Rush - Alles für den Sieg (2013)

OT: Rush - 123 Minuten - Action / Biographie / Drama / Sport
Rush - Alles für den Sieg (2013)
Kinostart: 03.10.2013
DVD-Start: 30.04.2014 - Blu-ray-Start: 30.04.2014
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Filmkritik zu Rush - Alles für den Sieg

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Man konnte durchaus skeptisch sein, als bekannt wurde, dass Oscarpreisträger Ron Howard die Rivalität von Niki Lauda und James Hunt nach einem Drehbuch von Peter Morgan verfilmen würde. Das Thema in Kombination mit Howards oftmals vorhandenem Hang zum Pathetischen birgt auch tatsächlich jede Menge potentielle Probleme in sich, allerdings muss vorab gleich eines klargestellt werden: Die Skepsis ist schnell verflogen, denn es dauert nicht lange bis klar wird, dass die Filmemacher doch ein sehr durchdachtes Konzept verfolgen und es nicht nur verstehen den Zeitgeist der 70er auf unterhaltsame Art und Weise wieder auferstehen zu lassen, sondern gleichzeitig auch ein überraschend kluges Portrait zwar unterschiedlicher Charaktere und ihrer Lebensansichten entwerfen.

Niki Lauda (Daniel Brühl) und James Hunt (Chris Hemsworth) sind zwei unglaublich talentierte Rennfahrer, die Anfang der 70er Jahre auf dem Weg nach oben sind und sich bereits in ihren frühen Karrierejahren in die Quere kommen. Und wenn sich die beiden begenen, treffen auch zwei Lebensphilosophien aufeinander: Da ist einerseits der akribische Arbeiter Niki Lauda, der analytisch und diszipliniert vorgeht und andererseits der Heißsporn und Playboy James Hunt, für den Parties und Frauen genauso wichtig wie das Rennfahren sind. Ihre Rivalität erreicht ihren Höhepunkt, als beide im Jahr 1976 in siegfähigen Autos um den Titel kämpfen und dabei in jedem Rennen ihr Leben aufs Spiel setzen…

Was Rush als Biopic auszeichnet und von anderen Genrevertretern und auch dem Mainstream etwas abhebt ist, dass der Film nicht etwa den klassischen Fehler begeht und versucht ein Leben in Stationen nach zu erzählen. Das Epizentrum des Films bildet das Jahr 1976, alles was außerhalb dieses Schicksalsjahres geschieht ist vor allem eine Unterstützung der Haupthandlung. Durch diesen Verzicht auf die  Nacherzählung der epische Fülle eines ganzen Menschenlebens ist der Film viel freier um interessantere Dinge zu beleuchten. Und so kommt es auch, dass Rush zwar nicht die Leben der beiden Hauptfiguren im Detail nacherzählt, aber gerade durch die fokusierte Herangehensweise weitaus besser die Essenz der Charaktere herausarbeitet, sodass man am Ende weitaus besser versteht wie Niki Lauda und James Hunt ticken, als dies üblicherweise nach dem Ansehen eines Biopics der Fall ist.

Da wäre auf der einen Seite die schillernde und laute Welt des James Hunt, der ewig junge Draufgänger, der den Spaß sucht und das Leben wie im Rausch vorbeiziehen lässt. Ohne Rast und ohne Geduld hetzt er durchs Leben, der klassische Publikumsliebling und Frauenheld. Ihm gegenüber steht der im Vergleich unsympathische Niki Lauda, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt und dem Erfolg alles unterordnet. Akribie, Besessenheit und eine volle Ausrichtung auf die Ziele stehen bei ihm im Zentrum und Rush schafft es ausgezeichnet diese beiden Lebensentwürfe gegenüber zu stellen und die Facetten der beiden unterschiedlichen Charaktere bis ins Details auszuloten.

Dabei gelingt das Kunststück beide Persönlichkeiten vorzustellen ohne zu glorifizieren und auch ohne zu verteufeln. Hunt und Lauda sind Rivalen, aber Rush vermeidet es geschickt die klassische Held/Bösewicht-Rollenverteilung einzusetzen. Natürlich ist von Beginn an eher Hunt der Held, allerdings weichen sich die Rollen immer mehr auf, da auch geschickt die Erzählperspektiven verschoben werden und man letzten Endes tatsächlich das Gefühl hat, dass hier zwei Charaktere fair und ehrlich beleuchtet werden. Man beginnt Niki Lauda trotz anfänglichen Problemen zu verstehen und fiebert mit ihm mit und bei Hunt beginnt die strahlende Fassade zu bröckeln und man blickt immer mehr auf die echte Persönlichkeit die von Selbstzweifeln und Unsicherheiten durchzogen ist.

Garniert wird diese auf die Charaktere fokusierte Geschichte von einer gut gelungenen Ausarbeitung des damaligen Zeitgeists. Der Charakter der 70er Jahre vibriert sich förmlich durch die Bilder und wir werden in eine Zeit geschleudert in der nicht nur die gesamte Gesellschaft anders zusammenspielte, sondern auch die Welt des Sports noch eine andere war. Wo heutzutag (besonders in der Formel 1) glattgebügelte Charaktere und die Interessen von Weltkonzernen das Bild dominieren, fuhr damals noch tatsächlich der Tod mit und egal wie man zur martialischen Machohaftigkeit der Fahrer steht, man muss doch zugestehen, dass der Reiz ein höherer war und die Individualität noch großgeschrieben wurde.

Das Drehbuch von Peter Morgan ist dabei dramaturgisch höchst gelungen und hält sich abgesehen von kleinen Kniffen, auch recht deutlich an die wahre Geschichte. Regisseur Ron Howard beweist sich einmal mehr als Regie-Chamäleon, das sich scheinbar in den unterschiedlichsten Settings und Genres wie zuhause fühlt und zaubert einige außergewöhnlich gelungene Szenen auf die Leinwand. Aber die wahren Großleistungen vollbringen Daniel Brühl und Chris Hemsworth, die in den Rollen als Lauda bzw. Hunt völlig aufgehen und wesentlich dazu beitragen, dass man als Zuseher vom Geschehen auf der Leinwand völlig gebannt ist.

Fazit:
Mit Rush ist Regisseur Ron Howard und Autor Peter Morgan ein unerwartet gutes Biopic gelungen, das besonders deshalb so gut funktioniert, weil man nicht versucht das gesamte Leben der beiden Hauptfiguren nachzuerzählen, sondern sich stattdessen in ihrem Charakter verbeisst und sich auf einen essentiellen Abschnitt fokusiert. Dies führt dazu, dass man letzten Endes tatsächlich das Gefühl hat, dass man am Ende wirklich versteht wie Niki Lauda und James Hunt ticken und in welchem Gegensatz ihre unterschiedlichen Lebenseinstellungen stehen. Dank herausragenden Darstellerleistungen, einer sehr guten Atmosphäre und einem hohen Unterhaltungswert, kann man Rush also durchaus als rundum gelungenes Paket bezeichnen.

Wertung:
8/10 Punkte
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 34
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