Das Mädchen Wadjda (2012)

OT: Wadjda - 98 Minuten - Drama
Das Mädchen Wadjda (2012)
Kinostart: 30.08.2013
DVD-Start: 28.03.2014 - Blu-ray-Start: 28.03.2014
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Filmkritik zu Das Mädchen Wadjda

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In Saudi Arabien ist sowohl das Vorführen als auch das Drehen von Filmen verboten. Dennoch hat es Haifaa Al-Mansour geschafft trotz erschwerter Bedingungen ihren ersten Spielfilm Wadjda in ihrem Heimatland zu drehen. Wadjda ist ein besonderer Film: zum Einen ist er einer der ersten komplett in Saudi Arabien gedrehten Filme, zum Anderen auch der erste saudiarabische Film, bei dem eine Frau Regie geführt und Drehbuch geschrieben hat.

Wadjda (Waad Mohammed) ist zehn Jahre alt und wünscht sich nichts mehr als das grüne Fahrrad, bei dem sie jeden Tag auf dem Weg zur Schule vorbeigeht, das sie sich aber nicht leisten kann. Da es Mädchen auch nicht erlaubt ist, mit dem Rad zu fahren ist ihre Mutter (Reem Abdullah) nicht besonders begeistert von der Idee und steuert auch kein Geld bei. Aus diesem Grund beginnt Wadjda sich durch den Verkauf verbotener Mixtapes und verschiedener verbotener Aktivitäten am Schulhof etwas dazu zu verdienen. Schließlich droht ihr sogar der Verweis von der Schule, dem sie nur knapp entkommt, ohne die erstrebte Summe beisammenzuhaben. Sie beschließt, beim Koran Rezitationswettbewerb mitzumachen, der mit einer hohen Summe dotiert ist. Wadjda gewinnt den Wettbewerb und gesteht, dass sie das Geld für ein Rad ausgeben will, was ihr so einigen Ärger verschafft. Ihre Mutter plagen in der Zwischenzeit andere Sorgen: Sie kämpft um die Liebe ihres Mannes (Sultan Al Assaf) und Wadjdas Vater, der sich gerade nach einer neuen Frau umsieht.

Finanzielle Unterstützung für die Produktion zu finden gestaltete sich schwierig. Bis es zur tatsächlichen Realisierung des Films kam, dauerte es mehrere Jahre, da Al- Mansour unbedingt in Saudi Arabien drehen wollte. Sie fand schließlich Unterstützung im Ausland, genauer gesagt in Deutschland durch zwei deutsche TV- Sender (den Norddeutschen Rundfunk und den Bayrischen Rundfunk) und verschiedene Filmförderungen. Der Dreh selbst brachte für Haifaa Al-Mansour einige Komplikationen mit sich: Da sie als Frau nicht mit einer Gruppe von Männern in der Öffentlichkeit gesehen werden durfte, musste sie von einem Van aus oder via Walkie Talkie Regie führen.

Wadjda setzt subtil an die gesellschaftlichen Einschränkungen, denen Frauen unterworfen sind, an, betrachtet diese aber aus den Augen eines kleinen Mädchens, das sich in einem Zwischenbereich befindet. Zwar muss auch sie sich verschleiern, wenn sie in die Öffentlichkeit tritt, doch wird ihr aufgrund ihres Alters so einiges nachgesehen. Sie trägt Converse, hört Kassetten mit Rockmusik und trägt ihr Kopftuch ungern und nachlässig. Da sie ein Kind ist und die gesellschaftlichen Regeln noch nicht genügend verinnerlicht hat, übt man noch Nachsicht- ihrer Mutter und den anderen erwachsenen Frauen würden bei so einem Verhalten sofort Sanktionen drohen.

Der Wunsch mobil zu sein, ein Fahrrad zu besitzen, ist trotz gesellschaftlicher Restriktionen groß. Wadjdas Mutter ist auf einen Fahrer angewiesen, um voranzukommen, da es Frauen untersagt ist Auto zu fahren. Dieselben Regeln gelten für Fahrräder, doch Wadjda lässt sich nicht irritieren und verfolgt dennoch ihr Ziel, gegen den Nachbarsjungen Abdullah (Abdullrahman Algohani) ein Rennen zu fahren. Kritik gegen das repressive System übt die Regisseurin nur auf Mikroebene: Im Balanceakt eines Mädchens zwischen ihren eigenen Wünschen und den Restriktionen der Gesellschaft.

Fazit:
Wadjda ist ein bezaubernder Film, der durch die Augen eines Kindes Einblick in die saudiarabische Gesellschaft gewährt. Er zeigt, wie sich Kinder mit ihrer natürlichen, aufmüpfig-naiven Einstellung an den gesellschaftlichen Grenzen stoßen, ohne es zu ahnen. So tastet auch Al-Mansour sich auf ihre Umwelt heran, verspielt, subtil, ohne anzuprangern und mit frischen Augen. Dabei verschafft uns die Regisseurin einen Blick in die Innenräume der Häuser, wo wir den Alltag der Frauen hinter den Kulissen beobachten können. Die Frage nach der Gleichberechtigung rückt in den Hintergrund zugunsten des Wunsches eines Mädchens, ein Fahrrad zu fahren- ein unschuldiges kindliches Verlangen. Wadjda ist ein höchstprofessionell inszenierter Film, mit überzeugenden Schauspielern und einer Glanzleistung von Waad Mohammed, die erstmals vor der Kamera steht, jedoch wie ein absoluter Leinwandprofi wirkt.

Wertung:
8/10 Punkte
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Liste von BrianFantana
Erstellt: 05.10.2012