The Best Offer - Das höchste Gebot (2013)

OT: La migliore offerta - 124 Minuten - Drama / Romantik
The Best Offer - Das höchste Gebot (2013)
Kinostart: 03.05.2013
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Best Offer - Das höchste Gebot

Der gewöhnliche Kinozuschauer ist aufgrund des Übermaßes an US-amerikanischen Filmproduktion im Kino zu sehr von der Erzählart dieser Filme beeinflusst. Bevorzugt werden Blockbuster und Komödien angesehen, die ein schnelles Erzähltempo vorweisen. Somit werden während der Filmexposition die Hauptcharaktere eingeführt, deren Reise angedeutet und deren Beweggründe vorgestellt. Doch außerhalb der amerikanischen Filmlandschaft sieht es etwas anders aus und ein Beispiel für ein unkonventionelles Erzähltempo bietet der italienische Regisseur und Drehbuchautor Guiseppe Tornatore (Everybody’s Fine, 1990; Malèna, 2000) mit dem Film The Best Offer – Das höchste Gebot. Der Filmemacher präsentiert uns einen stilvollen Einzelgänger in einem kunstvollen Film.

Virgil Oldman (Geffrey Rush) ist ein Auktionator und Kunstexperte. Er liebt Frauengemälde und verabscheut dafür Menschen. Seinen einzigen Freund Billy (Donald Sutherland) benutzt er um an präferierte Gemälde heranzukommen. Ferner erhält er telefonisch den Auftrag den Wert der Antiquitäten eines Hauses zu schätzen, da die geheimnisvolle Auftraggeberin Claire (Sylvia Hoeks) diese verkaufen möchte. Nach einem Streit mit Claire, die sich weigert zum vereinbarten Treffen zu erscheinen, gibt sich Virgil als ein Angestellter aus und besucht somit Claire in ihrem Haus. Er möchte nicht nur die Kunststücke sehen, sondern auch das Gesicht der jungen Frau. Jedoch findet er nicht einmal hier Claire vor. Zumindest nicht ihre Gestalt – ihre Stimme ertönt nämlich aus einer kunstvoll verzierten Wand…

In The Best Offer – Das höchste Gebot werden die Eigenschaften und Motive der Charaktere nicht zu Beginn, sondern erst im Verlauf der Handlung skizziert. Die Wendungen des Drehbuchs erfüllen somit auch ihren erwünschten Effekt beim Zuschauer, da die Innenwelt der Figuren und ihr Vorhaben erst langsam zum Vorschein kommen. Demzufolge ist auch das Erzähltempo ungewohnt langsam. Aus diesem Grund entstehen im ersten Akt des Films einige Längen. Mithilfe der Nebenplots und der Informationen, die dem Zuseher nach und nach enthüllt werden, gewinnt der Film wieder an Fahrt. Langsam aber sicher bildet sich ein Sog. Denn trotz langsamen Erzähltempos gelingt es Tornatore die Aufmerksamkeit des Betrachters mit den kleinen Geheimnissen der Charaktere aufrecht zu erhalten. Allerdings wird der Zuschauer dann am Ende wieder aus diesem Sog herausgespuckt, nachdem der Filmemacher im letzten Akt seines Films in die Trickkiste Hollywoods greift und schließlich vom zu Beginn ausgewählten, unkonventionellen Weg abweicht. Die Ereignisse überschlagen sich und aus dem bisher vorgeführten Drama bildet sich schnell ein Thriller.

Die Beziehung zwischen Claire und Virgil steht im Mittelpunkt der Handlung. Die Nebenplots drehen sich demnach um diese Beziehung. Der Hauptcharakter des Films wird als kühler und verschlossener Mann dargestellt und genau das macht ihn im Verhältnis mit der mysteriösen Claire auch so interessant. Die Gestalt der Hauptdarstellerin Sylvia Hoeks bleibt darüber hinaus im Film lange im Verborgenen. Ihre Stimme jedoch ertönt durchs Telefon und durch Wände. Infolgedessen wird sie zum Angelpunkt des Films. Zuerst möchte man sie sehen – nach ihrem Erscheinen erweckt ihr Problem die Neugierde des Zuschauers. Das kurze Katz und Maus Spiel zwischen Virgil und Claire erweckt zudem den Anschein, dass es sich hierbei um ein Acousmêtre (Michel Chion) handelt. Der Regisseur hätte bis zum Ende des Films ein Geheimnis aus der Gestalt hinter der weiblichen Stimme machen und Claires Gestalt erst dann enthüllen können. Jedoch verläuft in The Best Offer – Das höchste Gebot erstmal alles anders als erwartet.

Auch das Verhältnis zwischen Virgil und Robert (Jim Sturgess; Cloud Atlas – Der Wolkenatlas, 2012) hat seinen Reiz. Dabei erklärt der junge Robert den alten Virgil wie er eine Frau verführen soll. Jim Sturgess fungiert als Frauenverführer und der charismatische Geffrey Rush als jungfräulicher alter Mann, der sich verliebt hat. Wie bereits thematisiert wird in diesem Film nicht Action als Katalysator für die Erhöhung der Spannungskurve verwendet. Die Skizzierung der Charaktere und deren Verhältnisse sind es, welche die Aufmerksamkeit des Zusehers stets aufrechterhalten. Leider trüben die Längen im ersten Teil des Dramas, der plötzliche Umschlag zum Thriller im späteren Filmverlauf und der damit verbundene Griff in die Hollywoodtrickkiste den Filmspaß, sodass der Film die Bewertung mit 8 Punkten knapp verpasst hat.

Fazit:  
The Best Offer – Das höchste Gebot ist ein Film der langsam aber sicher einen hohen Spannungsbogen erzeugt. Dabei sind es die Charaktere und deren Beziehungen, die den Film so interessant machen. Wie in einem antiken griechischen Drama geht die Spannungskurve in der Mitte der Handlung in die Höhe, sodass dann am Ende die Katastrophe folgt. Einen Teil dieser Katastrophe kriegt auch der Zuschauer ab. Doch trotz der strukturellen Schwächen ist Guiseppe Tornatores The Best Offer – Das höchste Gebot ein sehenswerter Film mit Stil.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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