Blau ist eine warme Farbe (2013)

OT: La vie d'Adèle, Blue is the warmest color - 179 Minuten - Drama / Romantik
Blau ist eine warme Farbe (2013)
Kinostart: 20.12.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
19120
Bewerten:

Filmkritik zu Blau ist eine warme Farbe

Sinnlich, intensiv, emotional – la vie d’Adèle! Der Filmemacher Abdellatif Kechiche hat mit seinem Drama nicht nur eine Hymne an die gleichgeschlechtliche Liebe erschaffen, ihm gelingt es auch den Zuseher in den Bann der Liebe auf den ersten Blick zu ziehen und begleitet ihn damit mit erotischen Bildern, sowie sie noch nie im Kino gezeigt wurden, durch eine eindringliche, faszinierende als auch energische Reise! Adèle ist lebendig und so auch das europäische Kino. Dies verdeutlicht der tunesisch-französische Regisseur in seinem ergreifenden Liebesdrama für das er in Verbindung mit den schauspielerischen Leistungen der Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos in Cannes (2013) mit der Goldenen Palme geehrt wurde. Wer hätte gedacht, dass Selbstfindung so befreiend sein kann.

Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist 15 Jahre jung und möchte gerne Lehrerin werden. Sie befindet sich mitten in der Pubertät und sammelt demnach ihre ersten Liebeserfahrungen. Adèle geht im Zuge dessen eine Beziehung mit dem jungen Thomas (Jérémie Laheurte) ein, erkennt jedoch schnell, dass sie sich auch Frauen hingezogen fühlt. Diese Gefühle erwecken in ihr zum ersten Mal, nachdem sie der blauhaarigen Emma (Léa Seydoux) begegnet. Auf diese Weise bewegt sich Adèle auf einen leidenschaftlichen und gefährlichen Weg, da sie nicht nur einer erotischen Achterbahnfahrt, sondern auch der Homophobie ihres Umfelds ausgesetzt ist…

Ang Lee hat es in seinem tragischen Liebesdrama Brokeback Mountain vorgemacht und ein Meisterwerk aus einem Tabuthema kreiert. Eins fehlte dem Film jedoch - auch wenn dies keinen Einschnitt in der Qualität des Films bedeutet: die hüllenlosen Sexszenen wurden für den Zuseher im Jahr 2005 nicht gedreht. Hierbei muss noch beachtet werden, dass dieser Film für Hollywood konzipiert wurde, sodass die Themenbehandlung bereits mutig genug war. Auf dem diesjährigen Sundance Filmfestival stellte dessen ungeachtet der Hollywoodstar James Franco in Zusammenarbeit mit Travis Mathews seinen dokumentativ-fiktiven Film Interior. Leather Bar. vor, welcher nicht nur die Grenze zum homosexuellen Porno überschritt, sondern diese Grenzüberschreitung auch für das Mainstreamkino forderte. Kurz darauf folgte auf der 63. internationalen Berlinale der äußerst gewagte deutsche Film Freier Fall, indem der Filmschaffende Stephan Lacant die Liebe zwischen zwei Männern mit wunderschönen Bildern skizzierte. Einen Schritt weiter geht nun Abdellatif Kechiche in La Vie d’Adèle ohne dabei die pornografische Grenze ins Unangenehme zu überschreiten.

Die Liebe inszeniert er als wunderschönes und aufregendes Ereignis. Die Sexszenen werden dem Zuseher mit einer unumgänglichen Intensität präsentiert, sodass dieser nur faszinierend auf den Kinosessel gedrückt werden kann. Ferner lässt der Regisseur die Kamera genau da laufen, wo andere Filmemacher wegschneiden, sodass die Liebesszenen zwischen Adèle und Emma zu einem wichtigen Bestandteil des Films werden. Sex ist schließlich auch ein wichtiger Bestandteil im Leben der Hauptfiguren und dies soll dem Zuseher nicht vorenthalten werden. Die erotische Darstellung des Liebespaares wird mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Dabei scheut Abdellatif Kechiche nicht zurück auch Geschlechtsorgane wie einen erigierten Penis zu zeigen. Aufgrund der ausgestrahlten Schönheit des Aktes und den gewagten Szenen würden James Franco, Travis Mathews und Stephan Lacant sicherlich laut applaudieren.

Die Kamera ist hierbei stets sehr nahe am Geschehen. Egal ob Adèle und Emma Spaghetti essen, sich lieben, miteinander reden oder sich streiten. Die Kamera konzentriert sich auf die Gesichter der Figuren und fängt infolgedessen jegliche Emotion der Darsteller auf. Die bereits beschriebene emotionale Wirkung und Intensität, welche auf den Zuseher übergeht, funktioniert in diesem Fall nur so hervorragend, da Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux eine schauspielerische Glanzleistung vollbringen. Der Gebrauch der Kamera und die übermittelte Intensität sowie Emotionalität ist in diesem Fall mit dem Film Laurence Anyways von Xavier Dolan zu vergleichen, der ebenfalls dieses Jahr in Cannes vorgestellt wurde.

Des Weiteren spielt Kechiche im Film mit der Metapher, die sich auf die Farbe blau bezieht. Dieser Aspekt wurde im übersetzten Untertitel des Films aufgegriffen – „Blue ist he Warmest Color“. Wie jeder wissen sollte steht rot für Wärme und dagegen blau für Kälte. Mit dem Umtausch dieser Tatsache deutet der Filmemacher und Drehbuchautor metaphorisch auf die gleichgeschlechtliche Liebe hin, indem sich Adèle für jenes Geschlecht entscheidet, welches nicht von der Gesellschaft als das „richtige“ angesehen wird. Demzufolge strahlt für sie blau die gewünschte Wärme aus, sodass ein Paradoxon entsteht, welches sich mit Homophobie und heterosexuellen Einflüssen durch den kompletten Film zieht. Ist Emma die richtige für Adèle? Ist ihre Liebe stark genug um den auftauchenden Problemen und restlichen Versuchungen zu widerstehen? Die Wahl der Farbe blau kann jedoch nicht nur mit Homosexualität in Verbindung gebracht werden, denn auch eine Konnotation zur heterosexuellen Liebe und zu einem/r ausgewählten Partner/in, der/die für den Rest des Umfelds für „falsch“ betrachtet wird, ist denkbar. Letztendlich werden aufmerksame Zuseher für sich beantworten können, ob blau tatsächlich die wärmste Farbe ist.

Fazit:
Abdellatif Kechiche setzt mit La Vie d’Adèle ein Meisterwerk in Szene und feiert darin nicht nur die gleichgeschlechtliche Liebe, sondern auch den sexuellen Akt. Eine wahre Bereicherung für den Film sind die Hauptdarstellerinnen Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux, die leidenschaftlich in ihren Rollen agieren und demnach jegliche Emotion tadellos beherrschen. La Vie d’Adèle ist erotisch, eindringlich, intensiv als auch energisch und zählt sicherlich zu den großen Kinohighlights des Jahres - knüpft ansonsten genau da an, wo Ang Lee mit Brokeback Mountain und Xavier Dolan mit Laurence Anyways aufgehört haben.

Wertung:
9/10 Punkten
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 10
10 /10
20%
9 /10
40%
8 /10
10%
7 /10
20%
6 /10
0%
5 /10
10%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Don Jon (2013)
Take This Waltz (2011)
Flight (2012)
Weekend (2011)
Bright Star - Meine Liebe. Ewig. (2009)
The Best Offer - Das höchste Gebot (2013)
Das Schicksal ist ein mieser Verräter (2014)
Only Lovers Left Alive (2013)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von celinaah
Erstellt: 24.12.2015
Will ich sehen
Liste von laule
Erstellt: 30.05.2014
Will ich sehen
Liste von Robert018
Erstellt: 06.04.2014
Alle Listen anzeigen