Trance – Gefährliche Erinnerung (2013)

OT: Trance - 101 Minuten - Krimi / Drama / Thriller
Trance – Gefährliche Erinnerung (2013)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 06.12.2013 - Blu-ray-Start: 06.12.2013
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Filmkritik zu Trance – Gefährliche Erinnerung

Der Film als Traum. Jean-Louis Baudry betrachtete 1975 den Film als traumähnlich und bildete damit mithilfe von Platons Höhlengleichnis sein Kinodispositiv. Darin ist der Zuschauer einer Leinwand ausgesetzt. Der Regisseur des gezeigten Films hat infolgedessen die Macht über den Zuschauer. Er kann ihn begeistern, ihn zum Weinen, zum Schreien oder zum Lachen bringen – ihn sogar manipulieren. In einem Bewusstseinsfilm wie beispielsweise Christopher Nolans Inception (2010) oder David Finchers Fight Club (1999) folgt der Rezipient dem Bewusstsein des präsentierten Charakters.

Genauso wie unser eigenes Unterbewusstsein seine Spielchen mit uns spielt, so kann auch der Regisseur die Wahrnehmung des Zusehers beeinflussen, sodass eine Medienmetapher entsteht. Diese kann bei Bewusstseinsfilmen oft vorgefunden werden und zeigt wie Film letztendlich funktioniert. Wird eine Figur von ihrem eigenen Unterbewusstsein überrascht, so wird diese Reaktion gewöhnlich auf den Zuschauer übertragen. Diese Tatsache greift der Oscar-prämierte Filmemacher Danny Boyle (The Beach, 2000; Slumdog Millionär, 2008; 127 Hours, 2010) in seinem Thriller Trance – Gefährliche Erinnerung auf und formt daraus einen Film, der stets seine gezeigte Handlung, sowie seine eigenen Figuren in Frage stellt – dem Zuschauer demnach stets den Boden unter den Füßen wegzieht. Was ist also Bewusstsein und was ist Realität? Wem kann man trauen?

Simon (James McAvoy) ist ein Kunstauktionator. Er versteigert nicht nur wertvolle Gemälde, sondern ist auch im Fall eines Überfalls für deren Sicherheit zuständig. Als eine kriminelle Bande während einer Auktion versucht ein Bild zu stehlen, wird Simon am Kopf verletzt. Kurz darauf wird er von den Tätern entführt. Es stellt sich heraus, dass Simon das Gemälde doch noch von den Händen der Diebe schützen und verstecken konnte. Franck (Vincent Cassel), der Anführer der Bande, foltert Simon zunächst. Er möchte das Versteck des Kunstwerks erfahren. Trotz Folter verrät Simon den Aufenthaltsort des Gemäldes nicht, da er diesen, aufgrund des Schlages auf dem Kopf, vergessen hat. Um Simon auf die Sprünge zu helfen, engagiert Franck die Hypnose-Therapeutin Elizabeth (Rosario Dawson), die in Simons Unterbewusstsein die Antwort auf seine Frage finden soll…   

Danny Boyles Filme sind inszenatorisch gesehen stets aktuell. Der Filmemacher passt seine Inszenierung einerseits der verfügbaren Geschichte an, andererseits ist sein Stil unverkennbar. Eine wichtige Rolle in seinen Filmen spielt die Musik und in diesem Fall handelt es sich um modernen Elektro-Pop, der lautstark im Hintergrund die verwirrenden Handlungsstränge unterstützt. Zudem verwendet Boyle zahlreiche bunte Farben, die auch die Szenen markieren, welche das Bewusstsein von Simon visualisieren. Mit der Zeit verwischt diese Markierung und es kristallisiert sich eine homogene Farbstilistik heraus. Aufgrund dessen ist der Zuseher nicht mehr in der Lage Realität von Bewusstseinsströmungen zu unterscheiden und muss sich ganz auf die Worte der Charaktere verlassen. Mit diesem Trick beeinflusst der Filmemacher die Wahrnehmung des Zusehers und führt ihn damit in ein Labyrinth voller überraschender Wendungen.

Des Weiteren hat Danny Boyle mit Trance – Gefährliche Erinnerung eine Art Pop-Film-Noir inszeniert. Im Film verknüpft er die bekannten Themen des Noir-Genres, beispielsweise  moralischer Zwiespalt, Verrat, sexuelle Anspannung, fatale Frau und verzweifelte Männer und präsentiert diese in aktuellem Gewand. Als moderne Femme Fatale überzeugt Rosario Dawson nicht nur als Hingucker, sondern auch als widerstreitende Figur. Auf der einen Hand ist sie die verführerische Frau, welche am Hebel sitzt. Auf der anderen Hand schlüpft sie in die Rolle der mitfühlenden Helferin in Not. James McAvoy porträtiert den verzweifelten Mann, der an der Grenze des Wahnsinns steht und eine lebensverändernde Entscheidung treffen muss. Vincent Cassel ist wiederum der typische Macho, der um jeden Preis sein Ziel erreichen möchte. Schauspielerisch kann Rosario Dawson am meisten beeindrucken, jedoch liegen die Performances von McAvoy und Cassel noch im guten Bereich.

Zusammengefasst bietet Trance – Gefährliche Erinnerung drei unvorhersehbare Charaktere. Aus diesem Grund wird auch die Spannungskurve langsam in die Höhe getrieben. Indem das Unterbewusstsein von Simon mithilfe der Hypnose-Therapie von Elizabeth kontrolliert wird, werden auch die Gedanken von Simon gesteuert. Simon wird folglich als Opfer dargestellt. Dennoch kann Danny Boyle Bedenken beim Zuseher hervorbringen, welche die Rolle des Opfers und sein Verhalten anzweifeln. Ist er etwa doch nicht das Opfer? Hat er den Hebel in der Hand?

Trance – Gefährliche Erinnerung ist damit ein gefundenes Fressen für alle die gerne Filmrätsel lösen. Trotz der vielen positiven Faktoren weist der Bewusstseinsfilm auch zwei Schwächen auf, die das Sehvergnügen ins Negative ziehen. Die Exposition gehört zu diesen Punkten. Es dauert ziemlich lange bis Schwung in den Film kommt und die Story ihren interessanten Part offenbart. Bis dahin plätschert der Film nur vor sich hin. Erst ab dem Erscheinen der Femme Fatale gewinnt der Film an Fahrt und die Fahrt durch das Labyrinth der überraschenden Wendungen beginnt. Darüber hinaus wirkt die Handlungsentwicklung partiell an den Haaren herbeigezogen. Die Auflösung des Geduldspiels ist trotzdem geglückt, sodass letztendlich darüber hinweggesehen werden kann.

Fazit:
Filmemacher Danny Boyle überträgt den Gemütszustand der Hauptfigur auf den Zuseher und bietet damit eine gekonnte Medienmetapher. Das Bewusstsein des Hauptcharakters wird zur Wahrnehmung des Zuschauers umfunktioniert. Somit ist dem Betrachter des Films nicht bekannt wann er sich in Trance befindet und wann er die Realität vor Augen hat. Dieses Spiel mit dem Rezipienten erzeugt ein spannendes und kurzweiliges Erlebnis, welches stellenweise im Zuge einiger Drehbuchschwächen getrübt wird. Dessen ungeachtet ist Trance – Gefährliche Erinnerung ein sehenswerter Film, der den Film Noir in einem völlig modernen Gewand präsentiert.

Wertung:
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Liste von Hahn
Erstellt: 30.11.2013
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