mit der er die Geschichte wahrnehmen soll. Dem Rezipienten wird folglich der Blickwinkel des Außenstehenden zugesprochen, welcher sich immer mehr in die Handlung verwickelt – ähnlich dazu steht auch die Rolle der Figur Ahmad zur Handlung. Interessant ist des Weiteren, wie es dem Drehbuchautor gelingt eine so alltägliche und komplexe Geschichte zu erzählen und aus Nebenhandlungen im Nachhinein eine Haupthandlung zu machen. Die eingeführten kleinen Geheimnisse laden zudem zum Miträtseln ein und verzwicken den Rezipienten damit immer tiefer in die Welt der Charaktere.

Etwas störend für den Betrachter der Handlung ist die Abwendung vom einen Thema und die Hinwendung zum anderen Thema. Auch die zahlreichen Charaktere erlauben es leider nicht wirklich alle Figurenzeichnungen tiefgreifend genug zu behandeln. Dies ist besonders auf die bereits oben ausgelegte Perspektive des Zusehers zuzuschreiben, welche der Filmschaffende ausgesucht hat. Hierbei handelt es sich allerdings um Meckern auf hohem Niveau. Dieser Handlungsaufbau kann so gesehen dem einen oder anderen Zuseher mehr zusagen.

Abschließend kann man schnell über dieses kleine Missgeschick hinwegsehen, da es sich letztendlich um dieselbe Geschichte handelt. Zusätzlich überrascht Asghar Farhadi mit seiner gewählten Endszene nicht nur sein Publikum, sondern lässt auch einen großen Freiraum zur Interpretation offen.

Fazit:
Nach Nader und Simin – Eine Trennung folgt mit Le Passé – Das Vergangene ein weiteres großartiges Drama aus der Hand des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi. Der Filmemacher beweist mit diesem Film ein weiteres Mal, dass er es äußerst gut versteht den Zuseher in die visualisierte Handlung zu integrieren und im Zuge dessen trotz der vorkommenden Dialoglastigkeit einen großen Spannungsbogen zu kreieren. Der Betrachter / die Betrachterin des Films wird daraufhin dazu eingeladen die Vergangenheit der vorgestellten Charaktere zu betreten und diese auf seine / ihre eigene Art und Weise zu durchleben.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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Erstellt: 05.11.2013
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