Heute bin ich blond (2013)

OT: Heute bin ich blond - 115 Minuten - Komödie / Drama
Heute bin ich blond (2013)
Kinostart: 25.04.2013
DVD-Start: 01.08.2013 - Blu-ray-Start: 01.08.2013
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Filmkritik zu Heute bin ich blond

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Mit Heute bin ich blond setzt Regisseur Marc Rothemund die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Produzent Sven Burgemeister fort. Schon 2002 arbeiteten sie gemeinsam an dem Film Die Hoffnung stirbt zuletzt und 2005 für das Kriegsdrama Sophie Scholl – Die letzten Tage. 2013 bringen sie nun einen Film auf die Leinwand, der das ernste Thema Krebs mit einer gesunden Prise Humor kombiniert. Die Idee klingt vielversprechend, doch wer sich zu sehr am Trailer orientiert und eine Komödie erwartet liegt ziemlich daneben.

Mit 21 Jahren schmieden die meisten für gewöhnlich aufregende Zukunftspläne. Noch dazu, wenn Silvester vor der Tür steht. Sophie (Lisa Tomaschewsky) wünscht sich eine eigene Wohnung, zu reisen und jede Menge Sex. Völlig unerwartet erhält sie jedoch die Diagnose Krebs. Sophie lässt sich dennoch nicht unterkriegen und will weiterhin selbst über ihr Leben bestimmen. Ausgerechnet Perücken erwecken ihre Lebensgeister und jede einzelne entfesselt eine neue Persönlichkeit, die ihre ganz eigene Art hat mit dem Krebs umzugehen.

Wer würde nicht gern das ein oder andere Mal alltägliche Gewohnheiten ablegen und in eine andere Rolle schlüpfen? Sophie nutzt ihre stetig wachsende Sammlung an Perücken und kreiert durch sie verschiedenste Persönlichkeiten. Durch sie schafft sie es, ihrem Alltag aus Chemotherapie, Infusionen und Bestrahlung zumindest kurzzeitig zu entfliehen und sich wieder unter Menschen zu trauen. Ihre verschiedenen Identitäten – mal ist sie die selbstbewusste Blondine, mal die kämpferische Rothaarige, dann die verführerische Brünette -  spiegeln aber auch die Suche nach ihrem inneren Selbst wider. Durch diesen stark subjektiven Blickwinkel rücken allerdings die Nebenfiguren ein wenig in den Hintergrund und werden nur oberflächig beleuchtet.  

Krebsleiden wurden schon in vielen Filmen thematisiert. Rothemund wählte einen sehr persönlichen Zugang und erzählt die Geschichte aus Sicht der Hauptdarstellerin. Es geht um ihren ganz eigenen Umgang mit ihrer Krankheit, ihren eigenen Dialog mit dem Krebs. Im Vordergrund stehen die kleinen Dinge des Lebens, das Negative, aber auch das Positive, das der Krebs mit sich bringt.

Rothemund erschafft zwar insgesamt eine bewegende Geschichte, kann aber seine Zuseher nie gänzlich einfangen. Die merkliche Unentschlossenheit, ob er eine Komödie oder eine Tragödie drehen will, trübt das Filmerlebnis. Setzt er auf Optimismus und Humor oder soll er doch eher den Schmerz und die Ohnmacht thematisieren mit der alle Beteiligten konfrontiert sind? Und so ist auch der Film gespickt mit zahlreichen Ambivalenzen, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen: das kalte, weiße Krankenhaus vs. einem bunten, hitzigen Partyleben, Zukunftspläne vs. einem Leben im Hier und Jetzt, Vernunft vs. Spaß, Klaviermusik vs. fetzigen Pop.  

Schade, dass Rothemund nicht entschlossener vorgegangen ist. So wird der Film einerseits nie wirklich ergreifend, andererseits auch nie besonders unterhaltsam. Letzteres wäre zwar gewagt gewesen, hätte der Ernsthaftigkeit eines Krebsleiden dennoch keinen Abbruch getan. Stattdessen bleibt der Filmemacher eher auf der sicheren Seite und wählt das rechte Maß, tut sich und seinem Film damit jedoch keinen Gefallen. Heute bin ich blond sorgt kaum für Lacher, ist aber auch kein Film, der stark auf die Tränendrüsen drückt und plätschert zwei Stunden lang gemächlich dahin. Obwohl die Schwere der Krankheit ständig im Fokus steht, will kein Mitleid oder gar Sorge aufkommen, dass Sophie tatsächlich sterben könnte. Die unzähligen Szenen von Sex und Partys betonen zwar die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die Sophie allmählich annimmt, sind aber mit der Zeit immer mühseliger anzusehen.

Fazit:
Alles in allem ist Rothemunds neues Werk eine solide deutsche Komödie zum Schmunzeln, die behutsam und berührend die Geschichte einer jungen Krebspatientin zeigt. Trotz der sensiblen Thematik überzeugt der Film mit stetem Optimismus, den die Figuren an den Tag legen, ohne je aufgesetzt zu wirken. Wer sich allerdings einen Film zum Lachen oder Mitfühlen erwartet, sollte sich vielleicht zweimal überlegen eine Kinokarte zu lösen.

Wertung:
6/10 Punkte
Filmering.at
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