Machete Kills (2013)

OT: Machete Kills - 107 Minuten - Action / Krimi / Thriller
Machete Kills (2013)
Kinostart: 19.12.2013
DVD-Start: 19.05.2014 - Blu-ray-Start: 16.05.2014
Will ich sehen
Liste
18959
Bewerten:

Filmkritik zu Machete Kills

Von am
Was war das noch für ein spätnächtlicher Hexenkessel, der sich im Saal des Gartenbaukinos abspielte als Robert Rodriguez’ machetenschwingender Held bei der Viennale 2010 seinen großen Leinwand-Auftritt hatte. Exploitation wie man es sich als Zuseher der Gegenwart vorstellte. Ja, so hätte das vermutlich auch in den 70ern ausgesehen, dachten viele. Das Publikum war schlichtweg begeistert und feierte alles was nach reißerischen Gewaltszenen aussah. Leise Zweifel waren jedoch angebracht als am Ende des Films eine Fortsetzung angekündigt wurde. Ist das ein Gag oder meint er das ernst? Der kommerzielle Erfolg stellte sich ein und Rodriguez machte ernst. Die Frage ist nur – eine oft gestellte Sequel-Grundsatzfrage – braucht es wirklich einen zweiten Teil? Seine Bestrebungen das B-Movie neu zu interpretieren sind zu einem höchst lobenswert, zum anderen sind wir wieder dabei ertragen zu müssen wie manche durch den Erfolg des Originals abgesichert, die profitable Karte zu spielen versuchen. IRON MAN 4? AVENGERS 2-5? Nicht der Diskussion wert, die Notenpresse wird so lange Geld drucken bis ihr die Ressourcen (Publikum) ausgehen aber eine MACHETE-Franchise? Robert Rodriguez hielt sich doch auch von FROM DUSK TILL DAWN 2 & 3 fern! Warum das jetzt?

Dann kam der lang erwartete Trailer zu MACHETE KILLS raus und alles sah ungefähr gleich aus, nur viel wilder. Gut, dann machen wir die Geschichte wieder mit und erfreuen uns des unzerstörbaren Gran Mexicano. Nur nicht zu viel rumprobieren, die Dinge so sein lassen wie sie waren. Schließlich hat sich das Exploitationkino nie viel aus großen Entwicklungen gemacht und überhaupt wäre es empfehlenswert gewesen ein komplett neues Projekt anzugehen. HOBO WITH A SHOTGUN (ebenfalls ein GRINDHOUSE-Faketrailer) war ein phantastisch glaubwürdiges Vergangenheitsrevival, bei deren Einmaligkeit man es beließ. Nicht so die MACHETTE-Filme – der zweite Teil legt noch einen drauf und kündigt gleich zu Beginn mit einem Fake Trailer (was mehr ein Spoiler ist als Fake) die zweite Fortsetzung an:

MACHETTE KILLS AGAIN IN SPACE. Die Parodie, der Parodie von einer Parodie? Machete in MOONRAKER, ernsthaft? Wer glaubt der Hauptprotagonist prügelt sich durch irre Zufälle bis er schlussendlich in den Weltraum geschossen wird, der hat nicht darauf spekuliert was für einen Unsinn sich Rodriguez (Story) und Kyle Ward (Script) einfallen lassen können und noch werden. Mit dieser metaphorischen Vorlage für das was den Zuseher die nächsten 107 Minuten erwartet, veranschaulicht Rodriguez seine uneingeschränkte Bereitschaft zehn Genres, Filmgattungen und Stilrichtungen in kürzester Film-Zeit miteinander vermengen zu wollen.

Dieses mal ist der Plot nämlich weitaus umfangreicher, es geht nicht bloß um illegal einwandernde Mexikaner, einen irren Kartellboss, viele zwielichtige Figuren, die Machete ans Leder wollen oder einen noch wahnsinnigeren Endgegner, der dazu noch ein genialer Wissenschaftler ist, nein, es geht um die Errettung der ganzen Welt. Abgesehen von der Filmdauer, die sich einfach zu lang anfühlt, ist hier so ziemlich keine Übertreibung ausgelassen worden. Selbst auf Actionebene hätte eine Nuance weniger nicht geschadet, doch das ist an und für sich nicht weiter tragisch. Das wahre Problem liegt im kümmerlichen Versuch aus MACHETE KILLS eine Agentenparodie machen zu wollen. Davon haben wir alles Mögliche gesehen, von Klamauk bis recht gelungen. Nach den unerreichbaren OSS117-Parodien (Hazanavicius/Dujardin) und der genialen Zeichentrickserie ARCHER – als mustergültige Beispiele genannt - können wir vorerst auf weitere 007-Persiflagen oder alles was in diese Richtung geht getrost verzichten. Ich würde keineswegs behaupten, dass wir an diesem Punkt popkulturell gesättigt sind, nur dass die ironischen Imitationen an signifikant gestiegenen Standards scheitern.

Wozu Ansprüchen der durchschnittlichen Kinokonsumenten gerecht werden wollen? Damit müssen sich die Franchises epischer Blockbusterreihen rumschlagen aber nicht MACHETE. Dass er die Welt retten soll lässt sich arrangieren aber so einer wie er, ist auch jemand der am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt auftaucht und nicht den President’s Man mimt. Die Parodie, gesetzt dem Fall es war eine, verläuft nämlich wie fast alle anderen Übertreibungen im Sand. Danny Trejo ist beileibe kein Rollendarsteller; dass er mit seiner Paradefigur zusätzlich noch hier und da ein bisschen zu verkalkt wirkt, macht es nicht besser.

MACHETE KILLS’ viele Schwächen lassen oft vergessen was am Film gut ist. Ein von Cuba Gooding Jr., Antonio Banderas, Lady Gaga und Walton Goggins interpretierter Running Gag zum Beispiel, trägt zu den wenigen Momenten der entspannten Heiterkeit bei, in einer teilweise zu ernst wirkenden oder schwer irritierenden Szenerie. Damit die Begeisterung nicht abebbt, sollen gewisse Actionszenen mit noch größerem Spektakel den ersten Teil überbieten. Leider ist der Witz dieses Spektakels ein bisschen der Computerabteilung, wie auch dem Übereifer von Rodriguez und Ward zum Opfer gefallen. Die konsequent geführte Hommage an HAPPY TREE FRIENDS ist auf ihre Art trotzdem ein echter Schenkelklopfer.

Fazit:
Alternativtitel dieses Films sollte MACHETE-Overkills heißen. Vieles in dieser außer Kontrolle geratenen Orgie der Postmoderne haben wir schon irgendwo, irgendwann wiedergekaut und schlecht serviert gesehen und manches davon war Rodriguez’ Selbstrecycling. Gags, die nicht mehr zünden. Dazu noch ein Charlie Sheen, der zum gefühlten 39 mal seit der Serie Chaos City PR-tauglich seine Medienfigur runterspielt. Das B-Movie Kino wiederzubeleben oder, genauer gesagt, seine Ästhetik zu rekonstruieren, ist eine wunderbare Sache, bedauerlicherweise ging hier den Machern die Glaubwürdigkeit verloren.

Wertung:
4/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 4.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 11
10 /10
0%
9 /10
9%
8 /10
0%
7 /10
9%
6 /10
18%
5 /10
18%
4 /10
27%
3 /10
9%
2 /10
0%
1 /10
9%
Vielleicht interessiert dich auch
Fast & Furious Six (2013)
From Dusk Till Dawn (1996)
Desperado (1995)
Kick-Ass 2 (2013)
Sin City 2: A Dame to Kill For (2014)
The Fast and the Furious (2001)
Irgendwann in Mexico (2003)
Nur noch 60 Sekunden (2000)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015
oktober-dezember 13
Liste von arienette
Erstellt: 27.10.2013
Will ich sehen
Liste von The Dark Knight
Erstellt: 22.10.2013
Alle Listen anzeigen