The Loneliest Planet (2011)

OT: The Loneliest Planet - 113 Minuten - Thriller
The Loneliest Planet (2011)
Kinostart: 14.06.2013
DVD-Start: 24.05.2013 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Loneliest Planet

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Alex und Nica sind Weltenbummler, die mit dem Rucksack die ganze Welt bereisen und dabei keine Berührungsängste haben. Die Regisseurin Julia Loktev erzählt von einem Paar, dass am Liebsten tourismusferne Gebiete besucht, im Film ist es das Kaukasusgebiet: hier versuchen sie sich mit den Einheimischen anzufreunden, entfremden sich dabei aber immer mehr voneinander. Gleichzeitig ein Liebes- und ein Reisefilm versucht The Loneliest Planet ein smarter Arthouse-Film zu sein, der mit wenig Gesten und kargem Dialog eine bedrückend- atmosphärische Stimmung kreiert. Leider scheitert der Film beim Versuch, dem Zuseher diese Atmosphäre zu vermitteln.

Alex (Gael García Bernal) und Nica (Hani Furstenberg), ein junges Paar, reisen nach Georgien, um eine Trekkingtour durch den Kaukasus zu unternehmen. Vor dem Hintergrund der schönen, offenen, teils auch vernachlässigten und abgeschiedenen Landschaft, leben die beiden ihre Liebe aus. Mit dem Einheimischen Dato (Bidzina Gujabidze) begeben sie sich auf eine mehrtägige Wanderung durch die wilde Gebirgslandschaft. Sie erzählen einander Geschichten, singen Lieder und bringen sich gegenseitig die Eigenheiten ihrer Länder näher. Durch einen Vorfall kippt die harmonische Stimmung jedoch in eine tiefe Krise, ein Einschnitt, der das Gleichgewicht stört und einen Keil zwischen das Liebespaar treibt und auch Misstrauen zwischen den Reisenden und ihrem Führer hervorruft.

Basierend auf der Kurzgeschichte „Expensive Trips Nowhere“ von Tom Bissell und auf einer biographischen Begebenheit erzählt Regisseurin Julia Loktev die Geschichte von Alex und Nica. Vor allem der erste Teil des Filmes ist auch von den eigenen Erfahrungen der Regisseurin in Georgien inspiriert. Georgien galt als Ferienparadies der Sowjetunion, die georgische Gastfreundschaft und die Schönheit der Natur waren allseits bekannt. Gleichzeitig hat sich bis heute der Massentourismus westlicher Art noch nicht etabliert, das Verhältnis zwischen Touristen und Einheimischen ist ein freundschaftliches: Touristen können sich bei Familien einmieten und werden am Abend zum Feiern und Anstoßen eingeladen. So auch Alex und Nica. Sie bemühen sich um Kontakt zu den Einheimischen, leben wie sie und verzichten auf eine warme Dusche, trinken mit Dato und schnappen ein paar Brocken der Landessprache auf.

Zu Beginn der Geschichte ist das Paar am Höhepunkt ihres Glücks und steht kurz vor der Hochzeit, doch das weite Kaukasusgebirge lässt viel Platz für Zweifel. Immer wieder gibt es ruhige Aufnahmen, die die Gebirgslandschaft zeigen. In der Supertotalen und Totalen entfaltet sich die Schönheit dieser Natur und lässt die Protagonisten ganz klein aussehen. Gleichzeitig spürt man das Erdrückende der Landschaft, die unberührt und wild ist. Bidzina Gujabidze, der den Guide spielt, ist selbst Bergsteiger und kein Schauspieler, vermittelt also auch eine genuine Liebe zu den Bergen und verleiht dem Film eine besondere Authentizität.

Nach der ersten Hälfte des Films spürt man als Zuseher, dass sich hier etwas anbahnt. Eine dumpfe Ahnung, dass etwas Schlimmes passieren wird überkommt einen. Auch wird die eine oder andere Assoziation mit einem anderen Film, der eine beklemmende Situation in der erdrückenden Weite der Natur zeigt, nicht ausbleiben. Beispielsweise Twentynine palms, der auch von einem Paar auf Reisen handelt, die vor dem Hintergrund der einsamen kalifornischen Wüste eine Spannung aufbaut, die den Zuseher etwas Schlimmes erwarten lässt. Mit dem Unterschied, dass Twentynine palms in rohe Gewalt umschlägt, die den Zuseher nicht so kalt lässt wie das Gesehene in The Loneliest Planet, sondern zutiefst verstört.

Bei der eskalierenden Situation geht es um Männlichkeit und ums Verzeihen. Um einen kurzen Augenblick, der so lang ist wie eine Geste, die alles ins Wanken bringt und von der man sich im Folgenden erwartet, das von den Figuren sie besprochen wird, was nicht eintritt. Der entscheidende Moment, an dem die gesamte zweite Hälfte des Films aufgehängt wird, bleibt den ganzen restlichen Film lang der Motor des Handelns der Figuren und ab hier wird es oft mühsam für den Zuseher. Denn der entscheidende Moment und dessen Folgen lassen den Zuseher unberührt, man verbleibt eher gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Protagonisten.

Warum ist dies so? Irgendwie wirken der entscheidende Moment und die daraus resultierende Sprachlosigkeit unangemessen- Mitgefühl mit dem Schicksal der Figuren stellt sich nicht ein. Nach einer Stunde geht dem Film einfach die Puste aus und auch ein hervorragender Gael García Bernal und eine bezaubernde Hani Furstenberg, denen man eigentlich gerne zusieht, können den Film nicht vor diesem Dilemma retten.

Fazit:
The Loneliest Planet ist ein intimer Film, der von der Einsamkeit in einer Beziehung vor dem Hintergrund einer fremden Situation handelt. Der Knackpunkt der Geschichte behandelt die Entfremdung zweier einander sehr naher Menschen und zeigt das Umkippen von unaussprechlichem Glück in Verzweiflung und Sprachlosigkeit vor einer wunderschönen Naturkulisse. Aber auch ein hervorragender Gael García Bernal und eine bezaubernde Hani Furstenberg retten den Film nicht. Festgefahren in der Ernsthaftigkeit des Sujets ist der Film außerstande, die ironische Wendung zu erkennen, die ein junges Paar auf der Suche nach Abenteuern vollzieht: auf der Suche nach Abenteuern, herumkletternd und rollend, genießen sie ihren Ausflug bis aufs Äußerste, kommen aber, als sie von einem Einheimischen bedroht werden, schließlich zu einem Adrenalinschub etwas anderer Art, von dem sie so verstört werden, dass sie fortan keine Fotos mehr schießen wollen.

Wertung:
6/10 Punkte
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