Following (1998)

OT: Following - 69 Minuten - Thriller
Following (1998)
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Filmkritik zu Following

Von am
 

Haben Sie noch nie andere Menschen belauscht,
die sich im Bus oder in der U-Bahn unterhalten haben?
Jemanden zugesehen?
Zugesehen, wie er über die Straße geht oder sich merkwürdig benimmt?
Haben Sie sich dann nie gefragt, wie sein Leben vielleicht aussieht?
Was er macht, woher er kommt, wohin er geht, dieser Mensch?
...
Man beobachtet wie ein Mensch sich verhält.
Schon tauchen Hunderttausende von Fragen auf.
Und ich wollte solche Fragen stellen.
Ich wollte herauskriegen, wie die Antworten darauf lauteten.
Also bin ich Menschen gefolgt, um das heraus zu finden.

 


Bill ist Schriftsteller. Zumindest wäre er gern einer. Aufgrund einer Schreibblockade, beginnt er Menschen zu beschatten, was zunächst dazu dient, Charaktere für seinen Roman zu finden. Je länger er dieser Tätigkeit nachgeht, umso weniger kann er sich ihr entziehen - er wird süchtig. Seine Motivation entspringt aus zwei Charaktereigenschaften: Zum einen einer Art Voyeurismus, zum anderen aus seiner eigenen Unfähigkeit seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und der Hoffnung durch die Beobachtung anderer eine Antwort auf diese Frage zu finden - eine Frage, die Bill als Erzähler der Geschichte, im Dialog mit einem Inspektor, abstrakter stellt als sie ist: woher kommt er, wohin geht er, dieser Mensch?

Um seine Obession unter Kontrolle zu halten, stellt er sich selbst Regeln auf: Eine dieser Regeln besagt, dass er niemals der gleichen Person zweimal folgen solle. Dennoch bricht Bill diese Regel als erste, wodurch er von Cobb angesprochen wird, der daran interessiert ist, herauszufinden, warum er ihn verfolgt. Eine unangenehme Situation für Bill, die zugleich Cobb als den überlegenen Charakter einführt. Eine Figurenkonstellation, die unverändert bleiben wird, da Cobb sein Leben im Griff zu haben scheint.

Es stellt sich heraus, dass Cobb Einbrecher ist, dem es gelingt Bills Interesse an dieser Beschäftigung zu wecken, weshalb sie im Laufe des Tages in einige Wohnungen einbrechen. Allerdings ist Cobb kein gewöhnlicher Einbrecher, der Sachen stiehlt, um davon leben zu können, sondern jemand, der die Obsession Bills teilt:


Ich mach`s ja auch nicht wegen Geld.
Wieso denn dann?
Adrenalin.
Und ich bin wie du - interessier` mich für Menschen.
Die Sachen sagen viel über die Menschen aus.
Wie alt sind die Leute, die hier wohnen?

...
Ich dachte es geht beim Einbrechen darum, Sachen mitzunehmen.
Nein, darum geht es: Einbrechen, anderer Leute Leben auskundschaften. Rausfinden wer sie wirklich sind.

 


In einer Bar lernt Bill die namenlose Blonde kennen, die sich ihm gegenüber zunächst abweisend verhält und nur wenig über sich erzählt, letztlich aber dennoch eine Beziehung mit ihm eingeht. Als die namenlose Blonde Bill erzählt sie werde erpresst, möchte er ihr helfen, indem er zusammen mit Cobb das Beweismaterial zu stehlen beabsichtigt. Die Beziehung zwischen Bill und Cobb zerbricht als er Cobb diesen Vorschlag unterbreitet, weil Cobb das Risiko zu groß wird als er erfährt, dass die namenlose Blonde in einer der Wohnungen wohnt, in die die beiden zuvor einbrachen...

 

 

Folglich muß Bill das Beweismaterial im Alleingang beschaffen und befindet sich letztlich in einer der Ausgangssituation vergleichbaren Lage, nämlich gesellschaftlich isoliert: Er erkennt zu spät, dass die namenlose Blonde auch ihre Geheimnisse hat und ihn in eine ausweglose Situation manövriert... Eine Situation, die Bill nicht zufällig wiederfuhr, sondern eng mit seiner Identitätskrise zusammenhängt und damit zeigt, dass eine Identitätskrise ausgenutzt werden kann.

Following erzählt seine Geschichte nicht chronologisch, allerdings auch nicht rückwärts wie in Christopher Nolan`s Memento, sondern auf eine Weise vermischt, wodurch die Täuschung, der Bill obliegt, der Täuschung des Zuschauers sehr nahe kommt. Außerdem fungiert diese Erzählweise als Spannungselement, da durch die Vorwegnahme von Ereignissen, die Fragen offen bleiben, wie es dazu kam. Die Identifizierung des Zuschauers mit Bill wird zum einen dadurch unterstützt, dass die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird und zum anderen dadurch, dass der Zuschauer sein Streben nach einer Lösung seiner Identitätskrise nachvollziehen kann.

Damit sind bereits einige Stilmittel genannt, die auch in Memento wiederzufinden sind. Insbesondere gleicht ihnen, dass die gesellschaftlich isolierte und problembehaftete Hauptfigur nach einer Lösung für ihr Problem sucht, das sie allein nicht zu lösen vermag. In dieser Situation tritt ein potentieller Helfer ins Leben der Hauptfigur, wodurch eine Lösung in Sichtweite gerät - Hoffnung wird geweckt. Mit nur zwei Songs und der Entscheidung für eine schwarz/ weiß Optik wird die Atmosphäre, die in Following vorherrscht, überzeugend vermittelt: Anspannung und Unsicherheit. In der nicht chronologischen Erzählweise dienen neben der Filmmusik auch die markanten Orte, die ihre ganz eigenen Wiedererkennungsmerkmal aufweisen, als Orientierungshilfe.

Fazit:
Following erzählt zunächst eine Geschichte von zwei Einbrechern, deren Interesse am Leben anderer, ihr Interesse Dinge zu stehlen, übertrifft. Diese ungewöhnlichen Einbrecher erzeugen Sympathie. Bill, da dessen Identitäskrise sein Interesse am Leben anderer legitimiert. Cobb, weil er der überlegene Charakter ist und damit Bills potentieller Helfer: Er vermittelt Bill eine erkenntnisreichere Methode, die seine unprofessionelle Methode, Menschen zu folgen, ersetzt. Als Bill die namenlose Blonde kennenlernt, gerät er in eine ausweglose Situation, die eng an seine Identitätskrise geknüpft ist. Insofern zeigt Following, dass eine Identitätskrise nicht nur ausgenutzt, sondern auch zum eigenen Verhängnis werden kann - genau dieser Aspekt ist es, der Nolans Werk in meinen Augen zu einem äußerst sehenswerten Film werden läßt.

Wertung:
10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 7
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