Eine Dame in Paris (2012)

OT: Une Estonienne à Paris - 94 Minuten - Drama
Eine Dame in Paris (2012)
Kinostart: 17.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Eine Dame in Paris

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Die Estin Anne (Laine Mägi) pflegte zwei Jahre ihre Mutter in ihrem Heimatdorf. Nachdem diese stirbt erhält sie ein Jobangebot aus Frankreich. Dort soll sie sich um Frida (Jeanne Moreau), einer sturen, eigensinnigen und eitlen alten Estin kümmern. Anne, die geschieden, allein und ohne Aufgabe ist, nimmt das Angebot an. Doch in Paris angekommen merkt Anne, dass der Auftrag sich um Frida zu kümmern, sich schwieriger erweist als erwartet…

Mit „Klass“ hat der Este Ilmar Raag 2007 sein Regiedebut gefeiert. Vorlage und Inspiration für seinen neuen Film „Eine Dame in Paris“ war seine Mutter. Eine geschiedene Frau, deren Kinder bereits selbstständig waren. Also ging sie nach Paris, die Stadt von der sie schon immer träumte, um sich dort um eine alte und reiche Estin zu kümmern.

„Eine Dame in Paris“ ist ein ruhiges Drama, das uns die Geschichte von zwei Frauen zeigt die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite Frida, eine starrsinnige, nörgelnde und egoistische alte Frau, der es im Leben weder an Geld noch an Liebschaften fehlte. Und diesen alten Zeiten und ihrem viel jüngeren Liebhaber Stèphan nachtrauert. Auf der anderen Seite Anne, die mit Fridas bestimmender Haltung durch ihre ruhige und zurückhaltenden Art entgegenwirkt.

An dieser Stelle soll ein großes Lob an die beiden Darstellerinnen ausgesprochen werden. Besonders die 85-jährigen Jeanne Moreau überzeugt den ganzen Film hindurch mit starken Darbietungen. Aber auch Laine Mägi versteht es sich auf der Leinwand zu präsentieren. Die beiden unterhalten nicht nur in ihren Einzelauftritten prächtig, sondern agieren auch zusammen wunderbar. Patrick Pineau als der Ex-Liebhaber von Frida und Jeanne Moreau lockern mit ihrer etwas seltsamen Beziehung den ruhigen Film auf und harmonieren wirklich fantastisch.

Die Emotionen seiner Figuren zeigt Ilmar Raag nicht nur allein durch die Darstellungen seines Schauspielensembles, sondern fängt diese auch in seiner ruhigen Kameraführung mit langen Bildsequenzen ein. Dadurch schafft er auch die ganz eigene Stimmung, die den Film von Anfang bis Ende durchzieht, die er zusätzlich noch mit der sparsam eingesetzten Filmmusik untermauert. Da vieles nun mal seine Stärken und Schwächen hat und hier leider bereits alle Stärken schon erwähnt wurden, kommen nun die Schwachpunkte.

Nun, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Vor allem in der Kunst. Auf künstlerische Weise einen Film zu drehen gleicht eher russischem Roulette als einem sicheren Heimspiel. Die Chancen stehen 50:50. Der Schuss kann entweder ein Glücksgriff sein oder man schießt sich selbst ins Bein, denn z.B. die langen Bildsequenzen werden bestimmt nicht jedermanns Sache sein. Außerdem lassen diese einen schon mal mit einem dicken, fetten Fragezeichen vor der Leinwand sitzen und mit der offenen Frage, was Regisseur Ilmar Raag denn damit jetzt schon wieder sagen will. Diese künstlerische Freiheit des Filmeschaffens wird jedoch beim einem oder anderen gewiss Anklang finden.

Die größte Schwäche von „Eine Dame in Paris“ liegt hauptsächlich in der Dramaturgie. Die Geschichte ist so durchschaubar und vorhersehbar, dass sie für den Zuschauer keine Überraschungen mehr zu bieten hat und man hofft vergeblich, dass der Film einem noch irgendetwas anderes, als ein gedämpftes „aha“, mit auf dem Weg gibt. Vor allem bei der Entwicklung der Freundschaft zwischen Frida und Anne zeigt der Film so gar keine Tiefe. Und leider bietet die Story auch nicht mehr, als die Tatsache dass sie dem Zuschauer von den beiden Estinnen erzählt die sich fern von ihrer Heimat in Paris kennenlernen und von ihrer gemeinsamen Zeit profitieren, indem sie noch voneinander lernen und sich gegenseitig zu Veränderungen bewegen. Dabei entwickelt sich der Film auch nie wirklich zu einer richtigen Geschichte, sondern gibt einem das Gefühl, dass hier einfach nur Ereignisse aneinander gereiht wurden, die dann letztendlich versuchen sollen eine Geschichte zu bilden.

Dabei hätte "Eine Dame in Paris" viel mehr zu bieten als die bloße Entwicklung der Freundschaft von Anne und Frida, wie z.B. die Beziehung zum Alter, das Alt werden und die Akzeptanz des Sterbens, denn darauf wird nur sehr oberflächlich eingegangen. Schade. Denn die Idee hätte wirklich sehr viel Potenzial gehabt und hätte auch einiges hermachen können.

Fazit:
"Eine Dame in Paris" ist für Liebhaber von Art House Filmen gewiss ein Kinobesuch wert, Fans, des großen Blockbuster Kinos wäre eher vom Film abzuraten. Zudem ist der Film für älteres Publikum wohl aussagekräftiger als für das jüngere. Die Beziehung zum Alter, das Alt werden und die Akzeptanz des Sterbens werden für einen jüngeren schwerer nachvollziehbar sein. Auch für Frida und ihr Alter wird es für so manch jüngeren etwas schwerer sein das nötige Verständnis aufzubringen, welches erforderlich ist, um ein gewisses Einfühlungsvermögen für den Film zu entwickeln. Das ruhige Drama erhält seine sehr eigene Stimmung durch die ruhige Kameraführung mit langen Bildsequenzen. Der Film profitiert vor allem von den starken Leistungen der einzelnen Schauspieler und dem großartigen Zusammenspiel des gesamten Ensembles und erhält dadurch ein großes Plus. Aufgrund des unausgereiften und durchschaubaren Drehbuches kann der Film aber leider nicht richtig überzeugen.

Wertung:
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