Ein freudiges Ereignis (2011)

OT: Un heureux événement - 107 Minuten - Komödie / Drama
Ein freudiges Ereignis (2011)
Kinostart: 17.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ein freudiges Ereignis

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Rémi Bezançon beschäftigt sich in seinem im Jahr 2011 gedrehten Film „Ein freudiges Ereignis“ (französischer Originaltitel: „Un heureux événement“) mit dem Leben eines jungen Paares, das kaum verliebter sein könnte und sich zur absoluten Erfüllung ihres Daseins ein gemeinsames Kind wünscht. Das Glück scheint perfekt, als Barbara (Louise Bourgoin) schwanger wird – sie und der Vater des Kindes, Nicolas (Pio Marmaï) sind überglücklich – doch dieses reine Glück währt nicht lange.

Authentisch und erfrischend ehrlich zeigt der Film die Höhen und Tiefen einer Schwangerschaft, sowie der Geburt und das erste Jahr danach aus (vorwiegend) weiblicher Perspektive. Barbara, die zeitweise in der Ich-Form über das Geschehene berichtet, ist eine selbst bestimmte, unabhängige gebildete junge Frau, die mitten im Leben steht und genau zu wissen scheint was sie will. Sie ist engagiert, intelligent und es stehen ihre alle Türen offen, als sie sich Hals über Kopf und bedingungslos in Nicolas verliebt. Nicolas, der charismatisch, unbesorgt, verspielt und völlig in Barbara vernarrt ist, bringt sie zum Lachen und macht sie glücklich. Alles scheint perfekt – als sich die beiden in ihrem Liebesrausch ein gemeinsames Kind als absolute Erfüllung ihrer Liebe erträumen, nicht ahnend was in Folge dessen alles auf sie zukommen wird.

Bereits während der Schwangerschaft sieht sich Barbara immer mehr in der Rolle der bloßen „Gebärmutter, die das Kind austrägt“ wahrgenommen, anstatt in jener einer selbstständigen Frau mit einer eigenen Meinung und eigenen Wünschen, die immer wieder überhört und nicht beachtet werden. Durch den massiven Babybauch fühlt sie sich schwer und unbeweglichen wie ein Wal, und zudem emotional von Nicolas vernachlässigt, der ihr mit seinen Playstation-Spielen und der fehlenden Bereitschaft seinen Teil im Haushalt zu übernehmen immer mehr selbst wie ein Kind erscheint. Auch sexuell wird sie ständig zurückgewiesen: denn ihr brachliegendes Sexleben steht im krassen Gegensatz zu den prickelnden sexuellen Abenteuern, die sie zuvor mit Nicolas erlebte. Barbara muss sich schließlich eingestehen, dass das Heranwachsen des Babys in ihrem Körper sich völlig anders gestaltet, als sie sich das erträumt hatte. Dies ändert sich auch nach der Geburt nicht, und obgleich ihre ganze Liebe ihrem Kind gehört, fragt sie sich des Öfteren: „Warum zum Teufel hat uns niemand gewarnt?“.

Barbaras und Nicolas Liebe zueinander ist stark - doch die aufkommenden Komplikationen und Herausforderungen brauchen nicht nur ihre Geduld und ihre gesamten Kraftreserven auf, sondern stellen die junge Liebe auch auf eine harte Probe. Waren sich die beiden Verliebten bisher in allem einig, wirft die Geburt und das Großziehen eines Kindes ungeahnte Fragen auf, die sich das aufgeschlossene Paar bisher nicht stellen musste und bei denen sie sich ganz und gar nicht einig sind. Immer häufiger sehen sich Barbara und Nicolas mit unlösbaren Konflikten konfrontiert, die sie jedoch nicht zu einer Einheit verschmelzen, sondern im Gegenteil, erschreckend weit auseinander driften lassen und einander entfremden. Am eigenen Leib müssen sie erfahren wie schwer es ist die richtigen Entscheidungen für sein Baby zu treffen und unabhängig von den Ratschlägen aller anderen den eigenen für sich richtigen Weg zu wählen und eine Balance zu finden. Schonungslos offen zeigt Bezançon die Geburt des Kindes und die Zeit danach in all seinen schönen und hässlichen Facetten.

Basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage von Éliette Abécassis ist der Film einer der ersten, welcher das Thema Schwangerschaft und die Veränderung, die ein Kind für den Alltag, das Selbst und die Beziehung zum Partner bedeutet, so offen auf der Leinwand behandelt. Bezançon zeigt, dass die heutzutage vorherrschende Idealvorstellung von der perfekten harmonischen Beziehung, der fairen gleichberechtigten Rollenverteilung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, die Vereinbarung von Karriere, Familie und einem leidenschaftlichen Sexleben, der Verwirklichung der eigenen Wünsche und Ziele in der Praxis für die Mutter als auch den Vater häufig nicht so einfach umzusetzen ist und es auch für Eltern erlaubt sein muss, sich mit der Situation überfordert zu fühlen.

Fazit:
„Ein freudiges Ereignis“ ist die perfekte Mischung aus Tragik und Humor. Der Film brilliert durch die beiden unglaublich talentierten und authentischen Nachwuchstalente Louise Bourgoin und Pio Marmaï und schafft es auch durch die hervorragend besetzten SchauspielerInnen in den Nebenrollen (wie Josiane Balasko oder Gabrielle Lazure) zu überzeugen. Ein gelungenes Porträt einer jungen Familie mit zeitgemäßen Fragen und realistischen Herausforderungen, und für all jene empfehlenswert, die einen Zugang zur Thematik haben oder einfach nur einen durch und durch berührenden wunderbar ehrlichen Film sehen wollen, der seine Zusehenden gleichermaßen zum Weinen und zum Lachen bringt.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von arienette
Erstellt: 23.04.2013