La Grande Bellezza - Die große Schönheit (2013)

OT: La grande bellezza, The Great Beauty - 142 Minuten - Komödie / Drama
La Grande Bellezza - Die große Schönheit (2013)
Kinostart: 26.07.2013
DVD-Start: 06.03.2014 - Blu-ray-Start: 06.03.2014
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Filmkritik zu La Grande Bellezza - Die große Schönheit

Genießen! Dieses Wort hat sich der italienische Regisseur Paolo Sorrentino sicherlich ganz groß auf seine Wand geschrieben, als er an die Inszenierungsart seines Films The Great Beauty (original Titel: La Grande Bellezza) dachte. Dies präsentiert er uns in Verbindung mit Rom, Italiens schönste Stadt. Sollte man der Meinung sein, dass es in Italien eine schönere Stadt gibt, so wird man nach verlassen des Kinosaals vom Gegenteil überzeugt sein. Paolo Sorrentino nimmt seinen Zuseher am Anfang des Films an der Hand und führt in langsam durch die große Schönheit Roms. Dabei entstehen kontinuierlich große Widersprüche, denn die Stadt wird von Menschen belebt und diese Menschen „zerstören“ den gezeigten, visuellen Zauber. Sorrentino baut Schritt für Schritt ein großes und wunderschönes Paradoxon auf und füllt dieses mit der Seele eines zynischen Einzelgängers, sodass Gesellschaftskritik auf visuelle Finesse stößt.  

Jep Gambardella (Toni Servillo) ist seit vielen Jahren erfolgreich als Journalist tätig und hat darüber hinaus in seiner Jugend ein gelungenes und viel gelesenes Buch verfasst. Er bewegt sich seit vielen Jahren in den Kreisen der High Society Roms, hat sich allerdings dort noch nicht so ganz eingefunden. Ferner erinnert er sich an seine erste große Liebe, ist gelangweilt von der Oberflächlichkeit seiner Bekannten und verbringt seine Abende damit Gin Tonic zu trinken. Er äußert sich demnach zynisch um die innere Leere zu überspielen…

Paolo Sorrentino veranschaulicht ein gelungenes Porträt eines Einzelgängers, der nicht nur vor sich hinträumt, sondern auch tagtäglich der Realität ins Auge blickt. Beispielsweise sieht er jedes Mal, sobald er auf seinem Bett liegt und auf die Decke blickt das Meer. Jep befindet sich in einer Krise. Er vermisst seine Liebe, trauert um sein Leben, langweilt sich auf Partys und verpasst keine Gelegenheit eine wohlhabende Frau in Gesellschaft zu demütigen. Jep spürt eine Leere in sich, welche sich mühelos, manchmal sogar zu aufdringlich, auf den Rezipienten überträgt. Aufgrund dessen ist die Szene, in welcher Jep in der Kirche weint, die einzige Szene im Film, bei der der Zuschauer emotional an den Hauptcharakter gebunden wird. Trotzdem ist Paolo Sorrentinos The Great Beauty nicht seelenlos. Die große Seele des Films verbirgt sich hinter der Kombination aus kühlem Einzelgänger, unbeschreiblich schönen Bildaufnahmen und kirchlichem Gesang, welcher die langsamen Kamerafahrten untermalt.

Sakrale Töne sind aber nicht die einzigen musikalischen Klänge, die im Film zur Geltung kommen. Auf den Partys ertönen im Kontrast dazu lautstarke Popsongs, die im Vergleich zum Kirchengesang einen grotesken Eindruck hinterlassen. Passend dazu sind auch die Bilder der Partys. Sorrentino lässt die Kamera nahe an den tanzenden Körpern gleiten und erzeugt mit seinen Aufnahmen das Gefühl der Dazugehörigkeit. Zugleich stoßen die feiernden Menschen mit ihren oberflächlichen Taten und leeren Aussagen den so eben eingeladenen Zuseher vom Tisch. Ein weiteres Paradoxon formt sich daraus. Dagegen gewinnt Jep Sympathiepunkte, da er mit seinem Zynismus den Zuschauer öfter zum Lachen bringt, gleichzeitig einschneidend die wohlhabenden Menschen kritisiert.

Kritisiert wird in The Great Beauty nicht nur die High Society, sondern auch die Katholische Kirche. Damit verwendet Sorrentino auf der einen Hand den kirchlichen Gesang im Zusammenhang mit seinen Bombast-Bildern, um seinen Zuschauer zu beeindrucken, auf der anderen Hand führt er dem Zuschauer eine neue zynisch betrachtete Mutter Teresa vor und präsentiert des Weiteren einen Kardinal, der am liebsten den ganzen Tag über sein Essen reden würde.

Paolo Sorrentino kann ferner nicht nur tadellos Widerspruch an Widerspruch aneinanderreihen, er kann diese auch mit hervorragenden Bildern hervorheben und in diesem Fall stimmt tatsächlich von Anfang bis Ende jede einzelne Einstellung. Egal ob Landschaftsaufnahmen, verführerische Bilder, einfache Bildkompositionen oder metaphorische Szenerien - jedes Bild trägt die Unterschrift eines großen Meisters. Der Regisseur zaubert fantastische Bilder auf die Leinwand, welche die Macht haben großes Staunen zu erzeugen. Langsam führt der Filmemacher durch die Stadt. Schließlich soll sein Publikum langsam die Pracht Roms genießen und sich jedes Mal aufs Neueste in diese Stadt verlieben.  

Fazit:
Wer sich noch nicht in Rom verliebt hat, der sollte sich Paolo Sorrentinos The Great Beauty ansehen. Jeder andere darf hier ein weiteres Mal im Kinosaal träumen und genießen. Der italienische Regisseur nimmt seinen Zuschauer an der Hand und führt in durch ein raffiniert geschmücktes Paradoxon, welches einerseits die große Schönheit Roms und andererseits die große Hässlichkeit der Gesellschaft skizziert. The Great Beauty ist ein cineastisches Werk aus den Händen eines Meisters, der mit seinen unbeschreiblich schönen Bildern sein Publikum fasziniert und es mit der tiefen Leere des Hauptcharakters beinahe aushöhlt – ein einzigartiges Kinoerlebnis.

Wertung:
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