Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll (2013)

OT: Behind the Candelabra - 118 Minuten - Biographie / Drama / Romantik
Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll (2013)
Kinostart: 18.10.2013
DVD-Start: 14.02.2014 - Blu-ray-Start: 14.02.2014
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Filmkritik zu Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll

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Władziu Valentino Liberace, auch Mr. Showmanship genannt, war seit den 40ern, besonders aber in den 60ern und 70ern, nicht nur virtuoser Pianist, sondern auch vor allem für seinen extravaganten Lebensstil bekannt. Er galt als schnellster Pianist der Welt und trug bei seinen Auftritten, bei denen er Popversionen klassischer und volkstümlicher Musik zum Besten gab, diamantenbesetzte Anzüge, mehrere Ringe auf der Hand und Perrücken. Sein Vermögen wurde auf 100 Million Dollar geschätzt und er besaß 13 Villen. Er spielte nicht nur Dutzende Live-Shows, sondern trat auch in den verschiedensten Fernsehformaten und in einigen Nebenrollen in Hollywoodfilmen und TV-Serien auf. Seine Homosexualität wurde stets hinter einem medial inszenierten heterosexuellen Image versteckt.

Scott Thorson (Matt Damon) ist Tierpfleger und strebt eine Ausbildung als Veterinär an, als ihn sein Freund Bob Black (Scott Bakula) zu einer Show von Liberace (Michael Douglas) mitnimmt und die beiden miteinander bekannt macht. Der alternde Showstar findet Gefallen am jungen, unschuldigen Scott, der Liberaces erblindenden Puddel Hilfe anbietet. Dankbar für die Heilung eines seiner Lieblinge, lädt ihn Liberace zu sich nach Hause ein. Der einsame Millionär gesteht Scott, dass er keine Freunde hat: Scott sei der Erste, der ihm zuhört und sich um ihn kümmert. Die beiden verlieben sich ineinander und Liberace lädt seinen Geliebten ein, für ihn zu arbeiten. Scott zieht in den „Kitschpalast“ des Pianisten ein und lebt fortan im Luxus. Liberaces größenwahnsinnig-grenzenlose Liebe geht so weit, dass er Scott adoptieren möchte und eine Schönheitsoperation bei seinem Geliebten veranlasst, die ihn wie sein jüngeres Selbst aussehen lässt.

Nach dem mittelmäßigen Dramathriller Side Effects kehrt Steven Soderbergh nun mit dem autobiografischen Behind the Candelabra, zu Deutsch Liberace, zurück. Entgegen aller Ankündigungen, Side Effects wäre sein allerletzter Film gewesen, kehrt er nun zurück mit oscarverdächtigem Kino der ersten Klasse. Soderbergh hat die Schnauze gehörig voll von Hollywood, dies machte er auch beim San Francisco International Film Festival mit seiner Rede zur „Lage des Films“ klar, in der er über die heutzutage äußerst schwierige Situation von Regisseuren und ihrem Verhältnis zu Produzenten spricht. Bestes Beispiel für die Schwierigkeiten, denen sogar ein Starregisseur wie Soderbergh unterworfen ist, ist auch sein neuester Film, der fast nicht entstanden wäre.

Eigentlich geplant als Fernsehserie, gab es jedoch Probleme, ein Filmstudio zu finden, das Liberace realisieren wollte- trotz der Zusagen von Michael Douglas und Matt Damon, beim Projekt mitzuarbeiten. Schließlich wurde Liberace vom Kabelsender HBO, der verantwortlich ist für erstklassige Serien wie The Wire und The Sopranos, produziert, weswegen der Film in den USA nur im Fernsehen zu sehen sein wird. Den großen Studios dürfte die Story wohl zu „schwul“ gewesen sein.

Mit Liberace ist ein großartiges Biopic, basierend auf den Memoiren von Scott Thorson, und Drama über einen fast vergessenen Stern am Pophimmel gelungen. Glamour, Eleganz und Luxus gehen hier Hand in Hand mit Depression und Vereinsamung. Die glitzernde und leuchtende Innenausrichtung, das Talent des schnellsten Pianisten der Welt und seine Unantastbarkeit mit seinen unbezahlbaren Anzügen täuschen doch nicht über das verrottende Innenleben des Stars hinweg, denn, inmitten all des Erfolgs und Reichtums lebt es sich einsam. Vertrauen und Freundschaft sind fremd in einer Welt, in der man sich alles und jeden kaufen kann- inmitten von Verehrern, Fans und Liebhabern fühlt sich Liberace unverstanden und entmenschlicht. Keiner kommt ihm je so nahe wie der naive Scott, der als Erster nicht auf das Geld des Millionärs aus ist.

In steter Maskerade wurde Liberaces sexuelle Orientierung vor der Öffentlichkeit versteckt, um eine medial inszenierte Heterosexualität zu bewahren. Sein hauptsächlich weibliches Publikum älteren Alters sah ihn als Vorzeigeschwiegersohn. An diesem Image hielt Liberace trotz seines ausschweifenden Lebensstils bis an sein Lebensende beharrlich fest. Sogar als er von Scott Thorson angeklagt wird, leugnet er jede sexuelle Affäre. 1987 stirbt er im Alter von 67 Jahren an den Folgen seiner Aids-Erkrankung, die zunächst als Herzerkrankungen getarnt wird, aber schließlich durch eine neuerliche Autopsie richtiggestellt wird und eine Welle von Skandalen auslöst.

Fazit:
Was Michael Douglas hier leistet, ist schlichtweg unglaublich. Witzig, charmant und redegewandt spielt er den schwulen Pianisten, der stets gut aussieht. Ihm zuzusehen macht nicht nur großen Spaß, sondern ist mitunter auch zu einer seiner besten Schauspielleistungen zu zählen. Der Blick in die Seele des extravaganten Popkünstlers ist nicht zuletzt auch den großartigen Leistungen der Kostümbildner und Ausstatter des Filmes zu verdanken, die ein Schwelgen in dieser längst vergangen Zeit ermöglichen. Soderbergh verabschiedet sich mit einem Meisterwerk von der Filmwelt und hinterlässt ein Juwel, das oscarverdächtig ist, aber absurderweise als Fernsehfilm eigentlich nicht zu den Awards zugelassen ist. In Europa jedenfalls läuft der Film in den Kinos an, feiert große Erfolge und staubte gleich elf Emmys ab.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 7
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