Medianeras (2011)

OT: Medianeras - 95 Minuten - Komödie / Drama
Medianeras (2011)
Kinostart: 24.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Medianeras

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Gustavo Taretto beschäftigt sich in seinem im Jahr 2011 gedrehten Film „Medianeras“ (auf Deutsch übersetzt: „Trennwände“) mit zwei einsamen Menschen in der riesigen Metropole Buenos Aires, die einander gegenüber wohnen und nur durch die so genannten „Medianeras“ – folglich die Brandmauern ihrer Häuser und ein bisschen Luft voneinander getrennt sind. Martin und Mariana sind wie geschaffen für einander, und doch leben sie seit Jahren Seite an Seite - ohne es zu wissen.

„Medianeras“ ist die Geschichte zweier eigenwilliger junger Menschen, die sich täglich dem Alleinesein stellen müssen und auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück mit einer geliebten Person an ihrer Seite sind: Da ist Martin (Javier Drolas)  - ein stiller zurückgezogen lebender Mann, in einer kleinen unaufgeräumten Wohnung, der als Webdesigner arbeitet, seine Tage hauptsächlich vor dem Computer und in der virtuellen Welt verbringt und an einer Reihe von Phobien leidet. Der einzige Zugang zur Außenwelt scheint sein Therapeut und ein kleiner weißer Hund namens Susu zu sein, den ihm seine Ex-Freundin, als sie ihn ohne Vorwarnung verließ, zurückgelassen hat. Und da ist Marina (Pilar López de Ayala) – eine hübsche junge Architektin, die sich mit der Gestaltung von Schaufenstern über Wasser hält, vor kurzem die Beziehung zu einem Mann beendet hat, der ihr über die Jahre völlig fremd geworden ist, eine wahnsinnige Angst vor Aufzügen hat und die vor Einsamkeit sogar eine Beziehung zu einer ihrer Schaufensterpuppen aufbaut.

Beide befinden sich in einer tristen ausweglos scheinenden Situation - und das mitten in der Metropole Buenos Aires, in welcher Millionen von Menschen so eng nebeneinander leben, dass man sogar durch die Wände hören kann – und die dennoch so einsam sind. Als Zusehende verfolgen wir den Alltag der beiden, Schritt für Schritt begleiten wir sie auf ihren täglichen Wegen durch die Stadt, den Begegnungen mit ihren Mitmenschen, sehen ihnen bei der Arbeit oder ihrem Leben alleine zu Hause in ihren „Schuhkartons“ (sehr kleinen Wohnungen) zu.
Häufig sind Martin und Mariana sogar zur selben Zeit am selben Ort - doch ohne sich gegenseitig wahrzunehmen. Erst als sie beide aus ihren kleinen dunklen Wohnungen entfliehen wollen und ein illegales Fenster durch die Brandmauer bauen lassen, sehen sie sich zum ersten Mal bewusst.

„Medianeras“ überzeugt durch eindrucksvolle Bilder der Stadt, ein Gefühl für die Lebenssituation in Buenos Aries und sehr überzeugenden SchauspielerInnen. Viele kleine liebevolle Details und versteckte Symboliken machen den Film auf der einen Seite zu einem richtigen Vergnügen. Einen roten Faden gewinnt er zusätzlich durch das Kinderbuch "¿Dónde está Wally?" (auf Deutsch: „Wo ist Wally?“) - ein Bilderbuch, bei welchem Mariana unter vielen gezeichneten Menschen „Wally“ in seinem rot-weiß gesteiften Pullover sucht – gewissermaßen ein Spiegelbild ihres eigenen Lebens, in welchem Mariana auch jemanden ganz Bestimmten finden muss. Der relativ knappe Inhalt wird durch beeindruckende Aufnahmen wieder gut gemacht. Dennoch scheint der Film auf der anderen Seite nie ganz in Fahrt zu kommen, während er es anfangs schafft die Zusehenden in seinen Bann zu ziehen, wird er gegen Mitte etwas schwermütig und beinahe langatmig und kann auch mit dem wenig überraschenden Ende nicht wirklich überzeugen.

Kritisch zu betrachten sind vor allem die Grundaussage, sowie der Nachgeschmack des Films: man bekommt regelrecht den Eindruck vermittelt, dass Menschen die alleine leben und in keiner festen Beziehung sind, faktisch nur unglücklich sein können. Die beiden Hauptfiguren haben dabei auffallend wenige soziale Kontakte, und so gut wie gar keine Freunde. Die Grundstimmung ist trotz aller Bemühungen den Film gegen Ende doch noch zu einem Happy End zu bringen, überwiegend negativ und bedrückend.

Fazit:
„Medianeras“ ist ein ästhetisch wirklich ansprechender Film, der mit grandiosen Aufnahmen begeistert und den Zusehenden die Stadt Buenos Aires näher bringt. Schauspielerisch können Pilar López de Ayala und Javier Drolas wahrlich überzeugen. Wer jedoch eine charmante Liebesgeschichte mit Hindernissen erwartet, dürfte wohl enttäuscht werden. Wer sich allerdings für gute Aufnahmen, Architektur und die Stadt Buenos Aires interessiert, wird seine Freude an dem Film haben.

Wertung:
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Filmering.at
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Liste von arienette
Erstellt: 23.04.2013